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Sa., 17.12.2016

Rat zieht am Donnerstag die Reißleine: Rietberg bekommt kein Planetarium Groß beworben, still beerdigt

Das Rietberger Planetarium, das im Gartenschaupark Platz finden sollte, existierte nur als Modell. Architekt Aljoscha Hölscher, Reinhard Wiechoczek (Vorsitzender der Planetariumsgesellschaft OWL), Architekt Thomas Spooren und Wolfgang Breitsprecher (Geschäftsführer des Vereins Zirkel, von links) stellten das Projekt schon im Jahr 2013 den Kommunalpolitikern vor.

Das Rietberger Planetarium, das im Gartenschaupark Platz finden sollte, existierte nur als Modell. Architekt Aljoscha Hölscher, Reinhard Wiechoczek (Vorsitzender der Planetariumsgesellschaft OWL), Architekt Thomas Spooren und Wolfgang Breitsprecher (Geschäftsführer des Vereins Zirkel, von links) stellten das Projekt schon im Jahr 2013 den Kommunalpolitikern vor. Foto: Petra Blöß

Von Petra Blöß und Stefan Lind

Rietberg (WB). In großem Stil war das Projekt im Oktober 2013 erstmals präsentiert worden, die Beerdigung geschah jetzt sang- und klanglos innerhalb von fünf Minuten. Aus dem geplanten Planetarium im Rietberger Gartenschaupark wird nichts. Der Rat der Stadt hat am Donnerstagabend die Reißleine gezogen.

Der Gütersloher Verein Zirkel, die Planetariumsgesellschaft OWL, die Stadt Rietberg und der Gartenschaupark waren als Partnerquartett angetreten, um das ehrgeizige Vorhaben zu realisieren. Fünf Millionen Euro mussten für die Investition zusammengetragen werden, weitgehend über Spenden, Fördergelder und Eigenmittel, die Stadt wollte das Grundstück bereitstellen. Bis Ende 2016 sollte das Geld eingesammelt sein. Deshalb wurde man im Rathaus schon hellhörig, als der Verein Zirkel um eine Fristverlängerung bis Ende 2017 bat.

Kämmerer Dieter Nowak forderte daraufhin eine Übersicht an, was denn bislang schon auf dem Konto sei. Das Ergebnis liest sich niederschmetternd. Auf einem Din-A4-Blatt bekam die Stadt da eine Liste von Spendern präsentiert, die mal 25, mal 100 oder sogar mal 500 Euro gegeben haben; zusammen 3127,94 Euro. »In Aussicht gestellte Spenden« sind ebenfalls vermerkt, ebenso Perspektiven für mögliche Unterstützungen«, was auch immer das heißen mag. Zusammen mit »in Aussicht stehenden Fördergeldern« von angeblich 1,8 Millionen Euro stehen am Ende 2,1 Millionen Euro auf dem Zettel. Nowak formuliert diplomatisch, es fehle derzeit »an einer erkennbaren Realisierungschance« für das Planetarium.

Bisher nur 3127,94 Euro an Spenden gesammelt

Die Kommunalpolitiker wurden da schon deutlicher: »Ich bin sehr enttäuscht, wir sollten das Projekt beerdigen«, formulierte es Heinz Isenbort (CDU) unter zustimmendem Gemurmel aus allen Fraktionen. Da nutzte es auch nichts, dass Bürgermeister Andreas Sunder ein frisch im Rathaus eingegangenes Schreiben des Vereins Zirkel zitierte, es gebe jetzt einen neuen Verantwortlichen für die Projektrealisierung und man sei sich sicher, das Geld in einem Jahr zusammen zu haben. »Ach was« aus den Reihen der Politik war noch ein harmloser Zuruf als Reaktion auf diese Nachricht.

Die Beteiligten müssen sich vorwerfen lassen, zu früh zu selbstbewusst aufgetreten zu sein. »Planetariumsgesellschaft OWL auf Erfolgskurs«, so titelte der gleichnamige Verein schon vor zwei Jahren auf seiner (mittlerweile neu gestalteten) Homepage. Projektleiter Peter Weinreich machte sich mit einer umfangreichen Präsentation auf, um breit gestreut für das Planetarium zu werben. Die eine oder andere Zusage habe er schon, auch Sachspenden seien ihm zugesichert worden, erklärte er vor einem Jahr im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Das Gesamtkonzept sah »weit mehr als eine Sternenshow« vor. Man plane eine Betreibergesellschaft, angelegt als normale GmbH mit Marketing und Eventmanagement. Im »Infotainment Dome« könnten von Hochzeiten über Geburtstagsdinner bis Unternehmertreffs Veranstaltungen stattfinden. Schulische Bildung und Inklusion wie die Wahrnehmbarkeit des Sternenhimmels für Blinde sollten nicht vernachlässigt werden. Und auch für das Restaurant »Cassiopeia« gab es fundierte Überlegungen, die wie der gesamte Betrieb stark auf Inklusion setzten. Übrig geblieben ist davon: nichts. Deshalb war sich der Rat auch einig. Einstimmig (bei fünf Enthaltungen von Seiten der SPD) gab er dem Projekt die endgültige Abfuhr.

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