Rheda-Wiedenbrück
Letzte Morgenmesse mit den Franziskanern

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Ein Hauch von Wehmut weht durch das an diesem Morgen angenehm temperierte Gotteshaus. Der ein oder andere Besucher kann seine Tränen nicht unterdrücken. Es ist der letzte gewöhnliche Gottesdienst, den die Franziskaner mit ihrer Gemeinde, den „Paterskatholischen“, feiern.

Montag, 01.06.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 16:31 Uhr

Bis zum endgültigen Abschied der drei Brüder Korbinian, Richard und Rigobert aus Wiedenbrück sind es zwar noch knapp vier Wochen. Doch die Corona-Krise hat – wie so vieles in dieser Zeit – auch die Gottesdienstordnung in der Klosterkirche durcheinandergewirbelt. Unter anderem weil von Juni an verschärfte Bedingungen für Kirchenbesucher gelten, Personalien aufgenommen und zwei Wochen verwahrt werden müssen, haben sich die Franziskaner für das vorzeitige Ende ihrer täglichen 9-Uhr-Frühmessen entschieden.

30 Gläubige dürfen teilnehmen 

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“, bekennt Guardian Korbinian ganz offen, als er sich um kurz vor neun den Mundschutz anlegt, um die Kirche durch das Südportal für den Gottesdienst zu betreten. „Meine beiden Mitbrüder sind weit über 80. Die sind besonders gefährdet“, begründet der Geistliche seine Erleichterung. Doch Bruder Korbinian will sich trotz der Krise nicht unterkriegen lassen. „Nicht Corona ist der Herrscher der Welt, sondern Jesus Christus“, ruft er den knapp 30 Gläubigen, die zur letzten Frühmesse erschienen sind, in seinen Eingangsworten zu. Und doch ist vieles anders bei den Gottesdiensten in der Marienkirche. Die Zahl der Besucher ist auf 30 beschränkt. Die Gläubigen tragen Mundschutz, bis sie ihre Plätze eingenommen haben.

In fast jeder Reihe sitzt lediglich eine Person. Nur drei Paare teilen sich je eine Bank. Der Einzige, der an diesem Morgen singt, ist Organist Josef Linnenbrink. Auch die Kommunion unterliegt den Corona-Hygienevorschriften: Bruder Korbinian in seinem weißen Messgewand steht mit Mundschutz hinter einer mobilen Glasscheibe, als er die Hostien mit einer Zange packt und sie jedem Gläubigen auf einem eigenen Porzellanteller unter der Scheibe durchreicht. Dumpf klingt sein „Dies ist der Leib Christi“ durch die Maske. Doch vom Ablauf her deutet nichts darauf hin, dass es die letzte öffentliche Messe der Franziskaner nach mehr als 350 Jahren ist. „Wir sind vor 350 Jahren leise nach Wiedenbrück gekommen und gehen jetzt auch wieder leise fort“, meinte Bruder Richard dieser Tage in der Sakristei zum Organisten Josef Linnenbrink. Und auch der Schlusssegen von Bruder Korbinian liefert keine Überraschungen. „Ich wünsche ein gesegnetes Pfingstfest, bleiben Sie gesund“, ruft er den Gläubigen zu und „Gehet hin in Frieden“.

Kirchgänger bedauern Weggang der Pater

Draußen vor der Kirche schämen sich die Besucher nicht für ihre Gefühle an diesem denkwürdigen Samstag. „Ich finde das alles sehr schade. Die Franziskaner haben viel für Wiedenbrück getan. Die tägliche Messe war sehr komfortabel für die älteren Menschen“, äußert Michael Keller sein Bedauern. Heinz und Marita Künne, die sonst regelmäßig am Sonntag zu Gast in der Kirche sind, zeigen sich vor allem traurig über die Umstände des Weggangs. „Das tut uns richtig leid“, sagt Marita Künne. „Die Franziskaner waren über Jahrhunderte hier und jetzt dieser Abgang.“ Auch Christel Wixmerten, Nachbarin des Franziskanerklosters aus der Mönchstraße, ist traurig. Sie bekennt: „Die Nähe und die Betreuung werde ich vermissen.“

Rosenkranzgebet wird fortgesetzt

Derweil schämt sich die treue Kirchgängerin Agnes Franke nicht ihrer Tränen. „Doch das Leben geht weiter“, merkt sie an und bekräftigt: „Wir bleiben der Kirche treu.“ Für sie und eine Handvoll anderer Gläubiger bedeutet dies auch die Fortsetzung einer jahrzehntelangen Tradition. Jeden Tag um 17 Uhr treffen sie sich in der Paterskirche mit ihrem Vorbeter Klaus Bexten zum Rosenkranzgebet. Der hatte das „Amt“ einst von Küsterin Christine Schürmann übernommen. Die hatte ihm auf ihrem Sterbebett nahegelegt: „Du kommst auch aus St. Vit. Du musst das weitermachen.“ Klaus Bexten hat übernommen und der Christ ist sich seiner Verantwortung für die Tradition durchaus bewusst. „Mit Pfarrdechant Edeler und Bruder Korbinian habe ich geklärt, dass wir bis auf Weiteres in der Marienkirche den Rosenkranz beten können“, berichtet er erleichtert.

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