Rheda-Wiedenbrück
Thermoscanner schlagen bei Fieber Alarm

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Wenn tagtäglich 6500 Beschäftigte durch die Werkstore ein- und ausgehen, ist die Gefahr der Einschleppung sowie Verbreitung eines Virus’ wie Covid-19 hoch: Um dieses Risiko zu reduzieren, werden bei der Firma Tönnies die Mitarbeiter seit einigen Tagen am Einlass gescannt

Dienstag, 28.04.2020, 21:00 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Thermoscanner schlagen bei Fieber Alarm

Dies gilt zumindest an den Standorten Rheda, Sögel und Weißenfels. Andere Niederlassungen möchte die Konzernspitze nachrüsten und die Technik auch über die Coronakrise hinaus nutzen. Denn die Scanner haben in den drei Wochen, in denen sie bereits im Einsatz sind, überzeugt: Die Geräte, die optisch an Überwachungskameras erinnern, übertragen jeweils Live-Thermografieaufnahmen auf einen Monitor im Eingangsbereich, wobei ein besonderer Fokus auf den Gesichtern der Ankömmlinge liegt. Für jeden Einzelnen lässt sich die Körpertemperatur ablesen.

Typische Anzeichen erst nach zwei bis zehn Tagen

Liegt die höher als 38 Grad Celsius, schlägt die Technik Alarm. An internationalen Flughäfen in Italien sind die Geräte bereits seit Anfang Februar im Einsatz. Mittels der Scanner möchte nun auch Tönnies in der Personalschleuse jene identifizieren, die ein wesentliches Symptom des Coronavirus’ zeigen – nämlich Fieber. Einen kleinen Haken gibt es: „Die Technik kann keine Menschen erkennen, die zwar infiziert, aber noch keine erhöhte Temperatur haben“, weiß Unternehmenssprecher Dr. André Vielstädte. Das liegt daran, dass es zwischen zwei und zehn Tagen dauert, bis Personen, die den Covid-19-Erreger in sich tragen, erste typische Anzeichen zeigen.

Gleichwohl hat sich das System bewährt. Zwar immer noch ohne einen einzigen offiziell bestätigten Coronainfizierten im Unternehmen, hat das Gerät bereits etliche Male Alarm geschlagen und den Sicherheitsdienst auf den Plan gerufen. Er ist es, der zur Absicherung der Momentaufnahme einen zweiten Durchgang veranlasst und anschließend den fiebrigen Mitarbeiter bittet, wieder nach Hause zu gehen, sich auszukurieren oder ärztlichen Rat einzuholen. Die Krankmeldung erfolgt sofort und unkompliziert, es braucht nicht erst ein Attest.

Gerät stellt keine Diagnose

Die Grenze verläuft im Fleischwerk Rheda bei 38 Grad Celsius – wer darunter liegt, bewegt sich im grünen Bereich, wer darüber rangiert, gilt als erkrankt – woran auch immer. Denn auch das ist klar: „Ein Thermoscanner stellt keine Diagnose“, sagt Dr. André Vielstädte. Aber er biete ein Stück mehr Sicherheit, das auch den Segen des Betriebsrats hat. „Nichts wird gespeichert, der Datenschutz ist zu jeder Zeit gewährleistet“, betont der Unternehmenssprecher.

System passt in Abläufe bei Tönnies

Tönnies dürfte wohl eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Unternehmen in der Republik sein, das in dieser Größenordnung seine Mitarbeiter tagtäglich via Thermoscan einem oberflächlichen Gesundheitscheck unterzieht. „Das System passt perfekt in unsere Abläufe“, sagt Unternehmenssprecher Dr. André Vielstädte. Vollautomatisch nimmt es die hereinkommenden Menschen unter die Lupe, niemand muss manuell überprüfen, wie es um die Fieberverbreitung innerhalb der Belegschaft bestellt ist.

Auf Abstand zueinander gehen

So bilden sich auch keine Staus – was in Zeiten, in denen die Menschen auf Abstand zueinander gehen soll, allen nur recht sein kann. Aus dem gleichen Grund ist am Haupttor in Rheda im Übrigen das kleine Abdach vor den Drehtüren abmontiert worden: Wenn es regnet, könnte der eine oder andere der Versuchung erliegen, sich dort unterzustellen und die Bemühungen in Sachen Distanz zunichte zu machen. Ebenfalls abgeschaltet worden sind die Handflächenscanner, die einen Direktkontakt erfordern und insofern aus hygienischen Gründen derzeit verzichtbar sind.

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