Tödlicher Überfall auf ein Brüderpaar: Kripo-Experte zeichnet exakt die Routen des Fluchtfahrzeuges auf
Überführt ein Peilsender die Mörder?

Rietberg/Bielefeld  (WB). Es ist nur ein kleines Metall-Kästchen, vollgestopft mit Elektronik, das als GPS-Peilsender unter einem Auto angebracht wird. Im Rietberger Raubmord hat ein derartiges Ortungsgerät der Polizei geholfen, die Spur zu den mutmaßlichen Tätern aufzunehmen.

Freitag, 11.11.2016, 13:02 Uhr aktualisiert: 11.11.2016, 13:44 Uhr
Der Angeklagte Arthur T. hatte eine Scheune auf diesem Hof in Gütersloh angemietet. Dort hat die Polizei Diebesgut sichergestellt. Foto: Wolfgang Wotke
Der Angeklagte Arthur T. hatte eine Scheune auf diesem Hof in Gütersloh angemietet. Dort hat die Polizei Diebesgut sichergestellt. Foto: Wolfgang Wotke

Im Prozess um den Überfall auf ein Brüderpaar, bei dem der 64-jährige Heinz S. am 3. November 2015 getötet wurde, hat gestern vor dem Bielefelder Schwurgericht ein Experte der Kripo ein detailliertes Bewegungsprofil des Fahrzeuges von Arthur T. aufgezeigt. Der 49-jährige Gütersloher sitzt zusammen mit seinem polnischen Landsmann Robert D. (46) seit September auf der Anklagebank. Ein dritter Täter ist noch flüchtig.

Weil die Polizei schon einige Wochen vor dem brutalen Verbrechen Arthur T. wegen Felgendiebstahl im Visier hatte , installierten die Fahnder an seinem schwarzen Audi A6 einen Peilsender. Damit wollten sie ihm auf die Schliche kommen. Einige Tage nach dem Raubmord fiel auf, dass sich der Audi mehrere Male direkt am Tatort an der Lipplinger Straße im Ortsteil Westerwiehe aufgehalten hatte. Mit der Auswertung der gesamten Geo-Daten verdichtete sich der Verdacht, dass Arthur T. etwas mit dem Kapitalverbrechen zu tun haben muss.

GPS-Peilsender ideal für die Langzeitüberwachung

GPS-Peilsender sind ideal für die Langzeitüberwachung, wie beispielsweise zum Diebstahlschutz von Pkw. Das Gerät kann auf die verschiedensten Arten angebracht werden, wie durch hineinlegen in Fahrzeuge, angeschraubt oder mit Magneten darunter befestigt werden. Dank seines robusten Gehäuses ist das Gerät bei Wind und Wetter betriebsfähig und wartungsfrei. Die gesammelten Daten wie Stand- und Ruhezeiten, Fahrdauer, Geschwindigkeiten und Routenwahl bezieht das Ortungssystem vom GPS-Satellitennetz und sendet es dann an das anbieterabhängige Ortungsportal. Dort können die Daten dann abgerufen und weiter verarbeitet werden.

Der 56-jährige Kriminalhauptkommissar erläuterte dem Vorsitzenden Richter Dr. Marc Brüning ziemlich genau, wo sich das Auto des Beschuldigten vor und nach der Tat befand. Zum ersten Mal, so der Fachmann, sei der Wagen am Montag, 26. Oktober 2015, an der Lipplinger Straße aufgetaucht, ebenso drei Tage später und einen Tag vor dem Überfall. Die Ermittler nehmen an, dass die Täter den Bauernhof der Brüder ausgespäht haben. Die Fahrt-Routen an diesen Tagen ergaben Übereinstimmungen von Wohnsitzen des Arthur T. und Robert D., sowie von der von T. angemieteten Scheune in Gütersloh am Nottebrocksweg bis zur Tatortnähe und wieder zurück. Das sind erdrückende Indizien, doch ob Arthur T. wirklich der Fahrer war, muss noch bewiesen werden. Er selbst streitet das ab. Der Prozess wird am Donnerstag, 17. November, fortgesetzt.

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