Kreis Gütersloh mit bundesweit zweithöchster Infektionsrate
Corona-Ausbruch bei Tönnies bereitet Sorge

Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein Corona-Ausbruch in der Belegschaft des Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück lässt die Infektionszahlen im Kreis Gütersloh hochschnellen. Der Kreis weist laut Robert-Koch-Institut bundesweit die zweithöchste Ansteckungsrate auf – mit 31 Fällen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Selbst im Falle eines weiteren Anstiegs über den festgelegten Grenzwert von 50 für schärfere Maßnahmen zur Eindämmung will Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) aber einen Lockdown verhindern.

Mittwoch, 17.06.2020, 03:22 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 05:03 Uhr
Das Infektionsgeschehen im Kreis Gütersloh konzentriert sich hauptsächlich auf die Firma Tönnies. Foto: dpa
Das Infektionsgeschehen im Kreis Gütersloh konzentriert sich hauptsächlich auf die Firma Tönnies. Foto: dpa

Der Anstieg der aktiven Corona-Fälle im Kreis von 51 auf 134 binnen Wochenfrist gehe überwiegend auf Tönnies-Mitarbeiter und deren Umfeld zurück. Das Infektionsgeschehen in der allgemeinen Bevölkerung „beschränkt sich auf ganz wenige Einzelfälle“, betont der Kreis. Deshalb gebe es bei dieser Lage auch keinen Automatismus für einen Lockdown.

128 Beschäftigte am Tönnies-Stammsitz sind in den vergangenen sieben Tagen positiv auf Corona getestet worden. Alle arbeiten in einem Teilbereich der Schweinezerlegung, in dem insgesamt 1000 Mitarbeiter tätig sind. Der Kreis will nun sämtliche Beschäftigte der Abteilung testen, um die Infektionswelle unter Kontrolle zu bekommen.

Nach Angaben von Konzernsprecher André Vielstädte sei am Donnerstag mit ersten Ergebnissen zu rechnen. „Ob weitere Maßnahmen erforderlich sein werden, hängt insbesondere von den Testergebnissen ab“, kündigt Thomas Kuhlbusch, Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh, an.

Personalstärke soll halbiert werden

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, habe der Konzern bereits zusätzliche Schutzmaßnahmen zugesagt. So halbiert Tönnies die Personalstärke in der Abteilung vorübergehend, auch um Abstände zwischen den Arbeitern zu vergrößern. Zudem solle die Belüftung mit Frischluft sowie die Bestrahlung mit UV-Licht verbessert und das Raumklima verändert werden.

„In unseren Zerlegebereichen herrschen sozusagen spätwinterliche Temperaturen. Es mehren sich die Erkenntnisse, dass die dortigen mikroklimatischen Bedingungen die Verbreitung besonders begünstigen können. Diese Risiken müssen wir zielgerichtet angehen“, erklärt Tönnies-Krisenstableiter Dr. Gereon Schulze Althoff. In der Vorwoche seien bereits der Einsatz medizinischer Mund-Nasen-Schutzmasken und optimierte Lüftungskonzepte beschlossen worden.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, die weitere Ausbreitung zu minimieren“, sagt Konzernchef Clemens Tönnies. Durch die allgemeinen Lockerungen – auch bei der Reisefreiheit der oft osteuropäischen Werkvertragsarbeiter – seien „die Risiken für eine Ansteckung von Mitarbeitern außerhalb des Betriebs wieder gestiegen“. Tönnies führt nach behördlichen Massentests Mitte Mai mit nur wenigen Corona-Fällen präventiv eigene Tests durch.

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