Gegen Fleischkonsum und Massentierhaltung
Tönnies-Gegner blockieren Kreuzung

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Man mag zu den Dauer-Demonstranten gegen Fleischkonsum und Massentierhaltung im Allgemeinen und das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen Tönnies im Besonderen stehen, wie man will. Eines muss man den Aktionisten lassen: Sie zeichnen sich aus durch Beharrlichkeit und Kreativität.

Sonntag, 14.03.2021, 11:15 Uhr aktualisiert: 14.03.2021, 12:50 Uhr
Tierschützer haben am Samstag die Kreuzung B 61/Gütersloher Straße vor den Toren Rhedas zeitweise blockiert. Damit legten sie vorübergehend auch eine der Zufahrten zum Fleischwerk Tönnies lahm.
Tierschützer haben am Samstag die Kreuzung B 61/Gütersloher Straße vor den Toren Rhedas zeitweise blockiert. Damit legten sie vorübergehend auch eine der Zufahrten zum Fleischwerk Tönnies lahm.

Dies haben sie am Wochenende einmal mehr mit einer Protestaktion unter denkbar ungünstigen Witterungsbedingungen bewiesen. Begleitet von Wind, Sturm und heftigem Gewitterregen hatten sich 40 Angehörige des regionalen Aktionsbündnisses an der Kreuzung der B 61 (Bielefelder Straße) mit der Gütersloher Straße vor den Toren Rhedas versammelt, um mit zeitweisen Ampelblockaden auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Kritik an Politik und Fleischwirtschaft

Ihr Anliegen, das ist für sie der „blutige Alltag von Nutztieren in der Ernährungsindustrie“: „Bis zum heutigen Tag blockieren diverse Akteure einen menschlichen Umgang mit Tieren, weshalb wir mit unserer Ampelaktion die eigentliche Blockade von Politik und Wirtschaft sichtbar machen wollen“, hieß es in einem Begleitschreiben zur Demo, das von den Aktivisten Asja Pfirrmann, Katharina Friess, Marie-Kristin Mueller (alle Organisation „Animal Save“, Bielefeld) sowie Oliver Groteheide vom Gütersloher Verein „Fairleben“ unterzeichnet war.

Für seinen Protest hatte sich das Bündnis diesmal ein neues Format ausgedacht: Statt vor dem nur wenige Hundert Meter entfernten Fleischwerk mit Transparenten und Plakaten mehr oder weniger still auf die eigenen Forderungen aufmerksam zu machen, haben sich die Demonstranten an der stark frequentierten Straßenkreuzung eingefunden. An der von ihnen so getauften „Straße des Grauens“, auf der nach ihren Angaben täglich bis zu 30.000 Schweine in Tiertransportern in Richtung Schlachtbank rollen, blockierten sie am Samstag zwischen 13 und 15 Uhr in regelmäßigen Abständen die komplette Ampelanlage.

Herzzerreißende Szenen am Schweinetransporter

Unter der Augen von sieben Polizeibeamten in drei Einsatzfahrzeugen griff dazu „Fairleben“-Sprecher Oliver Groteheide alle 15 Minuten zum Megafon, um das Kommando für die Blockade zu geben. Mit Transparenten wie „Fleisch frisst die Welt“ und Plakaten mit Aufschriften wie „Artgerecht ist nur die Freiheit“ oder „Tiere sind keine Lebensmittel“ stoppten die Demonstranten jeweils während einer kompletten Ampel-Grün-Phase den Verkehr. „Wir haben festgestellt, dass Reden allein nichts bringt. Deswegen haben wir zu anderen Mitteln gegriffen und uns für das sogenannte Swarming entschieden“, erläuterte Oliver Groteheide. Gewaltfreier Protest sei nach Expertenmeinung das beste Mittel, um etwas zu bewegen. Groteheide: „Es gibt 100 verschiedene Protestformen, und davon haben wir noch einige in petto. Wir werden so lange kämpfen, bis diese Form der Fleischerzeugung ein Ende hat.“

Zu herzzerreißenden Szenen kam es 45 Minuten nach dem Beginn der Aktion, als ein mit Schlachtschweinen beladener Transporter auf dem Weg zum Tönnies-Werk vor der Ampelanlage anhielt und nicht mehr weiterfahren konnte: Mehrere Frauen näherten sich dem Viehlaster, versuchten, die Schweine zu streicheln, und sprachen mit ihnen. Als der Lkw seine Fahrt fortsetzte, bleiben die Frauen mit Tränen in den Augen zurück.

Lob von der Polizei

Bei der Polizei, die an diesem Tag ihren Beobachterstatus nicht verlassen musste, fand das Verhalten der Tierschützer Anerkennung. Einsatzleiter Polizeihauptkommissar Uwe Koch, der sich eine Woche zuvor mit Katharina Friess und Oliver Groteheide an Ort und Stelle getroffen hat: „Ich habe selten ein so kooperatives Gespräch mit Demonstranten geführt. Auch das Verhalten heute ist lobend hervorzuheben.“

Wer den Protest erdulden musste, waren die Autofahrer. Wegen der Sperrung der A 2-Abfahrt Wiedenbrück und der ausgewiesenen Umleitung hatte sich auf der Gütersloher Straße stadtauswärts vor der Ampel zu diesem Zeitpunkt ohnehin eine lange Schlange gebildet. Sie reichte bis zum Tönnies-Werk.

Autofahrer reagieren mit Hupkonzerten

Deeskalierend wirken sollten dabei Schilder mit den Aufschriften „Noch zwei Minuten“, welche einige Demonstranten den wartenden Fahrzeugen entgegenhielten. Dennoch kam es aus Protest gegen die Blockade zeitweise zu Hupkonzerten.

Doch die Aktion von „Animal Save“ und Co. fand auch Zustimmung bei einigen Autofahrern. „Ich finde das gut. Massentierhaltung ist schlecht für Gesundheit und Umwelt“, meinte etwa Eli Dzamulaev aus Gütersloh, der sich selbst als „Flexitarier“ (Fleischkonsum nur ab und zu) bezeichnete und den Protestlern vom Steuer aus demonstrativ ein Victory-Zeichen entgegenhielt. Und auch bei der 33-jährigen Vanessa Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück stieß die Aktion auf Gegenliebe. „Ich finde das gut“, sagt sie. „Ich bin selbst seit meiner Jugend Vegetarierin.“

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