Sa., 08.12.2018

Rietbergs Kommunalpolitiker sind gegen generelles Verbot bei Großveranstaltungen Ponyreiten weiterhin erlaubt

Immer im Kreis herum: Entspricht das dem Tierschutz? Ponykarussells sorgen für anhaltende Diskussionen.

Immer im Kreis herum: Entspricht das dem Tierschutz? Ponykarussells sorgen für anhaltende Diskussionen. Foto: imago

Von Stefan Lind

Rietberg (WB). Ist die Stadt Rietberg ein »Nachzügler in Sachen Tierschutz«? Diesen Eindruck hat zumindest eine besorgte Bürgerin, die mit Hilfe eines Antrages erreichen wollte, dass bei Großveranstaltungen keine städtischen Flächen mehr an Schausteller vermietet werden, die sogenannte Ponykarussells betreiben. Damit scheiterte sie allerdings am Donnerstag an der Mehrheit des Haupt- und Finanzausschusses.

Die Antragstellerin findet: »Ponykarussells sind aus pädagogischer Sicht untragbar, vermitteln sie Kindern doch, dass ein fühlendes, wehrloses Tier als Konsum- und Gebrauchsgegenstand benutzt werden darf.« Wer entsprechendes Fachwissen besitze, der wisse genau, dass gesunde Tiere nicht freiwillig inmitten von Lärm und Menschenmengen teilnahmslos stundenlang im Kreis trotten wollten. Dies habe sie beispielsweise 2017 beim Jakobimarkt in Mastholte erleben müssen. Das sei ein »stumpfsinniger Missbrauch von Pferden«. Wie man es besser mache, sei beim Karneval in Rietberg zu beobachten. Dort seien Verträge mit einem Schausteller ausgelaufen und nicht mehr verlängert worden.

Auch der Verein »Achtung für Tiere« engagierte sich im Vorfeld der Sitzung. Mitglieder demonstrierten am Dienstag und Mittwoch als Ponys verkleidet an der Rietberger Rathausstraße »gegen Kinderverdummung und Tierquälerei«. Im Ausschuss selbst blieb das Publikumsinteresse allerdings gering; vielleicht auch, weil der Punkt erst am Ende einer ausführlichen Tagesordnung auftauchte.

Rat entscheidet endgültig am Donnerstag

Die Mehrheit des Fachgremiums folgte aber der Einschätzung von Bürgermeister Andreas Sunder, der in der Verwaltungsvorlage zur Ausschusssitzung auf eine Stellungnahme des Veterinäramtes des Kreises Gütersloh verweist: »Daraus ergibt sich, dass lediglich bei gravierenden Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gegen Ponyreitbetriebe vorgegangen werden kann.« Auf dem Jakobimarkt zum Beispiel habe es »bislang noch keinen konkreten oder nachprüfbaren Hinweis darauf gegeben, dass Tiere schlecht behandelt oder sogar gequält wurden.« Ein solches Verhalten ließe sich aufgrund der Durchführung des Ponyreitens in der Öffentlichkeit auch kaum verbergen, so Sunder weiter.

Er wies auf einen weiteren Aspekt hin: »Neben den tierschutzrechtlichen Belangen ist auch das verfassungsrechtlich geschützte Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zu berücksichtigen. Die Beachtung dieses grundgesetzlichen Zieles erfolgt ebenfalls durch Gesetze.« Eines aber sei grundsätzlich klar: Sollten sich in Zukunft negative Erkenntnisse in Sachen Ponyreiten ergeben, würde die Verwaltung in Abstimmung mit dem Veterinäramt hierauf »selbstverständlich umgehend« reagieren.

Sunders Vorschlag, auf ein generelles Verbot zu verzichten, fand schließlich eine Mehrheit. Zuvor hatten FWG und SPD als Alternative vorgeschlagen, zumindest bei Veranstaltungen, die von der Stadt organisiert werden, auf solche Ponykarussells zu verzichten, um ein Zeichen für den Tierschutz zu setzen. Dieser Antrag konnte sich nicht durchsetzen. Die letzte Entscheidung fällt allerdings der Rat am kommenden Donnerstag.

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