Hygiene-Experte: positive Erkenntnisse für Bekämpfung der Pandemie
Tönnies als Vorbild?

Rheda-Wiedenbrück/Borchen/Lohne (dpa/WB/in). Der Bonner Hygiene-Professor Martin Exner sieht die jüngsten Maßnahmen beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück als mögliches Vorbild für andere Unternehmen. „Wir haben jetzt ein sehr abgewogenes Hygienekonzept , das kann eine Blaupause für andere Betriebe in ganz Deutschland werden”, erklärte Exner. Er hatte im Auftrag des Kreises Gütersloh den Corona-Ausbruch bei Tönnies untersucht. Exner betonte allerdings auch: „Wir befinden uns weiter in der Beobachtung.“

Montag, 20.07.2020, 05:00 Uhr
Tiere strahlen als Leuchtreklame auf einem Gebäude des Fleischwerks Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Foto: dpa
Tiere strahlen als Leuchtreklame auf einem Gebäude des Fleischwerks Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Foto: dpa

Während Tönnies die Produktion im größten deutschen Schlachthof weiter hochfahren will, sind bei einem Gemüsehof im nordrhein-westfälischen Kreis Borken sowie einem niedersächsischen Schlachthof des Unternehmens PHW mit der Marke Wiesenhof neue Corona-Probleme aufgetaucht. In Lohne sind 66 Menschen in einem Wiesenhof-Hähnchenschlachthof positiv auf Corona getestet worden, wie der Landkreis Vechta am Samstag mitteilte. In der Vergangenheit war es bereits im nahe gelegenen Wildeshausen zu Ansteckungen in einem Wiesenhof-Unternehmen gekommen. Dort wurden bei Geestland Putenspezialitäten unter 1183 vorliegenden Ergebnissen 46 Corona-Fälle registriert.

Hygiene-Experte Prof. Martin Exner untersuchte den Corona-Ausbruch bei Tönnies.

Hygiene-Experte Prof. Martin Exner untersuchte den Corona-Ausbruch bei Tönnies.

Gemüsehof-Mitarbeiter sind infiziert

Im Kreis Borken steht derweil ein Gemüsehof nach einem Corona-Ausbruch im Fokus der örtlichen Behörden. Dort arbeiten den Angaben zufolge vorwiegend rumänische Beschäftigte. Derzeit seien erst 88 von 148 Abstrichproben ausgewertet – mit zunächst acht positiven Ergebnissen.

Bei Tönnies hatten sich rund 1400 Arbeiter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Vorübergehend waren deshalb, neben der inzwischen aufgehobenen Betriebsschließung in Rheda-Wiedenbrück, weitgehende Einschränkungen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf verhängt worden. Im Kreis Gütersloh sind aktuell noch 215 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen auf 12,1 und damit deutlich unter die für weitergehende Schutzmaßnahmen maßgebliche Grenze von 50 gesunken. 208 Personen befinden sich im Kreis Gütersloh noch in häuslicher Quarantäne.

Bei Tönnies wird unterdessen an diesem Montag der Probebetrieb in der Zerlegung fortgesetzt. Sollte dieser unter Einhaltung eines neuen Hygienekonzepts erfolgreich sein, soll eine zweite Schicht einsetzt werden. Am Donnerstagabend hatten die Behörden auch die letzte Verfügung aufgehoben und das Zerteilen von Schweinen erlaubt.

„Wir haben uns immer an Recht und Gesetz gehalten“

Der Konzernchef sieht keine schuldhaften Versäumnisse für die Lage in seinem Betrieb. „Wir haben uns immer an Recht und Gesetz gehalten“ , hatte Clemens Tönnies am Wochenende in einem großen Interview mit dem WESTFALEN-BLATT versichert. „Der massenhafte Corona-Ausbruch in seinem Werk habe „nichts mit Werkvertragsarbeit oder den Wohnverhältnissen zu tun“, sondern vor allem mit der „Umluftkühlung, die eigentlich jeder Betrieb hat“, so der 64-Jährige.

Tönnies und mehrere Subunternehmer hatten für die vierwöchige Zwangspause nach massenhaften Corona-Infektionen Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land NRW gestellt. Unter anderem hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dieses Vorgehen kritisiert. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bekräftigte seine Ablehnung. Er kündigte an, „dass alles so geprüft wird, dass möglichst kein Geld fließt. Da können Sie Gift drauf nehmen.“

Unterdessen dauern die Proteste gegen Tönnies auch an anderen Standorten an – am Samstag gab es eine Demonstration in Kellinghusen in Schleswig-Holstein.

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