Aufnahmedatum: Fleischkonzern veröffentlicht Gegendarstellung – Video soll im März entstanden sein
Verwirrung um Video aus Tönnies-Kantine

Rheda-Wiedenbrück (WB). Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sorgt ein im Internet kursierendes Video auch am Freitag für Wirbel und Empörung. Es zeigt, wie dutzende Mitarbeiter des Unternehmens in der Kantine ohne Mindestabstände und erkennbare Schutzmaßnahmen nebeneinander sitzen.

Freitag, 19.06.2020, 10:12 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 16:30 Uhr
Standbild aus dem im Internet kursierenden Kantinen-Video. Eine Mitarbeiterin hatte dieses beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda aufgenommen. Foto: Screenshot
Standbild aus dem im Internet kursierenden Kantinen-Video. Eine Mitarbeiterin hatte dieses beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda aufgenommen. Foto: Screenshot

Ein Tönnes-Sprecher hatte bei einer ersten WESTFALEN-BLATT-Anfrage Mitte der Woche erklärt, das Video stamme von Ende März. Am Donnerstag bestätigte das Unternehmen dem SWR nach dessen Recherchen zunächst, das Video sei im April entstanden. Der SWR hatte nach eigenen Angaben die Metadaten des Videos ausgewertet und die Aufnahme auf den 8. April datiert. Das Land NRW hatte aber am 30. März die Hygienevorschriften verschärft und auch strengere Vorgaben für Betriebskantinen gemacht. Demnach hätten Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung vorgelegen.

Am Freitag hat das Unternehmen nun eine Gegendarstellung herausgegeben. „Die Echtheit des Videos ist unbestritten“, heißt es darin. „Nun haben wir interne Recherchen angestellt und können beweisen, dass das Video bereits Ende März aufgenommen wurde – mindestens am 28. März. Nach massivem medialen Druck am Mittwochabend haben wir zunächst den 8. April als Veröffentlichungs-Datum bestätigt, um auf die Vorwürfe zu reagieren“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Pressesprecher André Vielstädte: „Dies war im Nachhinein sicherlich ein Fehler. Der Druck wurde von vielen Seiten aber zu groß – daher mussten wir zunächst reagieren.“

Das Unternehmen habe umgehend mit eigenen Recherchen begonnen und könne beweisen, „dass die Behauptungen, zum einen wissentlich gelogen und zum anderen gegen die Auflagen verstoßen zu haben, falsch sind“. Das Video müsse im März gedreht worden sei, da es seit dem Monatsende bei Tönnies bekannt sei, so ein Sprecher des Konzerns.

Das Unternehmen habe seitdem Maßnahmen ergriffen: „So wurden zusätzliche Kantinen-Möglichkeiten geschaffen (beispielsweise durch neu errichtete Zelte), Kantinen-Zeiten geclustert, Tische auseinandergezogen und auch Plätze gesperrt.

Tönnies erklärt Szene mit Clustern

Laut Tönnies hatten sich die Arbeiter zum Zeitpunkt der Videoaufnahme in der Kantine nur mit Kollegen aufgehalten, mit denen sie auch in einer Abteilung zusammen gearbeitet hatten. Dieses Verhalten, das sogenannte Clustern, sei mit dem Arbeitsschutz abgestimmt gewesen.

Arbeitsschutz fand im Mai Mängel in Tönnies-Kantine

Bei Kontrollen in der Kantine des Schlachtbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hat der Arbeitsschutz zwischen dem 11. und 18. Mai Mängel festgestellt. Zwischen den Nutzern einer Kantine seien die Abstände zu gering gewesen, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung Detmold der Deutschen Presse-Agentur mit. Bei einer Nachkontrolle am 29. Mai seien die Mängel bei den Hygienevorgaben abgestellt gewesen. Auch sei die Zahl der Sitzplätze wie verlangt reduziert worden.

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Das Video zeigt die Mitarbeiter in einem Kantinenraum. Sie sitzen an Tischen nebeneinander und essen. Das Unternehmen erklärte dazu in der Stellungnahme, dass es in dieser Phase der Pandemie keine vermehrten Positivfälle gegeben habe.

Seitdem seien die Plätze „erheblich“ reduziert und eine Mundschutzpflicht in der Kantine eingeführt worden. „Wir waren uns bewusst, dass bei all unseren Maßnahmen wir einen Zielkonflikt zwischen der Pandemie-Prävention und der Lebensmittelversorgung haben. Dazu gehört auch eine angemessene Versorgung unserer Mitarbeiter in ihren Pausen“, erklärte Tönnies weiter.

Bislang 730 Neuinfektionen

Nach letztem Stand vom Donnerstagabend wurden 730 Neuinfektionen registriert, wie ein Sprecher des Kreises Gütersloh der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück müssen in den nächsten Tagen noch rund 5300 Mitarbeiter getestet werden.

Der Kreis Gütersloh hatte bei der Bundeswehr um Hilfe bei einem Reihentest auf Corona-Infektionen angefragt. Bislang hatten das Rote Kreuz und die Malteser bei den Tests geholfen. Diese Organisationen stießen aber an ihre Grenzen. Die Bundeswehr soll ab Freitag Soldaten mit medizinischen Vorkenntnissen und andere für die Dokumentation schicken. Insgesamt sollen rund zwei Dutzend Soldaten helfen.

 

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