Stadt Rheda-Wiedenbrück: „Strenge Hygieneauflagen“ – Experten testen neue Filter bei Tönnies
Tönnies-Tochter „Tillman‘s“ darf Betrieb wieder aufnehmen

Rheda-Wiedenbrück (WB/ef/LaRo/dpa). Das Tönnies-Tochterunternehmen „Tillman‘s Convenience GmbH“ darf den Betrieb wieder aufnehmen. Der Bürgermeister von Rheda-Wiedenbrück Theo Mettenborg habe in Abstimmung mit dem Land NRW, der Bezirksregierung und dem Kreis Gütersloh „eine Teilaufhebung der Schließungsverfügung“ vom 2. Juli verfügt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt von Montag.

Montag, 13.07.2020, 18:22 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 07:10 Uhr
Anhänger stehen mit offenen Türen auf dem Betriebsgelände der Firma Tönnies. Foto: dpa
Anhänger stehen mit offenen Türen auf dem Betriebsgelände der Firma Tönnies. Foto: dpa

Die „Tillman‘s“-Mitarbeiter dürfen somit wieder auf dem Werksgelände in Rheda tätig werden – „unter strengen Hygieneauflagen“. Die Tönnies-Tochter produziert Fertiggerichte und abgepacktes Frischfleisch.

Für die Wiederinbetriebnahme von „Tillmann’s“ nennt die Stadt Rheda-Wiedenbrück eine Liste von Maßnahmen, die anzuwenden seien (siehe unten): „Grundsätzlich dürften auf dem Betriebsgelände nur Mitarbeiter arbeiten, die nicht unter Quarantäne stehen und ein Negativattest vorlegen können. Die Einhaltung der Vorgaben wird durch die Ordnungsbehörde kontrolliert.“

An diesem Dienstag werde man mit „einigen 100 Mitarbeitern“ starten, sagte ein Sprecher des Konzerns dieser Zeitung. In den nächsten Tagen sollen es dann 1000 Mitarbeiter sein. Insgesamt beschäftige „Tillmann’s“ etwa 1200 Mitarbeiter, der Tönnies-Konzern am Standort Rheda-Wiedenbrück insgesamt rund 6500 Mitarbeiter.

In Betrieb sind bereits wieder Bereiche wie Logistik und Verwaltung. Für die Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs in seinem vor knapp vier Wochen stillgelegten Stammwerk will Tönnies mit einer technischen Nachrüstung grünes Licht erreichen. Hygiene-Experten der Uni Bonn haben dort eine neue Filtertechnik der Klimaanlage getestet. Die Wissenschaftler machten dabei am Montag den von einer Umluftanlage gekühlten Luftstrom in der Zerlegung von Deutschlands größtem Schlachtbetrieb mit Rauch sichtbar.

Bei Tönnies hatten sich rund 1400 Arbeiter nachweislich mit dem Virus infiziert. Die Mitarbeiter von „Tillman‘s“ waren nach Konzernangaben von dem Coronavirus-Ausbruch am wenigsten betroffen. Sie arbeiteten in einem „abgeschlossenen Bereich“ getrennt vom Schlachtbetrieb. Für Tönnies sei es ein Testlauf für die volle Produktion.

Zur Wiederinbetriebnahme von „Tillmann’s“ führt die Stadt Rheda-Wiedenbrück aus:

„Für die Wiederinbetriebnahme sind insbesondere folgende Maßnahmen anzuwenden:

- Hepa-Filtration und weitere raumluftverbessernde Maßnahmen

Neben den bestehenden UV-Entkeimungssystemen werden zusätzliche Hepa-Filtrationssysteme installiert. Durch eine erhöhte Frischluftzufuhr wird die Raumluft zusätzlich verbessert.

- Wohnraumkontrollen

Die Wohnraumkontrollen werden verstärkt, insofern die Räumlichkeiten in den Bereich der Arbeitsstättenverordnung fallen. Die Wohnraumbewirtschaftung wird mittelfristig eine eigens dafür zu gründende Gesellschaft übernehmen. Die Mitarbeiterbeförderung wird optimiert: Je Fahrzeugtyp ist eine maximale Personenanzahl vorgegeben.

- Adressmanagement

Es wird eine aktuelle Datenbank für Wohn- und Aufenthaltsadressen aller Beschäftigten erstellt.

- Reihentestung

Alle Produktionsbeschäftigten werden zweimal wöchentlich getestet. Hierfür wird ein mobiles Zelt am Werkseingang errichtet. Reiserückkehrer sollen in der Woche täglich getestet werden.

- Mitarbeiterschulung

Es werden Mitarbeiterschulungen hinsichtlich der Sicherheitsregeln und des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes durchgeführt.

- Arbeitsmedizinische Versorgung und ärztlicher Check

Der automatische Temperaturscanner wird um einen ärztlichen Check aller am Drehkreuz eintreffenden Mitarbeiter zu Schichtbeginn ergänzt.

- Kantinenkonzept

Alle Mitarbeiter des Teilbereiches werden einen separaten Kantinenbereich nutzen.

- Sozialräume und betriebliche Wegeführung

Die Laufwege vom Werkseingang bis zum Arbeitsplatz wurden festgelegt. Die Produktionsprozesse ermöglichen gestaffelte Pausenzeiten. Es findet keine Vermischung des Personals statt.

- Mund-Nasen-Schutz

In allen Betriebsgebäuden ist die Nutzung eines medizinischen, dreilagigen Mund-Nasen-Schutzes Pflicht.

- Mindestabstände

Zwischen den Beschäftigten wird durch abgehangene Vorhänge eine Trennung erreicht. Die Arbeitsplätze erfüllen die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5m.

- Kontrollen

Es finden weitere Kontrollen statt, die Frequenz wird erhöht.“

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