Rheda-Wiedenbrück
Prozessauftakt zu Parkplatzschlägerei

Rheda-Wiedenbrück (gdd) - Vor der ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld müssen sich seit Donnerstag zwei Berufskraftfahrer aus Minsk, Weißrussland, wegen des Verdachts des versuchten Totschlags verantworten.

Donnerstag, 18.06.2020, 13:36 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 14:01 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Prozessauftakt zu Parkplatzschlägerei

Die 27 und 31 Jahre alten verheirateten Männer sind angeklagt, einen Kollegen aus Litauen auf dem Parkplatzgelände der Fleischfirma Tönnies in Rheda so geschlagen und getreten zu haben, dass ihr Opfer seitdem halbseitig gelähmt ist.

Zeugen beobachten Streit

Die mutmaßlichen Schläger griffen sich nach Zeugenaussagen am 14. Dezember 2019 gegen 19 Uhr den Mann aus Litauen, der mit zwei Landsleuten in der Kabine seines LKWs auf dem geschotterten Sammelparkplatz des Unternehmens habe übernachten wollen. Er habe erheblich unter Alkoholeinfluss gestanden. Grund: Ihr Opfer soll angeblich mit den Minskern über die Stellplatzsituation gestritten und dabei einen der Beteiligten, nämlich den Vater des 27-Jährigen, beleidigt haben.

Letzterer sollte als Tatzeuge gehört werden, doch der Richter teilte am Donnerstag mit, dass der Mann positiv auf den Corona-Virus getestet worden und deshalb nicht in der Lage sei, die Reise nach Bielefeld anzutreten. Er befinde sich in Minsk in Quarantäne.

Opfer sei mit Sicherheitsschuhen getreten worden

Laut Anklage („Die Glocke“ berichtete) sollen die zwei Kraftfahrer den Betrunkenen aus seiner LKW-Kabine mit Gewalt herausgezerrt und zu Boden geworfen haben. Er sei geschlagen und getreten worden – die Weißrussen hätten Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen getragen. Als sich ihr Opfer nicht mehr regte, sollen sie von ihm abgelassen haben „, in dem Bewusstsein, dass er ohne fremde Hilfe versterben könne“.

Angegriffener erleidet Hirninfarkt

Zeugen des Gewaltakts hätten Rettungsdienst und Polizei alarmiert. Der Mann aus Litauen mittleren Alters soll einen großflächigen Hirninfarkt der mittleren und vorderen Hirnschlagader erlitten haben, der zu einer lebensbedrohlichen Hirnschwellung und letztlich zu einer Lähmung der gesamten linken Körperhälfte geführt haben soll. Außerdem soll er eine Berstungsfraktur eines Brustwirbels sowie diverse Hämatome erlitten haben.

Gerichtmedizinerin und Neurologe werden gehört

Am Donnerstag betonte eine Gerichtsmedizinerin gegenüber der Kammer sinngemäß, der Hirninfarkt sei nach ihren Feststellungen unabhängig von den dem Opfer zugefügten Schlägen und Tritten entstanden. Ein Neurologe bestätigte im Zeugenstand, dass die halbseitige Körperlähmung des Opfers eindeutig auf diesen Infarkt zurückzuführen sei.

Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt

Falls das Gericht diese Aussagen im Rahmen der Beweisaufnahme berücksichtigt, könnte die Anklage umbenannt werden – danach würde lediglich von gefährlicher Körperverletzung ausgegangen werden müssen. - Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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