Rheda-Wiedenbrück
Weitere positive Fälle bei Tönnies

Kreis Gütersloh (gl) - Die Zahl der neu mit dem Coronavirus Infizierten in den Kreisen Warendorf und Gütersloh steigt. Die Stadt Verl engagiert einen Sicherheitsdienst, um die Unterkünfte der Werkvertragsarbeiter zu überwachen. Die Entwicklungen in der Übersicht.

Donnerstag, 18.06.2020, 19:28 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 19:46 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Weitere positive Fälle bei Tönnies

Weitere Fälle bei Tönnies:
Von den am 16. Juni genommenen 1.106 Abstrichen sind 730 Befunde (Vortag: 657) positiv. Im Rahmen der heutigen Testungen wurden bisher rund 600 Beschäftige durch Mitarbeiter des Kreises Gütersloh abgestrichen. Die Reihentestung wird voraussichtlich bis zum 23. Juni andauern. Unabhängig von der Reihentestung des Kreises Gütersloh sind heute 10 weitere positive Laborbefunde eingegangen, die zwar nicht unmittelbar dem Unternehmensbereich der Firma Tönnies zugeordnet werden können, jedoch Personen aus Südost- und Osteuropa betreffen. Bei den noch aktiven Fälle und Neuinfektionen, die nicht im Zusammenhang mit dem Betrieb der Firma Tönnies stehen, handelt es sich nach wie vor um wenige Einzelfälle, so dass das aktuelle Infektionsgeschehen sich nach wie vor auf die Personen konzentriert, die in der Produktion der Firma Tönnies tätig sind.

Behandlungszentren:
 Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat angekündigt, zwei Corona-Behandlungszentren aufzubauen. Eines wird auf dem Werksgelände der Firma Tönnies für die dort tätigen Personen aufgebaut, die sich infiziert haben oder bei denen der Verdacht einer Infektion besteht und die unter Quarantäne stehen. Im Bedarfsfall werden sie aus ihren Wohnungen dorthin direkt gefahren und direkt zurückgebracht. Es soll am Freitag, 19. Juni, um 14 Uhr seinen Betrieb aufnehmen. Ein weiteres Coronabehandlungszentrum soll auf dem Gelände des Klinikums Gütersloh aufgebaut werden und für alle anderen Patienten mit Symptomen da sein. Es wird seinen Betrieb am Samstag, 20. Juni, um 11 Uhr aufnehmen. Eine Untersuchung und Behandlung ist dort jeweils nur nach Voranmeldung möglich.

Peta protestiert:
Die Organisation kündigt für Freitag, 14 Uhr, eine Demonstration für dem Fleischwerk in Rheda an.

Kreis richtet Hotline ein:
Ab Freitag, 19. Juni 2020, bietet der Kreis Gütersloh eine muttersprachliche Corona-Hotline für Bürger aus Polen und Rumänien an. Beantwortet werden alle Fragen rund um das Coronavirus. Das Angebot ist kostenlos. Die Hotline für Menschen der Muttersprache Rumänisch ist unter der 05241/854513 montags, mittwochs und freitags jeweils von 9 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags jeweils von 15 bis 18 Uhr erreichbar. Die Hotline für Menschen der Muttersprache Polnisch ist unter der Rufnummer 05241/85-4573 montags, mittwochs und freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie dienstags und donnerstags jeweils von 9 bis 12 Uhr erreichbar.

Kreis Warendorf:
Dem Gesundheitsamt des Kreises Warendorf lagen am Donnerstag (18. Juni) sieben weitere positive Corona-Testergebnisse für Mitarbeiter der Firma Tönnies vor, die im Kreisgebiet wohnen. Bereits am Mittwoch (17. Juni) waren 53 Neuinfektionen, die mit Tönnies zusammenhängen, bekannt geworden. Von den insgesamt 60 seit dem 17. Juni als infiziert gemeldeten Mitarbeitern wohnen mit 37 die allermeisten in Oelde, sieben in Sassenberg und fünf in Ennigerloh. Insgesamt etwa 6500 Mitarbeiter sind am Tönnies-Standort Rheda-Wiedenbrück beschäftigt. Der Kreis Warendorf hat alle Tönnies-Mitarbeiter, die im Kreis wohnen, unter Quarantäne gestellt. Das gilt solange, bis negative Testergebnisse vorliegen. Zudem wurde für alle Personen, die mit Tönnies-Mitarbeitern zusammenleben, die dringende Empfehlung ausgesprochen, sich ebenfalls in Quarantäne zu begeben. Tönnies hat zugesagt, die unter Quarantäne gestellten Mitarbeiter in ihren Wohnungen mit Lebensmitteln zu versorgen. In einer Telefonkonferenz mit dem Landrat verständigten sich die Bürgermeister darauf, dass keine weiteren Maßnahmen wie die kreisweite Schließung von Schulen oder Kitas zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich sind. Lediglich in der besonders stark betroffenen Stadt Oelde bleiben nach einer Entscheidung der Stadt am Mittwochabend die Schulen und Kindergärten vorsichtshalber bis einschließlich Freitag (19. Juni) geschlossen.
Proteste in Rheda-Wiedenbrück:
Eltern und Kinder haben in Wiedenbrück auf dem Marktplatz gegen Tönnies protestiert. „Tönnies macht Profit - unsere Kinder bezahlen den Preis“ stand auf einem Plakat. „Die Kinder und Familien müssen es wieder ausbaden“, sagte eine Teilnehmerin. Auch vor dem Wohnhaus von Clemens Tönnies in Rheda äußerten Eltern und Kinder ihren Unmut.

Bundeswehr hilft:
Der Kreis bittet die Bundeswehr um Amtshilfe. 25 Soldaten sollen ab Freitag bei den Tests des Tönnies-Personals helfen. 13 haben einen medizinischen Hintergrund, 12 helfen bei der Dokumentation.

Grüne fordern Sondersitzung des Kreistags:
Die Fraktion will dort einen umfassenden Lagebericht zum Corona-Ausbruch bei der Firma Tönnies erhalten. Folgende Fragen stellen die Grünen: Ist das von der Firma Tönnies vorgelegte Hygienekonzept durch den Kreis auf Plausibilität geprüft worden? Wie ist die Einhaltung des Hygienekonzeptes sichergestellt worden? Wie wird sowohl die medizinische Versorgung als auch die Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs der Corona-Infizierten und der in Quarantäne befindlichen Beschäftigten der Firma Tönnies und ihrer Familien sichergestellt? Wie wird die Einhaltung der Quarantänevorschriften gewährleistet? Wie wurde die Versorgung der bereits transportierten und der in den Transportern befindlichen Tieren durch die Firma Tönnies sichergestellt und das Tierwohl gewährleistet? Wie wird mit den schlachtreifen Tieren verfahren? Wie stellt sich die Situation der betroffenen Mastbetriebe da? In welchem Umfang werden Testungen durchgeführt und welcher Personenkreis wird erfasst? Wird es verstärkte Testungen in den besonders betroffenen Kommunen geben? Wie werden die Verfolgung und die Unterbrechung von Infektionsketten sichergestellt? Wie stellt sich die Situation von Eltern und Kinder nach den Schul- und Kita-Schließungen dar?  Wie kann eine Betreuung besonders benachteiligter Kinder und Jugendlicher auch in den Ferien sichergestellt werden? Wer trägt die Kosten für diesen zusätzlichen, erheblichen Aufwand?

Kliniken in Gütersloh:
Als Reaktion auf die mehr als 650 positiven Tests (Stand 17. Juni) bei Tönnies haben die Kliniken in Gütersloh entschieden, ihre Häuser erneut für Besucher zu schließen. Das Besuchsverbot gilt für das Klinikum Gütersloh, das St.-Elisabeth-Hospital Gütersloh und das LWL-Klinikum Gütersloh ab sofort bis auf weiteres und erfolgt in Abstimmung mit den anderen Krankenhäusern im Kreisgebiet.

Verl engagiert Sicherheitsdienst:
In Verl leben rund 500 Menschen, die in einem Werkvertragsverhältnis stehen, allein etwa 350 von ihnen arbeiten bei Tönnies. „Angesichts der hohen Zahl positiver Coronatests bei Tönnies ist davon auszugehen, dass auch für einen großen Teil der in Verl wohnhaften Beschäftigten mitsamt ihrer Familien und Kontaktpersonen eine mindestens zweiwöchige Quarantäne gilt“, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. „Die strikte Einhaltung der Quarantäne ist unerlässlich, um die weitere Ausbreitung des Virus in unserer Stadt zu minimieren. Deshalb werden wir voraussichtlich bereits ab dem morgigen Freitag einen externen Sicherheitsdienst beauftragen, uns bei den Kontrollen zu unterstützen“, kündigt Bürgermeister Michael Esken an. Im Bereich Zollhausweg in Sürenheide soll ein mobiler Stützpunkt errichtet werden, der 24 Stunden besetzt ist – zunächst für 14 Tage. „Bei Bedarf verlängern wir die Maßnahme“, betont Esken. Der mobile Stützpunkt soll dazu dienen, die Situation vor Ort rund um die Uhr im Blick zu haben. Aber auch die anderen Unterkünfte von betroffenen Werkvertragsarbeiter im Stadtgebiet sollen in unregelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Im Hintergrund wird zudem ein Bereitschaftsdienst arbeiten, der – soweit erforderlich – bei Verstößen unverzüglich ordnungsrechtliche Bescheide veranlassen kann. „Ich gehe davon aus, dass weitere Maßnahmen zeitnah ergriffen werden müssen. Über Kostenbeteiligungen werden wir im Anschluss bestimmt zu reden haben. Aber jetzt müssen wir erst einmal im Sinne der Verler Bürger handeln“, betont Michael Esken. Als weitere Sofortmaßnahme ist der Verzehr von Speisen und Getränken im Umfeld des Lebensmittelmarktes an der Grillenstraße untersagt, um Ansammlungen von Menschen zu vermeiden.

SPD kritisiert CDU:
 „Immer wenn die CDU in NRW nicht weiterweiß, dann ist der Rumäne Schuld. Schon Jürgen Rüttgers ist nach solchen Sprüchen abgewählt worden und Armin Laschet wird es genauso gehen“, schreibt der Landtagsabgeordnete Georg Fortmeier (SPD). Statt kollektiv ganzen Bevölkerungsgruppen die Schuld zu geben und Scheindebatten aufzumachen, sollten schnellstmöglich Infektionsketten aufgeklärt werden. „Die Bürger im Kreis Gütersloh erwarten jetzt zu Recht seriöse Informationen. Aber vielleicht haben der Ministerpräsident mit seiner unkoordinierten Lockerungspolitik und der Landrat mit seiner Statistik Mauschelei bei Westfleisch schon zu viel Vertrauen verspielt. Nun kommt es darauf an, dass die Quarantäne bei Tönnies auch überwacht wird und dass der Kreis schnellstmöglich Konzepte vorlegt, wie beispielsweise trotz Schulschließungen mit Zeugnisvergaben und Abschlussveranstaltungen umgegangen wird. Da bleibt keine Zeit für wilde Spekulationen“, so Fortmeier in einer Mitteilung.

Bielefeld reagiert:
Der Anstieg von Corona-Infizierten im benachbarten Kreis Gütersloh hat Folgen für die Menschen in Bielefeld: Nach Angaben der Stadt wurden am Donnerstag die Schulen und Kitas darüber informiert, dass die Kinder von Tönnies-Beschäftigen nach Hause geschickt werden müssen. Andere Kinder aus dem Kreis Gütersloh betrifft diese Maßnahme nicht, wie die Stadt mitteilte.

Spontandemos:
Am Donnerstag ist es laut einer Mitteilung der Polizei zu verschiedenen nicht ordnungsgemäß angemeldeten Versammlungen in Rheda-Wiedenbrück gekommen. Es ging um die geschlossenen Kitas und Schulen. „Der Polizei ist bewusst, dass diese Entwicklung viele Menschen im Kreis betrifft. Diese Einschränkungen gehen auch mit einer emotionalen Betroffenheit einher. Dafür haben wir großes Verständnis“, schreibt die Polizei. Versammlungen müssten aber angemeldet werden.

Kliniken machen zu:
Das Klinikum Bielefeld teilt mit, dass  Patientenbesuche bis auf Weiteres nicht möglich sind. Das gilt nach Informationen der „Glocke“ auch für das Klinikum Gütersloh. 

Elternvertreter schreiben offenen Brief an Clemens Tönnies:
 Darin heißt es: Sehr geehrter Herr Tönnies, der Verbund Jugendamtselternbeiräte OWL möchte mit Ihnen über die Auswirkungen der COVID-19-Infektionen in Ihrem fleischverarbeitenden Unternehmen für die Kinder und Familien in OWL sprechen. Nach wochenlangen Schul- und Kitaschließungen werden die Einrichtungen erneut aufgrund der Vorfälle in Ihren Schlachtbetrieb geschlossen. Die Familien haben in den letzten Wochen viel leisten müssen und sind teilweise von Arbeitslosigkeit bedroht und am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen. Durch die angestiegenen COVID-19-Fälle müssen Eltern wieder ihre Arbeitgeber vertrösten und Einkommensverluste hinnehmen. Es kann doch nicht sein, dass Kindertagesstätten aufgrund der Infektionen in Ihrem Unternehmen unter Generalverdacht gestellt werden. Wir möchten mit Ihnen darüber reden, wie viele Ihrer Mitarbeiter tatsächlich Kinder in den umliegenden Schulen und Kitas betreuen lassen? Werden Sie sich nach der Welle in Ihren Unternehmen in den umliegenden Kindertageseinrichtungen revanchieren, in dem Sie Projekte für eine Kinderbetreuung in den Sommerferien finanziell unterstützen oder für das nächste Kita-Jahr Ausbildungsplätze im Kita-Bereich fördern oder Spenden für eine bessere Ausstattung in den Kindertageseinrichtungen zur Verfügung stellen? Oder einen Fond für Familien, die durch die Schul- und Kita-Schließungen in finanzielle Notlagen gekommen sind, initiieren?

Kreis Gütersloh:
Die Zahl der Infizierten steigt deutlich an. Im Kreis Gütersloh waren zum Stand 18. Juni, 0 Uhr, 959 (17. Juni: 849 laborbestätigte Coronainfektionen erfasst. Das sind 110 mehr als am Tag zuvor. Vor allem betroffen ist Rheda-Wiedenbrück: 209 Fälle gibt es nun, 149 waren es am Tag zuvor. In Gütersloh sind es 223, am Tag zuvor waren es 199. Der aufgezeigte Stand entspricht der Situation um 0 Uhr und spiegelt noch nicht die aktuellen Entwicklungen bei Tönnies wider, schreibt der Kreis.

Kreis Warendorf:
Mehr als 50 Neuinfektionen mit dem Coronavirus – das meldet die Kreisverwaltung Warendorf am Donnerstag (18. Juni). Alle können mit dem jüngsten Ausbruchsgeschehen bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in Verbindung gebracht werden.

FDP kritisiert Kreisverwaltung:
Zu den vom Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, angeordneten Schließungen von Schulen und Kindertageseinrichtungen im gesamten Kreis beziehen die Freien Demokraten Stellung. Sie werfen dem Landrat nach dem Bekanntwerden von bislang über 650 bestätigten Corona-Fällen bei Beschäftigten des Tönnies-Konzerns in Rheda-Wiedenbrück undifferenzierten Aktionismus vor. Demnach sei die Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen in Rheda-Wiedenbrück und der näheren Umgebung zur Eindämmung von Infektionsketten begrüßenswert und nachvollziehbar. Für die Freien Demokraten ist es jedoch inakzeptabel, dass offenbar völlig undifferenziert alle Einrichtungen im Kreis geschlossen werden.

Grüne machen Druck:
Der massive Ausbruch von Corona zeigt erneut, dass die Arbeits- und Wohnungs-Bedingungen im Umfeld des Massenschlachtbetriebs Tönnies dringender Verbesserungen bedarf, heißt es in einer Mitteilung. Es sei richtig, dass der Betrieb geschlossen und Quarantäne angeordnet wurde, um die Infektionsketten zügig zu unterbrechen. „Es ist ein Unding, dass die Kinder und Eltern die Zeche für die schwerwiegenden Versäumnisse der Firma Tönnies zahlen, wenn ab morgen die Schulen und Kitas pauschal wieder schließen müssen“, schreiben die Grünen.

Robert Tönnies:
In dem Schreiben vom 17. Juni wirft Robert Tönnies, Mitinhaber des Schlachtbetriebs mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück, der Geschäftsleitung und dem Beirat des Konzerns unverantwortliches Handeln sowie die Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung vor. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es unter den Mitarbeitern des Schlachtbetriebs in Ostwestfalen zu einem großen Ausbruch von Corona-Infizierten gekommen ist. Nach der Ursache wird derzeit noch gesucht. Der Kreis Gütersloh ordnete Quarantäne für die Betroffenen an und schloss bis zu den Sommerferien erneut als Vorsichtsmaßnahme Schulen und Kindergärten. Robert Tönnies (42 Jahre) hält wie sein Onkel Clemens (64) 50 Prozent an dem Unternehmen. Seit Jahren streiten sich die beiden um die Führung und Ausrichtung des Konzerns. Robert, Sohn des verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies, wirft der Geschäftsleitung und dem kontrollierenden Beirat vor, seit 2017 geltende Unternehmensleitsätze zur Abschaffung von Werkverträgen nicht umzusetzen.

Robert Tönnies sieht Abmachung nicht umgesetzt 

Er sei mit seinen Hinweisen und Vorstößen stets abgeblockt worden, heißt es in dem Brief. „Dass gerade in Schlachtbetrieben die Infektionszahlen weit überdurchschnittlich hoch sind, ist ganz sicher auch dem System der Werkverträge geschuldet; es zwingt viele Arbeiterinnen und Arbeiter in unzumutbare Wohnverhältnisse, die mit einem hohen Ansteckungsrisiko verbunden sind und nur wenig Schutzmöglichkeiten bieten, wenn einmal eine Infektion auftritt“, schreibt Robert Tönnies.

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) forderte gestern nach dem
jüngsten Corona-Ausbruch beim Fleischerzeuger Tönnies in Rheda-Wiedenbrück 
rasche Änderungen im deutschen Arbeitsrecht gefordert.

„Wir müssen auch eine Generalunternehmerhaftung haben für die Lebensverhältnisse dieser Menschen, wenn sie zum Beispiel in Sammelunterkünften leben“, sagte Laumann am Donnerstagmorgen bei WDR2 mit Blick auf ausländische Arbeitnehmer, die bei Subfirmen beschäftigt sind. Die Schlachtindustrie habe sich eine Systematik über die Werkverträge angewöhnt, wo man einfach sagen müsse, „dass sich die Besitzer von Schlachthöfen nicht mehr verantwortlich fühlen für große Teile der Belegschaft", verdeutlichte Laumann.

Keine Änderungen vor Sommerpause zu erwarten

„Ich finde, wir brauchen jetzt wirklich eine klare restriktive Gesetzesüberarbeitung. Und es muss im Grunde dazu kommen, dass der, der einen Schlachthof besitzt, auch eine Haftung hat für die Werkvertragsarbeitnehmer, für die ausländischen Arbeitnehmer, die wir ja dringend auch in dieser Branche - das muss man ja ganz klar sagen - brauchen“, betonte Laumann. NRW werde das mit Nachdruck verfolgen.

Der CDU-Politiker kritisierte, dass nach den zurückliegenden Corona-Ausbrüchen in Coesfeld und anderen Betrieben der Fleischindustrie zwar in Berlin Änderungen im Arbeitsrecht in den Fokus genommen worden seien, aber bislang Ergebnisse wohl nicht vor der parlamentarischen Sommerpause zu erwarten seien. Der jüngste Corona-Ausbruch in der Fleischindustrie wurde bei Deutschlands Marktführer Tönnies im Werk in Rheda festgestellt. Mehr als 650 Menschen haben sich infiziert.

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