Fleischkonzern konkretisiert nächste Schritte – 120.000 Tests im Kreis
Tönnies legt Aktionsplan vor

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Fleischkonzern Tönnies hat die nächsten Schritte für den zuletzt von Firmenchef Clemens Tönnies im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT angekündigten Wandel konkretisiert. Am Montag legte das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen ein 25 Punkte umfassendes „Sofortprogramm“ vor. Es enthält Maßnahmen zur erweiterten Pandemieprävention sowie zu Veränderungen in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Tierhaltung.

Dienstag, 21.07.2020, 04:03 Uhr aktualisiert: 21.07.2020, 14:14 Uhr
Mit Schutzmaßnahmen wie Plexiglasabtrennungen und speziellen Filtergeräten läuft in der Zerlegung bei Tönnies derzeit ein Probebetrieb. Foto: dpa
Mit Schutzmaßnahmen wie Plexiglasabtrennungen und speziellen Filtergeräten läuft in der Zerlegung bei Tönnies derzeit ein Probebetrieb. Foto: dpa

Wie angekündigt, sollen bis zum 1. September 1000 Werkvertragsarbeiter fest angestellt werden. Bis Jahresende sei es das Ziel, alle „Mitarbeiter der Kernbereiche direkt beim Unternehmen einzustellen“. Damit würde der nach einem Corona-Ausbruch in seiner Belegschaft stark in die Kritik geratene Konzern eine Forderung der Politik erfüllen. Die Bundesregierung hat angekündigt, Werkverträge in der Fleischindustrie zum Jahreswechsel zu verbieten.

400 Wohnplätze für Angestellte anmieten

Vor diesem Hintergrund hat Tönnies offenbar auch 15 neue Firmen gegründet und ins Handelsregister eintragen lassen. Sie tragen den Namen Tönnies-Production und als Zusatz römische Ziffern von eins bis 15. Als Geschäftsführer sind Konzern-Justiziar Martin Bocklage und Personal-Leiter Sven Geier eingetragen.

Ebenfalls bis Anfang September will Tönnies rund 400 Wohnplätze in Rheda-Wiedenbrück für die zukünftigen Angestellten anmieten. Dazu seien zwei Wohnungsgesellschaften gegründet worden. Je nach Bedarf soll auch an weiteren Standorten Wohnraum geschaffen werden. Bereits im Februar hatte der Konzern den Bau eigener Unterkünfte angekündigt.

Zudem soll die vorhandene Zeiterfassung bis zum 1. August in ein digitales System überführt werden. Auch damit käme Tönnies einer Forderung der Politik nach.

Nochs sechs Infizierte im Krankenhaus

Derweil setzte der Konzern am Montag den Probebetrieb in der Zerlegung fort. Dazu verarbeiten – unter Aufsicht der Behörden und mit strengeren Corona-Schutzregeln – Arbeiter nur einer Schicht bis zu maximal 10.000 Schweine am Tag. Womöglich kommende Woche könne eine zweite Schicht eingeführt werden, wenn sich das Hygienekonzept bewährt, hieß es. Die meisten vom Corona-Ausbruch Mitte Juni Betroffenen arbeiteten in der Zerlegung. Von den rund 1400 infizierten Tönnies-Mitarbeitern liegen nach Angaben der Bezirksregierungen in Detmold und Arnsberg noch sechs Patienten in Kliniken. Drei Betroffene werden auf Intensivstationen betreut, zwei Patienten müssen beatmet werden.

Im Zuge des Ausbruchs war das Werk für rund vier Wochen geschlossen worden. Clemens Tönnies hatte bemängelt, dass die schriftliche Begründung für die Schließung noch immer nicht vorliege. „Ja, es ist richtig, es steht noch eine schriftliche Bestätigung der mündlichen Verfügung aus. Die bekommt Herr Tönnies noch“, sagte eine Sprecherin des Kreises Gütersloh am Montag. Die Eindämmung des Infektionsgeschehens habe bislang Vorrang gehabt.

Verschiedene Zuständigkeiten

Die Kreissprecherin verwies auch auf die komplizierte Rechtslage bei der Zuständigkeit. Während die Bezirksregierung Detmold für den Arbeitsschutz verantwortlich ist, liegt die Lebensmittelkontrolle und der Gesundheitsschutz beim Kreis. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück verantwortet derweil das Ordnungsrecht.

Neben der mündlichen Verfügung durch Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hatte der Kreis am 20. Juni eine zweiwöchige Quarantäne für Tönnies-Beschäftigte verfügt. Diese verlängerte das NRW-Gesundheitsministerium am 1. Juli. Die Stadt wiederum verfügte in Absprache mit dem Kreis und dem Ministerium die Folgeschließung des Betriebs am 2. Juli. Begründet wurde die Betriebsschließung mit dem Infektionsschutzgesetz.

Im Zuge des Corona-Ausbruchs mit Teil-Lockdown sind laut Adenauer im Kreis Gütersloh 120.000 Corona-Tests gemacht worden. Clemens Tönnies hatte angekündigt, für jeden Bürger einmalig die Testkosten zu übernehmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7501990?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
FDP fordert Wirtschaftsvertreter im Aufsichtsrat
Um die Zukunft und den Erhalt des Flughafen Paderborn/Lippstadt tobt ein politischer Streit. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker