Rheda-Wiedenbrück
Kreis zeigt Tönnies die gelbe Karte

Rheda-Wiedenbrück (lani) - Der Kreis hat seine Corona-Reihentestung bei Tönnies wieder aufgenommen. Damit regiert die Behörde auf das jüngste Infektionsgeschehen am Unternehmenssitz in Rheda. Allein in den vergangenen sieben Tagen waren 128 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden.

Dienstag, 16.06.2020, 15:46 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 09:46 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Kreis zeigt Tönnies die gelbe Karte

Ein Großteil der Infizierten wohnt im Kreis Gütersloh. Tendiert die Zahl der Neuinfektionen vielerorts gegen null, zählt der Gütersloher mittlerweile zu den vier Landkreisen, die bundesweit am stärksten vom Coronavirus getroffen sind. Da die hohe Zahl an Erkrankten in den vergangenen Tagen fast ausschließlich auf Personen zurückzuführen ist, die bei Tönnies beschäftigt sind oder oder zu diesen im Wohnumfeld engen Kontakt haben, hatte Landrat Sven-Georg Adenauer die Geschäftsführung für Dienstag zum Krisentreffen einbestellt.

Präventivmaßnahmen zugesagt

Um das Risiko einer weiteren Ausbreitung zu verringern, habe das Unternehmen dabei eine Reihe von Präventivmaßnahmen zugesagt, teilt der Kreis mit. Unter anderem soll der Personaleinsatz in den betroffenen Bereichen signifikant verringert werden, um die innerbetrieblichen Abstände bei der Arbeit zu vergrößern. Zusätzlich werden technische Maßnahmen im Bereich der Belüftung und der Bestrahlung mit UV-Licht ergriffen.

Um festzustellen, ob sich weitere Personen infiziert haben, führt der Kreis seit Dienstag wieder eigene Tests auf dem Gelände des Unternehmens durch. Die Probenentnahmen erfolgen insbesondere bei Mitarbeitern, die entweder in der Zerlegung oder in der Kantine tätig sind. „Ob weitere Maßnahmen erforderlich sein werden, hängt von den Testergebnissen ab“, kündigte Thomas Kuhlbusch, Krisenstabsleiter des Kreises, an. Proben, die in den vergangenen Wochen im firmeneigenen Corona-Testcenter untersucht worden sind, hatten laut Tönnies im Anschluss an die behördlichen Massentests einen Bereich des Zerlegebetriebs für Sauen und Schweine als Infektionsherd ausgemacht.

„Wir arbeiten Hand in Hand mit der Behörde“

„Wir arbeiten Hand in Hand mit der Behörde“, sagt Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter, der am Dienstag persönlich an der Sitzung des Corona-Krisenstabs teilgenommen hat. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die weitere Ausbreitung zu minimieren.“ Als Ursache für die Ausbreitung des Virus’ in dem Betriebsteil nennt Tönnies die dort vorherrschenden Arbeitsbedingungen. „In unseren Zerlegebereichen herrschen winterliche Temperaturen. Es mehren sich die Erkenntnisse, dass die mikroklimatischen Bedingungen die Verbreitung besonders begünstigen können“, sagt Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemiestabs im Rhedaer Schlachthof.

Besorgter Landrat

Landrat Sven-Georg Adenauer hatte sich bereits am Montag in der Kreistagssitzung besorgt gezeigt angesichts der hohen Zahl der auf Corona positiv getesteten Mitarbeiter des Unternehmens und angekündigt, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und einen zweiten Lock-Down im Kreis Gütersloh zu verhindern. Die Ergebnisse des Krisentreffens sind bereits der Bezirksregierung und dem Landwirtschaftsministerium NRW zugeschickt worden. Aus gutem Grund: Es gilt nun zu entscheiden, ob erneut Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ergriffen werden müssen. Laut einer Bund-Länder-Vereinbarung ist droht ein solches Szenario, wenn sich mehr als 50 Personen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neu infiziert haben. Die Grenze würde der Kreis Gütersloh bei 182 erreichen. Krisenstabsleiter Kuhlbusch schränkte jedoch ein, dass es dabei „keinen Automatismus gibt“. So könne von weitreichenden Maßnahmen abgesehen werden, wenn sich die Neuinfizierten auf einen oder wenige Ausbruchsherde zurückführen ließen.

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