Fragen, Antworten und Reaktionen zur Afrikanischen Schweinepest
„Kein guter Tag“

Potsdam/Rheda-Wiedenbrück/Münster (dpa/WB/in). Lange war es befürchtet worden, nun ist es so gekommen: Deutschland ist nicht mehr frei von der Afrikanischen Schweinepest. Nun stellen sich viele Fragen.

Freitag, 11.09.2020, 03:13 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 05:02 Uhr
Ein Wildschwein steht in einem Tier-Freigelände im Nationalparkzentrum Lusen im Wald. In Brandenburg wurde jetzt erstmals in Deutschland die Afrikanische Schweinepest in einem Tierkadaver nachgewiesen. Foto: dpa
Ein Wildschwein steht in einem Tier-Freigelände im Nationalparkzentrum Lusen im Wald. In Brandenburg wurde jetzt erstmals in Deutschland die Afrikanische Schweinepest in einem Tierkadaver nachgewiesen. Foto: dpa

 

Kam der erste Fall der Schweinepest in Deutschland überraschend?

 

Nein. Landwirte, Jäger und Fernfahrer wissen seit Jahren um die Gefahr. Für Schweinehalter gelten Hygienevorgaben. Auch die Länder waren vorbereitet: Nach dem ersten nachgewiesenen Schweinepest-Fall in Polen im November 2019 begann Brandenburg mit dem Bau eines 120 Kilometer langen mobilen Elektrozauns an einem Teil der Grenze.

Wie kam das Virus nach Deutschland?

 

Das ist unklar. Denkbar ist: Das Wildschwein ist „eingewandert“, eventuell aus Polen. Die Nähe des Kadaver-Fundorts zur deutsch-polnischen Grenze von etwa sechs Kilometer spricht nach Ansicht des Friedrich-Loeffler-Instituts dafür. Aber auch eine Einschleppung durch den Menschen über kontaminierte Lebensmittel könne nicht ausgeschlossen werden. Der Landkreis Spree-Neiße geht bisher von einem Einzelfund aus. Die Herkunft des Tieres wird derzeit unter die Lupe genommen.

Wie gefährlich ist die Tierseuche für Schweine und Menschen?

 

„Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich“, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin. „Auch vom Verzehr von gegebenenfalls kontaminiertem Fleisch gehen keinerlei Gefahren für die Gesundheit von Menschen aus.“ Anders sieht es für Haus- und Wildschweine aus – für sie sei die Schweinepest in fast allen Fällen tödlich.

Wie geht es weiter?

 

„Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, sagte Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Aus dem betroffenen Gebiet dürfen keine Tiere und kein Schweinefleisch herausgebracht werden. Experten sind dabei, ein vorläufig gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern um den Fundort einzurichten. Eine Kernzone mit einen Radius von drei Kilometern soll dann komplett abgeriegelt werden.

Was bedeutet das Eindringen der Afrikanischen Schweinepest für die Bauern?

 

Der Westfälische-Lippische Landwirtschaftsverband in Münster spricht von einem schweren, „wenngleich nicht unerwarteten Schlag für unsere bereits durch die Corona-Pandemie gezeichnete Schweinehaltung“. Der Regionalvorsitzende Hubertus Beringmeier aus Hövelhof, selbst Schweinemäster, fordert von der Politik ein klares und gleichwohl umsichtiges Handeln. Ein Importstopp, wie er jetzt von Südkorea verfügt worden sei, bedeute eine große Gefahr für die Landwirtschaft. Er sei auch nicht gerechtfertigt. Um dies klar zu machen, müsse das Gebiet um den Kadaverfund abgeriegelt und ein Übergreifen auf Haustierbestände verhindert werden.

 

Und wie reagiert Deutschlands größtes Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück?

 

„Es ist kein guter Tag“, erklärte Unternehmenssprecher André Vielstädte auf Anfrage dieser Zeitung. Panik aber sei nicht angebracht. Im Inland gelte es, den Markt zu stabilisieren, damit die Preise für Schweinefleisch nicht in den Keller rutschten und bäuerliche Existenzen schließen müssten. Demonstrativ gelassen gab sich Wilhelm Jaeger, Leiter der Stabstelle Landwirtschaft bei Tönnies: „In einem freien Europa bewegen sich auch Wildschweine grenzüberschreitend. Die mobilen Zaunanlagen an der polnischen Grenze waren offenkundig nicht ausreichend.“ Tönnies sei aber auf die neue Situation vorbereitet und werde die höchstmögliche Biosicherheit der Schweine und des Schweinefleisches sicherstellen.

 

Wie viele Schweine schlachtet Tönnies eigentlich?

 

Nach Angaben Vielstädtes jährlich 20 Millionen, davon 16 Millionen in Deutschland. Lieferanten seien 12.000 Höfe. Die Hälfte des Umsatzes von 7,3 Milliarden Euro erwirtschaftet Tönnies im Export. 20 Prozent entfallen allein auf Asien, in der Spitze China, gefolgt von Japan, Malaysia und Korea.

 

Und die Konkurrenz, zum Beispiel Westfleisch in Münster?

 

Pressesprecher Philipp Ley berichtet, Westfleisch habe sich bereits seit Anfang 2017 intensiv auf den Tag X vorbereitet, wenn ASP erstmals in Deutschland nachgewiesen werde. Das genossenschaftliche Unternehmen stehe in engem Kontakt mit seinen 4000 Lieferanten aus der Landwirtschaft, unter denen keine Höfe im betroffenen Gebiet in Brandenburg seien. Auch Westfleisch habe eine Exportquote von knapp 40 Prozent. In Asien seien vor allem Produkte nachgefragt, die in Deutschland nicht vermarktet werden könnten. Man sei zuversichtlich, mögliche Exportsperren in Drittstaaten außerhalb der EU zumindest in einem gewissen Maße auffangen zu können, so Ley.

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