Tönnies will mit Behörden über Neustart beraten
Bürger kämpfen weiter um ihren Sommerurlaub

Rheda-Wiedenbrück (WB). Mit dem Beginn der Sommerferien herrscht nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies im Kreis Gütersloh alles andere als Urlaubsstimmung. Verzweifelt versuchten Bürger am Freitag, Ergebnisse ihrer Corona-Tests zu erhalten, um ihre lange geplanten Reisen am Wochenende tatsächlich antreten zu können.

Samstag, 27.06.2020, 05:11 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 05:20 Uhr
Eines von 40 mobilen Teams führt im Kreis Gütersloh kostenlose Corona-Tests für die Bevölkerung durch. Diese Einheiten unterstützen bei den freiwilligen Massentests für Bürger die sechs stationären ­Diagnosezentren im Kreisgebiet. Foto: Rainer Stephan
Eines von 40 mobilen Teams führt im Kreis Gütersloh kostenlose Corona-Tests für die Bevölkerung durch. Diese Einheiten unterstützen bei den freiwilligen Massentests für Bürger die sechs stationären ­Diagnosezentren im Kreisgebiet. Foto: Rainer Stephan

Die Kreisverwaltung teilte mit, dass ihre Corona-Bürger-Hotline von der Vielzahl der Anrufe überlastet sei. Die Hotline könne keine Auskunft über Testergebnisse geben. Diese seien über eine sichere App abrufbar, die die Labore anbieten. Nur im Falle eines positiven Befunds erfolge eine telefonische Kontaktaufnahme. Der Kreis wies zudem darauf hin, dass die aktuell sechs Diagnosezentren im Kreisgebiet nicht für Berufspendler zur Verfügung stehen, die außerhalb des Kreises Gütersloh wohnen, dort aber tätig sind.

Derweil mehren sich Berichte von Bürgern im Kreisgebiet, die einen Negativtest vorlegen müssen, um ihre Arbeitsstellen in Stadt und Landkreis Osnabrück weiterhin aufsuchen zu dürfen. Zudem beklagen Bürger, dass vereinbarte Arzttermine im Landkreis Osnabrück gestrichen werden. Ein seit sechs Wochen unter einem Bandscheibenvorfall leidender Patient aus Halle erklärte gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, dass sein für Montag geplanter Behandlungstermin in Bad Rothenfelde am Donnerstag unter Verweis auf die aktuelle Lage abgesagt worden sei. Gleiches wird auch für Untersuchungstermine in Bielefeld berichtet. Hier wird – außer in Notfällen – zumindest die Vorlage eines negativen Testergebnisses vorausgesetzt.

Derweil zeigen sich aus Sicht der Gütersloher Kreisverwaltung „weiterhin wenig Anzeichen für eine Übertragung der Infektion in die übrige Bevölkerung“. Dafür sprächen nur 55 Akut-Infizierte ohne direkten Bezug zu Tönnies. Bei vielen dieser Personen lasse sich aber wiederum eine Verbindung zu Mitarbeitern des Fleischkonzerns herstellen.

Für die Reihentestung auf dem Firmenareal hat der Kreis zudem das Endergebnis mitgeteilt: 6139 Tests seien dort in der vergangenen Woche gemacht worden, davon seien 1413 positiv gewesen. Von den Betroffenen sind nicht alle im Kreis Gütersloh gemeldet, sondern auch in Nachbarkreisen.

Tönnies strebt Gespräche mit Behörden an

Neben den freiwilligen Massentests für die Bevölkerung laufen auch Reihenuntersuchungen bei Unternehmen sowie unter Krankenhaus-Mitarbeitern. Das NRW-Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, dass „derzeit noch keine aktuellen Zahlen vorliegen, die ein umfassendes Lagebild ergeben. Wir äußern uns, sobald dies der Fall ist.“ Minister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte für diesen Samstag seinen Besuch des Drive-In-Testzentrums auf dem Areal des Gütersloher Flughafens an. Er äußerte sich zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen eine Einschätzung der Lage möglich sei. Die Landesregierung werde am Dienstag über das weitere Vorgehen beraten. Bis dahin sind zunächst auch die Beschränkungen in den beiden Kreisen Gütersloh und Warendorf angeordnet.

Derweil strebt der Fleischkonzern Tönnies für kommende Woche erste Gespräche mit Behörden an, um zu klären, wann und unter welchen Bedingungen der bis mindestens 2. Juli untersagte Betrieb im Stammwerk wieder aufgenommen werden kann.

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