Corona-Fälle bei Tönnies: Expertin hält Infektion durch Wochenend-Besuche für„extrem unwahrscheinlich“
Ausbruch könnte schon länger schwelen

Rheda-Wiedenbrück (dpa). Einer Expertin für Infektionskrankheiten zufolge ist es „extrem unwahrscheinlich“, dass Hunderte von Corona-Fällen bei Tönnies auf Familienbesuche am Wochenende zuvor zurückgehen

Donnerstag, 18.06.2020, 12:05 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 12:08 Uhr
Ein Lastwagen verlässt das Werksgelände von Tönnies. Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück derzeit gestoppt. Foto: dpa
Ein Lastwagen verlässt das Werksgelände von Tönnies. Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück derzeit gestoppt. Foto: dpa

„Die Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf Tage, sodass ein Wochenendbesuch kaum so eine große Anzahl an Personen erklären kann“, sagte Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf.

“Superspreading-Event im Betrieb”

Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemiestabs beim betroffenen Unternehmen Tönnies, hatte die Kälte in der Produktion und die Heimreisen der Beschäftigten nach Osteuropa an langen Wochenenden wie um Fronleichnam als mögliche Faktoren für die Ausbreitung des Coronavirus genannt .

Die hohe Anzahl betroffener Mitarbeitern des Unternehmens Tönnies weise auf ein unbemerktes, schon länger vor sich gehendes Superspreading-Event in dem Betrieb hin, sagte hingegen Eckerle. „Bei engem Kontakt und unter ungünstigen Arbeits- sowie Wohnbedingungen können ein Einzelner oder nur sehr wenig initial Infizierte zu einer sehr hohen Anzahl an Sekundärinfektionen führen.“

Körperliche Anstrengung

Die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen seien offenbar mit den aktuell notwendigen Hygienemaßnahmen nicht gut vereinbar, so Eckerle. Dazu zähle der lange Aufenthalt vieler Personen in geschlossenen Räumen ohne Möglichkeit, ausreichend Abstand zu wahren. Hinzu komme das Leben in räumlich begrenzten Unterkünften, wenn es sich um ausländische Mitarbeiter handele.

Ein weiterer Faktor könne eventuell die körperliche Anstrengung während der Arbeit sein, die zu höherer Virusausscheidung führe. Feuchte Hände, Handschuhe, Schürzen und Kleidung könnten zudem die Übertragung durch Schmierinfektionen begünstigen, so Eckerle. „Es wäre wichtig zu klären, inwieweit Masken bei engem Kontakt auf der Arbeit getragen wurden, und ob es überhaupt die Möglichkeit gibt, konstant die aktuellen Regeln wie Abstandhalten und Handhygiene einzuhalten.“

Kommentare

Frida  schrieb: 18.06.2020 13:57
Familienreisen
Ich verstehe nicht, wie Reisen zu Familienangehörigen in den Herkunftsländern der Arbeiter am vergangenen Wochenende (oder den vergangenen Wochenenden) der Grund für den Ausbruch sein sollen.
Die Reisebschränkungen sind doch erst seit Montag aufgehoben. Oder gelten für die Arbeiter andere Bedingungen als für andere Menschen?
1 Kommentare
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