Rheda-Wiedenbrück
Tönnies: Behörden geben den Takt vor

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Wann dürfen bei Tönnies in Rheda wieder Schweine geschlachtet und zerlegt werden? Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) wagt diesbezüglich keine Prognose, sagt aber auch: „Es liegt bei dem Unternehmen, seine Hausaufgaben zu machen.“

Dienstag, 07.07.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 19:46 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Tönnies: Behörden geben den Takt vor

In der Frage der Wiedereröffnung des Stammsitzes von Deutschlands größtem Fleischkonzern geben laut Landrat „allein die zuständigen Behörden den Takt vor“. Das Werk dürfe erst dann seinen Betrieb aufnehmen, wenn sichergestellt sei, dass von dem Unternehmen keinerlei Gefahren für die Mitarbeiter und die Bevölkerung der Region ausgingen, betonte Adenauer am Dienstagnachmittag während einer Pressekonferenz im Gütersloher Kreishaus.

„Erheblicher Nachbesserungsbedarf“

Eine Schlüsselrolle kommt in diesem Zusammenhang dem Hygienekonzept zu, das der Konzern für seinen Hauptstandort in Rheda vorgelegt hat. Adenauer bescheinigte dem Entwurf „erheblichen Nachbesserungsbedarf“.

Am Dienstagmorgen haben Vertreter des Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Bezirksregierung Detmold, des Kreises Gütersloh und der Stadt Rheda-Wiedenbrück ihre Werksbegehung fortgesetzt. Beim nächsten Treffen am Donnerstag soll das weitere Vorgehen abgestimmt werden.

Betrieb liegt zunächst bis 17. Juli auf Eis

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hat Tönnies den Betrieb zunächst bis zum 17. Juli untersagt. Ob es bei diesem Termin bleibt, ist fraglich. „Das hängt ganz wesentlich davon ab, wie schnell das Unternehmen die Forderungen der Behörden umsetzt“, sagte Landrat Adenauer. Geschehe dies rasch, sei ein früherer Neustart der Produktion möglich, andernfalls auch ein deutlich späterer Termin. Massiven Nachbesserungsbedarf sehen Experten vor allem beim Belüftungssystem von Schlachtung und Zerlegung.

Hintergrund

Der Corona-Ausbruch bei der Firma Tönnies hat die Kreisverwaltung vor enorme Herausforderungen gestellt. „Wir arbeiten zurzeit sieben Tage die Woche rund um die Uhr, um die Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen“, sagte Dr. Anne Bunte, Leiterin der Abteilung Gesundheit beim Kreis Gütersloh, am Dienstag. Anfangs habe das Hauptaugenmerk darauf gelegen, die genaue Zahl der Corona-Infektionen zu ermitteln und ein Übergreifen des Virus’ auf andere Teile der Bevölkerung soweit wie möglich zu verhindern. Dass nie mehr als 34 Corona-Patienten zeitgleich in Krankenhäusern behandelt werden mussten, sei ein Erfolg. Aktuell stehen die 4500 Tönnies-Beschäftigten beziehungsweise deren Angehörige im Fokus, die sich noch in Quarantäne befinden, erklärte Bunte. Der Anspruch der Kreisverwaltung sei es, dass keine Quarantäne länger dauert als unbedingt erforderlich. Mobile Teams seien unterwegs, um von diesem Personenkreis erneut Abstriche zu nehmen. Bei negativem Ergebnis werde die Isolierung aufgehoben. Die 4500 Tests sollen in etwa fünf Tagen abgeschlossen sein.

 

Nicht ausschließen will der Chef der Gütersloher Kreisverwaltung, dass unkritische Bereiche der Konzernzentrale womöglich schon zeitnah wieder ihre Arbeit aufnehmen können. Das werde sich in den kommenden Tagen entscheiden. Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU) wurde am Dienstag konkreter. „Insbesondere bei der Verwaltung kann eine Wiederinbetriebnahme auch kurzfristig möglich sein“, sagte er. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus den Unternehmensbegehungen wolle er in den kommenden Tagen die Möglichkeit einer schrittweisen Öffnung des Unternehmens bewerten.

Wort der Experten hat Gewicht

Das Wort der hinzugezogenen wissenschaftlichen Berater habe bei den anstehenden Entscheidungen höchstes Gewicht, bekräftigte Landrat Adenauer. „Einen erneuten Corona-Ausbruch dieser Größenordnung gilt es unbedingt zu vermeiden“, sagte er.

Durch den Einsatz von Bundeswehr, Polizei und Rettungsdiensten infolge des massenhaften Corona-Ausbruchs beim Fleischkonzern Tönnies sind der öffentlichen Hand enorme Kosten entstanden. Auch die Testung der Beschäftigten sowie der Bevölkerung geht ins Geld. „Wir haben es mit dem größten Corona-Ausbruch in Deutschland und dem größten Fall in der Fleischindustrie weltweit zu tun“, bestätigte am Dienstag der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer.

„Irgendwann präsentieren wir die Rechnung“

„Irgendwann werden wir dem Unternehmen eine Rechnung präsentieren“, sagte der Chef der Kreisverwaltung. Und darauf werde weit mehr stehen als die Auslagen für die Corona-Tests, deren Übernahme Clemens Tönnies bereits angekündigt hatte. Eventuell könne die Frage der Begleichung der Gesamtkosten sogar ein juristisches Nachspiel haben, so Adenauer.

Bislang fast 55.000 Tests im Kreis

Bis Dienstag wurden unter den 7000 Beschäftigten der Firma Tönnies und deren Angehörigen nach Angaben von Dr. Anne Bunte, Leiterin der Abteilung Gesundheit beim Kreis, 14.000 Corona-Tests durchgeführt. In den für die übrige Bevölkerung eingerichteten Testzentren wurden 40.000 Abstriche vorgenommen.

Kein Verständnis für Stigmatisierung

Kein Verständnis kann der Landrat dafür aufbringen, dass in einigen Bundesländern nach wie vor Einreisebeschränkungen für Bewohner des Kreises Gütersloh gelten. Diese Form der Stigmatisierung lehne er entschieden ab, denn: „Wir sind wieder sauber.“ Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sei stark zurückgegangen.

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