Rheda-Wiedenbrück
Tönnies hält an Aus für Werkverträge fest

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Unabhängig von der Entscheidung des Bundestags hält der Fleischkonzern Tönnies mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück an seinem Vorhaben fest, die Werkverträge in den Kernbereichen Schlachtung und Zerlegung zum 1. Januar abzuschaffen.

Montag, 26.10.2020, 15:45 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 16:16 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Tönnies hält an Aus für Werkverträge fest

Weil CDU und CSU noch Beratungsbedarf sehen, ist die Beschlussfassung über das Gesetz zum Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der deutschen Fleischindustrie überraschend von der Tagesordnung für die bevorstehende Sitzungswoche des Bundestags gestrichen worden. Daraufhin hagelte es am Wochenende heftige Kritik. Nicht nur Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der das Gesetz im Sommer nach den massenhaften Corona-Ausbrüchen in mehreren deutschen Fleischunternehmen – darunter Tönnies – auf den Weg gebracht hatte, zeigte sich empört. Er warf der Union Verzögerungstaktik vor.

Koalition streitet sich über Gesetz

Trotz des Krachs in der Koalition laufen beim Branchenführer Tönnies die Vorbereitungen für die Abschaffung der Werkverträge in Schlachtung und Zerlegung zum Jahresbeginn 2021 weiter. „Wir halten an unserer Zusage unabhängig von der Entscheidung des Bundestags fest“, bestätigte am Montag Konzernsprecher Dr. André Vielstädte auf Nachfrage.

Gleichwohl habe man an dem von Heil geplanten Arbeitsschutzkontrollgesetz zwei Kritikpunkte: „Weil der Fleischverzehr einer starken saisonalen Schwankung unterliegt, brauchen wir auch künftig Flexibilität in der Produktion.“ Im Frühjahr und Sommer werde mehr gegrillt als in der kalten Jahreszeit. Zudem erschwere das geplante Kooperationsverbot vor allem mittelständischen Unternehmen, sich betriebswirtschaftlich gegen die Konkurrenz aus dem europäischen Ausland zu behaupten, erklärte Vielstädte.

Monsignore Kossen empört über Union

Kritik an CDU/CSU kam am Montag von dem katholischen Geistlichen Peter Kossen, der seit Jahren für ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit kämpft. Den Versuch der Union, das „längst überfällige Gesetz zu verzögern und zu verwässern“, bezeichnete Monsignore Kossen als „erbärmlich“. „Beide Parteien machen sich zu Komplizen moderner Sklaverei, anstatt den Sumpf aus Lohn- und Sozialdumping endlich trocken zu legen.“

Demonstration vor Werkstoren am Samstag

Am Samstag, 31. Oktober, wollen Tönnies-Gegner nach längerer Pause vor den Werkstoren in Rheda demonstrieren. Im Fokus stehen dann aber nicht die Arbeitsbedingungen. Die Aktivisten von „The Save Movement“ (Bielefeld) wollen ab 15 Uhr auf den „blutigen Alltag von Tieren in der Ernährungsindustrie“ aufmerksam machen.

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