Jetzt 803 positive Befunde – Gesellschafter fordert Neuanfang
Corona-Fälle bei Tönnies: Staatsanwalt ermittelt

Rheda-Wiedenbrück (WB). Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz. Das Verfahren richte sich zunächst gegen Unbekannt.

Freitag, 19.06.2020, 19:26 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 05:02 Uhr
Die Gesellschafter Robert Tönnies (von rechts) einerseits sowie Clemens Tönnies und sein Sohn Maximilian andererseits halten jeweils 50 Prozent am Fleischkonzern. Foto: dpa/Archiv
Die Gesellschafter Robert Tönnies (von rechts) einerseits sowie Clemens Tönnies und sein Sohn Maximilian andererseits halten jeweils 50 Prozent am Fleischkonzern. Foto: dpa/Archiv

Wie Oberstaatsanwalt Martin Temmen erklärte, lagen bis Freitagmittag fünf Strafanzeigen vor – darunter auch jene der Grünen-Politikerin Britta Haßelmann aus Bielefeld. Zum weiteren Vorgehen wollte sich Temmen nicht äußern. Das galt insbesondere für Nachfragen zu möglichen Durchsuchungsmaßnahmen am Konzernsitz. Am Freitagabend teilte die Bielefelder Polizei mit, dass sie mit der operativen Ermittlungsarbeit betraut wurde und diese in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft ausführen werde.

Rücktritt der Geschäftsleitung gefordert

Derweil spitzt sich der Machtkampf an der Spitze des Fleischkonzerns zu. 50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies (42) erneuerte vor einer Krisensitzung des Firmenbeirats am Freitag die Forderung nach einem Rücktritt der Konzernspitze um seinen Onkel Clemens Tönnies. „Nur mit neuen Gesichtern können wir glaubwürdig in die Zukunft gehen.“ Clemens Tönnies (64) hält mit seinem Sohn Maximilian (30) die anderen 50 Prozent. Robert Tönnies rief seinen Onkel auf, Platz zu machen und seinem Sohn die Geschäftsführung zu übertragen.

Clemens Tönnies wies die Forderung nach einem sofortigen Rücktritt als „unternehmerisch unverantwortlich“ zurück. Gemeinsam mit Co-Konzernchef Andres Ruff bezeichnete er die Vorwürfe als „haltlos und unbegründet“. „Die verantwortlichen Behörden testieren uns auch heute den bestmöglichen Umgang mit der von außen hereingetragenen Situation und unsere vorbildliche Rolle in der Branche“, erklärten die beiden. Entscheidungen wurden nach kontroverser Debatte um 14 Tage vertagt.

Reihentestung fortgesetzt

Unterdessen ist mit Unterstützung von 25 Bundeswehrsoldaten die tags zuvor gestartete Reihentestung von 5900 Beschäftigten auf dem Tönnies-Areal fortgesetzt worden. Von den ersten ausgewerteten 160 Befunden dieser Testreihe waren 73 positiv und 87 negativ. Zuvor hatte es bis Donnerstagabend 730 bestätigte Infektionen bei 1106 Tests von Mitarbeitern eines als Ausbruchsherd geltenden Zerlegungsbereichs sowie der Kantine gegeben.

Quarantäne erweitert – auch Konzernchef betroffen

Parallel liefen die Restarbeiten im Werk am Freitag weiter, laut Konzernsprecher André Vielstädte mit rund einem Viertel der üblichen Personalstärke. Die Verarbeitung soll diesen Samstag beendet werden. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hat eine 14-tägige Schließung des Betriebs verfügt. Kreis-Mitarbeiter haben unter anderem erste Tore verplombt, Eingänge überwacht und Lkws kontrolliert. Die am Mittwoch für 6400 Produktionsmitarbeiter angeordnete 14-tägige Quarantäne wurde auf alle Beschäftigten inklusive des Managements und sämtliche in häuslicher Gemeinschaft lebende Angehörige erweitert. Das gilt auch für Konzernchef Clemens Tönnies. Insgesamt dürften damit mehr als 10.000 Personen im Kreis Gütersloh und umliegenden Kreisen von der Isolation betroffen sein.

Derweil wächst bei den Menschen im Kreis Gütersloh nach den Schließungen von Kitas und Schulen die Sorge vor weiteren Folgen des Corona-Ausbruchs. Spanische Medien berichten, die dortige Regierung verfolge genau, wie sich das Infektionsgeschehen an deutschen Hotspots entwickele. Ein Einreiseverbot für Ur­lauber aus betroffenen Regionen sei nicht ausgeschlossen.

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