Rheda-Wiedenbrück
Grüne peilen „20 Prozent plus x“ an

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Von einem „nie dagewesenen Schub“ sprechen die Bündnisgrünen. Der Rückenwind, den die Partei im Wahlkampf aus vielen Teilen der Bevölkerung erhalte, sei enorm. „Wir wollen zweitstärkste Kraft im neuen Stadtrat werden“, sagt Fraktionsvorsitzender Volker Brüggenjürgen.

Freitag, 07.08.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 07:31 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Grüne peilen „20 Prozent plus x“ an

Die Zielmarke für den Urnengang am 13. September liege bei „20 Prozent plus x“. Ohne die beiden neuen Akteure auf der politischen Bühne – neben der Wählervereinigung Move buhlt auch die AfD erstmals in der Doppelstadt um Stimmen – hätte es vielleicht sogar für den ersten Platz gereicht, unterstreicht Brüggenjürgen. Das bundesweite Umfragehoch der Umweltpartei habe in Kombination mit der „glaubwürdigen Ratsarbeit“ vor Ort zu einer deutlichen Steigerung der Akzeptanz geführt. Das spiegele sich auch in den Mitgliederzahlen wider: Inzwischen habe man 40 Mitstreiter – „so viele wie noch nie“.

Verkrustete Strukturen aufbrechen

Für den Fall, dass sie im neuen Stadtrat mindestens zweitstärkste Kraft werden, versprechen die Grünen die „Auflösung verkrusteter Strukturen“. Was genau damit gemeint ist, erklärt Fraktionschef Brüggenjürgen so: „Mit der engen Verzahnung von CDU, Bürgermeister, Stadtverwaltung und gewissen Lobbygruppen soll ein für alle Mal Schluss sein.“ Der Bürgerwille müsse laut Gemeindeordnung an erster Stelle des politischen Handelns stehen, „und nicht die Ansichten des CDU-Fraktionsvorsitzenden“.

Punkten wollen die Grünen mit Themen, die ihnen nach Worten der Bürgermeisterkandidatin Sonja von Zons „ein gewisses Alleinstellungsmerkmal“ verschaffen. Klimaschutz, Mobilität, Wohnraum und die Abschaffung des „Systems Tönnies“ in jetziger Form seien die inhaltlichen Schwerpunkte für die kommenden Jahre.

Kein Vertrauensvorschuss für Tönnies

Die Partei nehme für sich in Anspruch, dem Fleischkonzern mit Hauptsitz in Rheda schon seit Langem kritisch auf die Finger zu schauen, sagt Ratsmitglied Andreas Hahn. Auch nach den Ankündigungen des Unternehmens, in großem Umfang Wohnraum für die Beschäftigten zu schaffen und die osteuropäischen Werkvertragsarbeiter künftig direkt anzustellen, müsse man wachsam bleiben: „Unser Vertrauen gegenüber der Firma und der Familie Tönnies ist weiterhin auf dem Nullpunkt“, betont Hahn. „Wir vermissen bei beiden jeglichen Ansatz von Selbstkritik.“ Deshalb gebe es keinen Grund für die Erteilung von Vorschusslorbeeren.

„Wir sind die erste Generation, die mit absoluter Sicherheit weiß, dass wir Menschen die Erde zerstören, und wir sind zugleich die letzte Generation, die das Ruder noch herumreißen kann.“ Klare Worte findet Bürgermeisterkandidatin Sonja von Zons, wenn es um das Thema Klimaschutz geht. Auch vor Ort müsse man einen Beitrag zur Rettung der Welt leisten. „Wir setzen dabei auf die Eigenproduktion von grünem Strom und sauberer Heizwärme“, ergänzt Ratsherr Hans-Hermann Heller-Jordan. Eine Schlüsselrolle komme dabei dem vor einigen Jahren gegründeten Stadtwerk zu. Heller-Jordan: „Der Verkauf von Strom und Gas darf nur der erste Schritt gewesen sein.“ 

Rauf aufs Rad

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad: Dieses Ziel verfolgen die Grünen in Sachen Mobilität. Der Anteil des Fahrradverkehrs in der Stadt müsse bis 2025 mindestens verdoppelt werden, sagt Andreas Hahn. Gelingen könne dies mit dem Bau eines „schnörkellos-komfortablen Radschnellwegs“ entlang der Hauptstraße sowie der Optimierung des vorhandenen Streckennetzes. Zudem fordern die grünen Stadtbusse, die im Taktverkehr alle fünf Ortsteile ansteuern. Abgefahren ist der Zug nach Ansicht der Umweltpartei indes für den Südring-Schluss in Wiedenbrück: „Das Projekt ist vollkommen überflüssig geworden“, bekräftigt Hahn.

Wohnraum statt Discounter-Wildwuchs

Mehr denn je erforderlich ist nach Überzeugung von Ratsmitglied Peter Rentrup hingegen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum: „Stattdessen sprießen allerorts neue Discounter und Supermärkte aus dem Boden.“ Man habe den Eindruck, dass sich die Investoren einen ungezügelten Wettbewerb lieferten, der ein massives Überangebot an Verkaufsflächen zur Folge habe und letztlich vor allem Leerstände produziere. „Was unserer Stadt fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum“, sagt Rentrup. Mindestens 180 Wohneinheiten müssten pro Jahr in Rheda-Wiedenbrück entstehen, um das Thema zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen. Doch davon sei man weit entfernt. Deshalb müsse die Stadt selbst auf dem Immobilienmarkt aktiv werden. „Das Feld privaten Investoren zu überlassen, hat bisher überhaupt nicht funktioniert“, sagt Rentrup.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7524781?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker