Stadt Rietberg gibt erstmals Übersicht heraus – 16-seitige Broschüre
Wie viel Miete ist erlaubt?

Rietberg (WB). Mietwucher, ist das nicht nur so eine Redewendung? »Oh, nein«, sagt Günter Höppner, Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins Rietberg und Umgebung. »Das ist sogar ein Straftatbestand.« Er muss es wissen, schließlich ist er im Hauptberuf Rechtsanwalt. Damit es mit dem Wucher nicht so weit kommt, hat die Stadt jetzt einen Mietspiegel veröffentlicht.

Mittwoch, 24.08.2016, 12:54 Uhr aktualisiert: 24.08.2016, 13:00 Uhr
Rechtsanwalt Günter Höppner ist Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins Rietberg und Umgebung. Foto: Stefan Lind
Rechtsanwalt Günter Höppner ist Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins Rietberg und Umgebung. Foto: Stefan Lind

Die Nachricht ist schon allein deshalb interessant, weil es solch ein Zahlenwerk für Rietberg bislang nicht gab. »Wir mussten uns in der Vergangenheit stets an den Zahlen für Rheda-Wiedenbrück orientieren«, erläutert Höppner. Der Vergleich hinkte regelmäßig, ist die Nachbarkommune doch bei der Einwohnerzahl wesentlich größer und von der Infrastruktur her anders aufgestellt.

Die frisch erschienene 16-seitige Broschüre, schlicht betitelt »Mietspiegel 2016«, gibt Mietern wie Vermietern also jetzt verlässliche Zahlen an die Hand. »Damit können wir künftig eine so genannte ortsübliche Vergleichsmiete bestimmen«, sagt Bürgermeister Andreas Sunder. »So kann jeder ablesen, wo er mit seiner Kaltmiete liegt.« Ein solcher Gradmesser könne juristische Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern verhindern. Günter Höppner erwartet zudem, dass in manchen Bereichen die Mieten stagnieren oder nicht so stark steigen, weil einige Zahlen im Vergleich zu Rheda-Wiedenbrück niedriger liegen.

Mietwucher ist ein Straftatbestand

Die Übersicht weist die in Rietberg am 1. Januar 2016 gezahlten Mieten für Wohnungen vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage aus. Wesentliches Element ist die Mietpreistabelle, die sich in Wohnungsgrößenklassen und Baualtersklassen gliedert. Durch diese Klassifizierung lässt sich jede Wohnung zuordnen und ein Mittelwert sowie eine Preisspanne ermitteln.

In Rietberg wird deutlich: Große Wohnungen in Altbeständen (Baujahr bis 1960) sind am günstigsten zu haben. 4,72 Euro Kaltmiete je Quadratmeter sind dort als Mittelwert aufgeführt. Zum Vergleich: In Verl liegt dieser Wert bei 5,10 Euro. Am teuersten ist in Rietberg eine Wohnung, die zwischen 2003 und 2015 gebaut wurde und zwischen 50 und 65 Quadratmetern Fläche bietet. Hier kann der Vermieter im Schnitt 7,08 Euro verlangen. Noch ein Vergleich: Güterslohs höchster Wert beträgt 7,61 Euro. Rietberg liegt mit seinen Mieten also irgendwo im Mittelfeld, richtig günstig wird es in Langenberg, Borgholzhausen oder Versmold.

Muss also jetzt jeder Rietberger, der bisher wenig Miete gezahlt hat, mit exorbitanten Erhöhungen rechnen? »Da ist das Gesetz vor«, sagt Günter Höppner und verweist auf Paragraf 558 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Darin heißt es: »Der Vermieter kann die Zustimmung zu einer Erhöhung der Miete bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen, wenn die Miete zu dem Zeitpunkt, zu dem die Erhöhung eintreten soll, seit 15 Monaten unverändert ist.« Innerhalb von drei Jahren sei eine Erhöhung von bis zu 20 Prozent zugelassen, so der Fachmann. Der Vermieter kann sich bei einer Neuvermietung direkt an dem jetzt ermittelten ortsüblichen Wert orientieren, aber verlangt er kurzerhand 20 Prozent mehr, so gilt das als Mietpreisüberhöhung. Höppner: »Das muss der Mieter nicht zahlen, außerdem zieht es für den Vermieter ein Bußgeld nach sich.« Wer gar die Notlage eines anderen Menschen ausnutzt und über 50 Prozent mehr verlangt, als die Vergleichsmiete vorsieht, der macht sich strafbar. Das sind dann wahre Wuchermieten.

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