Außerdem solle digitale Zeiterfassung an deutschen Standorten eingeführt werden
Tönnies verspricht, Werkverträge in «Kernbereichen» abzuschaffen

Rheda-Wiedenbrück (dpa). Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies reagiert auf die massive Kritik an der großen Zahl an Werksangestellten. Bis Ende 2020 sollen alle Werkverträge «in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung» abgeschafft und die Mitarbeiter in der Tönnies -Unternehmensgruppe eingestellt werden.

Dienstag, 23.06.2020, 13:14 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 13:48 Uhr
Eine Produktionshalle von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Foto: Friso Gentsch/dpa
Eine Produktionshalle von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Foto: Friso Gentsch/dpa

Das teilte Tönnies am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück mit. Außerdem solle flächendeckend eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten für die Arbeiter eingeführt werden, heißt es in einer Mitteilung.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte wiederholt Kritik an der fehlenden digitalen Zeiterfassung geübt. «Der Tönnies kann Ihnen sagen, von welchem Schwein die Mettwurst ist – er kann aber keine digitale Zeiterfassung machen», sagt Laumann am Montag in der ARD-Sendung «Hart aber fair».

Außerdem will das Unternehmen nach eigenen Angaben ausreichenden und angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an den Standorten schaffen. Auch dieser Punkt soll möglichst bis zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden. Nach Angaben eines Tönnies-Sprechers könne es aber beim Thema Wohnen in den verbleibenden sechs Monaten bis Ende 2020 ein Zeitproblem geben.

«Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz», sagt Clemens Tönnies als Mitinhaber. «Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein.»

Der Tönnies-Konkurrent Westfleisch hatte am Dienstag angekündigt, bis Ende des Jahres alle Mitarbeiter selbst einzustellen und auf Werkvertragsanbieter zu verzichten.

 

Kommentare

Jan  schrieb: 23.06.2020 14:16
t30 : Veränderung
Da die Gesellschaft in der Mehrheit "Fleischfresser" bleiben werden, ist Tönnies in einem Markt weniger Anbieter auch Teil der Lösung. Die Anfeindungen gegenüber Unternehmen und Unternehmer sind nachvollziehbar, aber nicht konstruktiv. Zum Fleisch gehört auch das Töten von Tieren, auch wenn dieses gerne vergessen wird.
Dennoch : Der Gesetzgeber muss hier die Leitplanken setzen, damit sich eine ganze Branche nachhaltig wandelt. "Freiwillige", reuige Absichtsbekundungen sollten weder Verbraucher noch Gesetzgeber trauen.
"t30" steht in der tiefen Firmenkrise auch für den Versuch einer Imagepolitur. Ich finde es ziemlich billig, so schnell - am Tag des Lockdowns - solche Pläne vorzustellen. "t" wie fehlendes Taktgefühl.
Fangen Sie einfach mit dem Abbau dieses unsäglichen Logos auf dem Dach an, dass glückliche Kreaturen
auf dem Schlachthofdach zeigen. Es sollte kein Wahrzeichen Rheda-Wiedenbrücks Richtung A2 sein., einer Vorzeige-Kleinstadt mit etlichen Vorzügen.
Wohin die Tönnies-Reise geht, von Insolvenz bis Auslandsverlagerungerung oder - vielleicht - einer gläsernen Vorzeigefabrik am Standort Rheda-Wiedenbrück das wird die Zeit weisen. Der Überkonsum von Fleisch und Wurst wird jedenfalls seinen Zenit erreichen. Dafür sorgt schon die nächste Generation. Insofern ist die Reduzierung von Output , mehr Tierwohl und mehr Qualität eine Zukunftssicherung des Unternehmens. Damit lösen sich auch auf Sicht, die Begleitumstände überproportionaler Arbeitsmigration in der Region. Dass die Balance in einer kleinen Stadt bisher so ordentlich verlief liegt an den Bürgern der Region.
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