Rheda-Wiedenbrück
Schwergewicht auf dem Fliesenmarkt

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Jeder, der schon einmal einen Karton mit Fliesen von links nach rechts getragen hat, weiß um ihr Gewicht. Welche bedeutende Rolle allerdings Rheda für den europäischen Markt im Geschäft mit Kacheln, Mosaiken und Natursteinen spielt, ist nur wenigen bekannt. 

Samstag, 06.03.2021, 06:07 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 06:31 Uhr
Nur äußerst selten gerate der Warenfluss mal ins Stocken, sagt Logistikchef Lars Fuhrmeister. „Wenn so ein System erst einmal läuft, tippelt es anschließend wie ein Uhrwerk.“
Nur äußerst selten gerate der Warenfluss mal ins Stocken, sagt Logistikchef Lars Fuhrmeister. „Wenn so ein System erst einmal läuft, tippelt es anschließend wie ein Uhrwerk.“

Vier bis fünfmal in der Woche rollt im Zentrallager der Happe-Gruppe an der Steinker Heide in Rheda ein Güterzug ein, beladen mit Baustoffen vornehmlich aus Asien und Südamerika, die man dort kauft beziehungsweise produzieren lässt. Zwischen 8000 und 10 000 Überseecontainer werden dort Jahr für Jahr abgewickelt, Tendenz steigend. Das Geschäft brummt und ist zuletzt durch die Pandemie weiter befeuert worden: Küchen und Badezimmer werden saniert, Terrassen aufgemöbelt, Flure von Steinzeug befreit, das kurz vor Museumsreife steht. 

Kraftprotz wiegt 65 Tonnen

19 so genannter 20-Fuß-Container lädt am Freitagvormittag ein Reach-Stacker vom Güterzug ab. Geduldig wartet der Lokführer in seinem Triebwagen, während der etwa 65 Tonnen schwere Kraftprotz eine Stahlbüchse nach der anderen herunterhievt. Hätte Unternehmer Johannes Strunz Happe (Foto) vor einigen Jahren nicht die Anbindung des ehemaligen Pfleiderer-Geländes an das Schienennetz reaktivieren lassen, das ganze Material müsste per Lastwagen geliefert werden. Was etwa 10 000 Fahrten entspräche, sagt der Baustoffhändler, die durch die Doppelstadt führen würden. 

Die EU hat 2021 zum „Europäischen Jahr der Schiene“ erklärt, um den Umstieg auf die Bahn als sicheres und nachhaltiges Verkehrsmittel zu fördern. Für die heimische Happe-Gruppe ist das schon lange keine Zukunftsmusik mehr, genauso wenig nostalgisch angehauchte Spielerei. Der umtriebige Firmenchef schätzt die Verlässlichkeit und die Effizienz. Obendrein ist der ökologische Fußabdruck, den die Firma hinterlässt, deutlich kleiner, als wenn sie sich ausschließlich auf den Güterverkehr auf Straßen stützte. 

Vom Schiff auf die Bahn

2500 verschiedene Produkte lagern im Happe-Zentraldepot aktuell in Rheda auf 55.000 Paletten. Das Gros ist mit Containerschiffen in den Häfen von Rotterdam und Antwerpen angelandet, wurde dort auf Binnenfrachter verladen und anschließend nach Duisburg gebraucht, wo man das Material dann auf die Schiene setzte. Nur äußerst selten gerate der Warenfluss mal ins Stocken, sagt Logistikchef Lars Fuhrmeister. „Wenn so ein System erst einmal läuft, tippelt es anschließend wie ein Uhrwerk.“ 

Vom Rhedaer Zentrallager aus finden die Waren ihren Weg in Baumärkte, zu Fachhändlern und über eigene Baustoffzentren zu Endkunden auf dem gesamten Kontinent.

Erweiterungspotenzial vorhanden

Sechseinhalb Hektar Fläche umfasst das Zentraldepot der Happe-Gruppe in Rheda – und es ist dennoch offensichtlich, dass Platz knapp ist. Allerorten wird innerhalb der Gruppe gebaut, so auch an der Steinker Heide. Im Augenblick entsteht für die Tochter Euro Freight eine neue Logistikanlage mit 2500 Quadratmetern Umschlags- und Lagerfläche, Erweiterungspotenzial auf das Vierfache dieser Größe, sowie zwölf Lastwagenrampen zur Be- und Entladung. 180.000 Paletten mit Fliesen sowie Natursteinen werden von dort aus im Jahr auf die Reise geschickt. 

Logistiktochter im Zentrallager

Nachdem die Happe-Gruppe 2018 die Firma Euro Logistics übernommen hatte, ist 2019 Euro Freight gegründet worden. Die Tochter bewegt 60 Lastwagen sowohl im Nah- als auch im internationalen Fernverkehr. Neben dem Standort in Rheda gibt es einen zweiten in Hamburg. 

Rege Bautätigkeit

Rege Bautätigkeit herrscht überdies in den ehemaligen Seidensticker-Hallen in Rheda, die Happe im Sommer 2019 gekauft hat. Die Produktionsstätten aus den 1930er-Jahren, einst von der Textilfirma Rawe errichtet, werden derzeit in weiten Teilen als Lager benutzt. An der Ecke Bosfelder Weg/Nonenstraße indes erhält das historische Backsteingemäuer eine Frischzellenkur. Dort, wo Handwerker aktuell einige Trockenbauwände einziehen, soll sich in wenigen Monaten ein Showroom wiederfinden. Unternehmer Johannes Strunz Happe will in lichtdurchflutetem Ambiente das präsentieren, was der internationale Fliesenmarkt zu bieten hat, außerdem Natursteine. Das Ganze soll die Form einer Ausstellung annehmen, die an einer Messe erinnert. Die Eröffnung ist für Ende Mai geplant. „In dieser Größenordnung findet sich das weit und breit kein zweites Mal“, sagt Logistikchef Lars Fuhrmeister.

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