Rheda-Wiedenbrück
Mit Wunsch nach Klarheit ins Testzentrum

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Der Gütersloher Wolfgang Nuss ist der erste an diesem Tag. Bereits eine halbe Stunde vor dem Startzeitpunkt um 12 Uhr steht der pensionierte Berufsschullehrer im leichten Nieselregen vor dem DRK-Zentrum an der Schwedenschanze, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Sonntag, 22.11.2020, 15:38 Uhr aktualisiert: 22.11.2020, 16:01 Uhr
Rheda-Wiedenbrück: Mit Wunsch nach Klarheit ins Testzentrum

Nuss war Tage zuvor für etwa zwei Minuten mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen. Zur Teststation ist er aus eigenem Antrieb gekommen. „Ich wollte in Erfahrung bringen, ob auch ich infiziert bin, weil ich stundenweise noch immer unterrichte und mit Schülern zusammentreffe“, sagt er. Einen Tag nach der Probenentnahme wird es der Pädagoge genau wissen: Sein Testergebnis ist negativ. Er ist nicht mit dem Coronavirus infiziert. Nach Gütersloh, Halle und Verl ist Rheda-Wiedenbrück die vierte Kreiskommune, in der das Rote Kreuz ein Testzentrum eingerichtet hat. Geöffnet ist es jeden Dienstag von 12 bis 14 Uhr. Aus vollkommen unterschiedlichen Gründen haben die Menschen die Teststation aufgesucht.

Es gibt gute Gründe für einen Abstrich

Bei Heinz Bartsch aus Rheda-Wiedenbrück ist es die anhaltende Heiserkeit ohne eine ärztliche Diagnose, die ihn verunsichert hat. Jetzt will er sich in Begleitung von Ehefrau Gisela Klarheit darüber verschaffen, ob er möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert ist. Bei einem 62-Jährigen aus Herzebrock-Clarholz, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist es eine Reha-Klinik in Sendenhorst, die von ihm einen negativen Test erwartet. Und bei den beiden Emskolleg-Schülerinnen Marie Katscher aus Varensell und Janine Holdijk aus Gütersloh liegt ein Coronafall in ihrer Klasse vor. Um auch weiterhin nach der Schule in einem Supermarkt jobben zu können, braucht Marie Katscher ein negatives Testergebnis. Bei Janine Holdijk ist es die Großmutter, die sie nicht mit ihrem Besuch gefährden möchte.

Gleich sechs Beschäftigte einer Abteilung hat die Maschinenbaufirma Venjakob nach dem Auftreten eines Infektionsfalls zum Abstrich an die Schwedenschanze geschickt. Bis das Ergebnis der Testungen vorliegt, sollen sich die sechs Beschäftigten in häusliche Quarantäne begeben, sind sie von der Arbeit freigestellt. Mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern ist das DRK vor Ort. Die angehende Sanitäterin Denise Steinborn kümmert sich um die Erfassung der persönlichen Daten. Rettungsassistent Colley Nwaneri ist der Mann am Stäbchen. Er nimmt den Abstrich vor. Beide tragen Infektionsschutzkleidung und sind eigens für diesen Job vom Kreisverband eingestellt worden. Unterstützt werden sie an diesem Tag vom Ehrenamtlichen Heinz-Jürgen Belger (DRK-Ortsverein Rheda-Wiedenbrück), der sich um das Organisatorische kümmert und nach dem Ende der Testungen Fußböden sowie Mobiliar desinfiziert.

Krankenkassen erstatten nichts

Als Denise Steinborn, Colley Nwaneri und Heinz-Jürgen Belger gegen 12 Uhr den Betrieb aufnehmen, hat sich vor dem Zentrum bereits eine längere Schlange von Testpersonen gebildet. Es mögen um die 20 Leute sein, die mit dem gebotenen Sicherheitsabstand und Mund-Nase-Bedeckung geduldig darauf warten, eingelassen zu werden. Im Vorflur angekommen treffen sie auf Denise Steinborn, die sie um ihre Krankenversichertenkarte bittet, um die persönlichen Daten einzulesen. Danach gibt es für jeden Testkandidaten einen Ausdruck mit einem QR- und einem Pin-Code.

Mit Hilfe der beiden Identifizierungsmerkmale kann sich der Proband in den nächsten Tagen Zugang zu einer Internet-Seite verschaffen und dort das Ergebnis seines Tests erfahren. „Spätestens nach 48 Stunden, im Einzelfall aber auch schon am Vormittag oder im Lauf des nächsten Tags liegt es vor“, sagt Ilka Mähler vom Vorstand des DRK-Kreisverbands. Für den Test verlangt das Deutsche Rote Kreuz 69 Euro, die nicht von den Krankenkassen erstattet werden und direkt zu begleichen sind. Bezahlt werden kann per EC- oder Kreditkarte, mit einem auf der DRK-Homepage erworbenen Gutschein oder über den Zahlungsverkehrsdienstleister PayPal.

44 von 45 Kunden sind nicht infiziert

Nach der Erledigung dieser Formalitäten geht es zur Probenentnahme in den Großen Saal des DRK-Zentrums. Dort wartet bereits Colley Nwaneri in Schutzkleidung mit Gesichtsvisier sowie einem Watte-Teststäbchen in der Hand auf seine Kunden. Keine Minute später ist der Fall erledigt, wandert der Abstrich in ein Teströhrchen, das noch am selben Tag zusammen mit mehr als 200 weiteren Proben aus Rheda-Wiedenbrück und Gütersloh von Denise Steinborn mit dem Auto zum Labor in Minden geliefert wird. Um nicht mit anderen Testkandidaten näher in Kontakt zu kommen, verlassen die Kunden das DRK-Zentrum über einen Hinterausgang.

Insgesamt 45 Personen hat das DRK an seinem ersten Einsatztag in Rheda-Wiedenbrück getestet. Letzte Kundin ist um kurz vor 14 Uhr die schwangere Jutta Speith aus Rheda-Wiedenbrück. Sie hat soeben in einem Anruf erfahren, dass sie sich zusammen mit einem positiv Getesteten in einem Raum aufgehalten hat. Auch Jutta Speith wird am nächsten Tag – wie 43 andere Probanden – erfahren, dass sie negativ getestet wurde. Lediglich bei einer Kundin der Testreihe fiel das Ergebnis positiv aus. Darüber wurde die Betroffene bereits vom Labor unterrichtet. In einem zweiten Schritt wird das Gesundheitsamt sich mit ihr in Verbindung setzen, um ihre Kontaktpersonen zu ermitteln und weitere Maßnahmen zu veranlassen.

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