Alle 3000 Beschäftigten bei Subunternehmen werden übernommen
Westfleisch schließt Tarifvertrag

Münster/Rheda-Wiedenbrück (WB). Etwa 3000 Mitarbeiter, die bislang schon bei Westfleisch arbeiteten, aber bei externen Werkvertragspartnern angestellt waren, werden vom Münsteraner Schlachtunternehmen direkt übernommen. Dies geschieht auf Basis eines Tarifvertrages, den Westfleisch am Donnerstag mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) abgeschlossen hat. Der Vertrag tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft.

Freitag, 18.09.2020, 05:35 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 14:56 Uhr
Schweinehälften werden in einer Großfleischerei verarbeitet: Bislang werden oft ausländische Werkvertragsarbeiter über Subunternehmen für diese Tätigkeit eingesetzt. Künftig sollen die Arbeitskräfte direkt beim Unternehmen angestellt sein. Foto: dpa
Schweinehälften werden in einer Großfleischerei verarbeitet: Bislang werden oft ausländische Werkvertragsarbeiter über Subunternehmen für diese Tätigkeit eingesetzt. Künftig sollen die Arbeitskräfte direkt beim Unternehmen angestellt sein. Foto: dpa

Zur genossenschaftlich organisierten Westfleisch-Gruppe gehören unter anderem auch Schlachtbetriebe in Lübbecke und in Dissen im Kreis Osnabrück. Die 3000 Beschäftigten, die in der Schlachtung und Zerlegung arbeiten, stammen überwiegend aus osteuropäischen Ländern. Sie sind künftig bei der Westfleisch SCE und Westfleisch Erkenschwick GmbH angestellt. Der Tarifvertrag gilt auch für die 1000 Mitarbeiter, die bei konzerneigenen Dienstleistungsfirmen beschäftigt sind.

Nach übereinstimmenden Informationen von Westfleisch und der NGG sieht der Tarifvertrag sechs Lohnstufen vor. In der Einstiegskategorie erhalten die Beschäftigten 9,50 Euro als niedrigsten Stundenlohn. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt aktuell 9,35 und ab 1. Januar nächsten Jahres 9,50 Euro. Nach einer Probezeit, die in der Regel wenige Monate dauern soll, erreichen die Beschäftigten die nächste Lohnstufe. Nach Angaben von Westfleisch sind aktuell weniger als 20 Prozent der etwa 7000 Mitarbeiter in dieser Kategorie eingestuft. Niemand soll zudem durch den Tarifvertrag schlechter gestellt werden als bisher.

Künftig soll außerdem jede der halbjährlich vorgesehenen gesetzlichen Mindestlohnanhebungen von Westfleisch um ein halbes Jahr vorgezogen werden. Damit sei sichergestellt, dass die betroffenen Beschäftigten stets mehr als den jeweils aktuellen Mindestlohn erhalten, heißt es.

NGG stehe für „Alibi-Veranstaltung“ nicht zur Verfügung

Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies hatte angekündigt, bis September die ersten 1000 Beschäftigten von Werkvertragsfirmen einzustellen . Ob die Übernahmen tatsächlich bereits erfolgt sind, ist unklar. Möglicherweise gibt es Widerstand bei den bisherigen Subunternehmen.

Was den Tarifvertrag betrifft, so verfolgt Tönnies nach eigenen Angaben das Ziel eines allgemein verbindlichen Tarifvertrags für die gesamte Fleischbranche. Allerdings hat die Gewerkschaft NGG am Mittwoch gerade den für die nächste Woche geplanten ersten Gesprächstermin abgesagt. Die plötzliche Bereitschaft der Arbeitgeberseite zu Verhandlungen solle nur die anstehenden Entscheidungen in der Politik zu ihren Zwecken beeinflussen, erklärt die Gewerkschaft. Für eine „Alibi-Veranstaltung“ stehe die NGG aber nicht zur Verfügung.

Derweil erklärt Westfleisch, dass es auch die Verhandlungen zwischen NGG und Fleischbranche auf Bundesebene unterstütze.

Unser Kommentar zur Lage in der Fleischindustrie.

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