Mi., 13.02.2019

Nach Einbruch mit hohem Schaden: Betroffene unzufrieden mit den Ermittlungen Arbeitet die Polizei zu langsam?

Diese Tür ist aufgebrochen worden, wie ein Video beweist. Adiba Yilmaz zeigt die Einbruchspuren, die auch rechts zu sehen sind. Sie wirft den ermittelnden Beamten vor, nicht konsequent genug zu ermitteln. Das weist Polizeisprecherin Katharina Felsch zurück.

Diese Tür ist aufgebrochen worden, wie ein Video beweist. Adiba Yilmaz zeigt die Einbruchspuren, die auch rechts zu sehen sind. Sie wirft den ermittelnden Beamten vor, nicht konsequent genug zu ermitteln. Das weist Polizeisprecherin Katharina Felsch zurück. Foto: Stefan Lind

Von Stefan Lind

Rietberg-Neuenkirchen (WB). Der Mann, der die schwere Hintertür des »Onkel’s Marktes« in Neuenkirchen mit Hilfe eines Stemmeisens aufbricht, ist auf dem Überwachungsvideo gut zu erkennen. »Wir kennen ihn, das haben wir auch der Polizei gesagt«, berichtet Geschäftsführerin Adiba Yilmaz. »Aber es passiert nichts. Man will uns nicht helfen.« Diese Feststellung sei falsch, betont dagegen Katharina Felsch, Pressesprecherin der Kreispolizei, »die Ermittlungen sind in vollem Gange.«

Was ist genau passiert? Fest steht, dass drei Unbekannte in der Nacht zu Freitag, 1. Februar, in den Supermarkt ganz in der Nähe des Kartoffelkreisels in Neuenkirchen eingedrungen sind. In der Meldung, die die Polizei drei Tage später veröffentlicht, liest sich der Vorfall so: »Die Täter hebelten eine rückwärtige Tür zum Lager auf und entwendeten aus diesem eine große Menge Pfandkisten. Ebenso entwendeten sie aus dem Ladenlokal Lebensmittel.« Keine große Sache, möchte man meinen.

Geschäftsführerin Adiba Yilmaz macht im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT die tatsächliche Dimension des Einbruchs deutlich: »Uns ist ein Sachschaden von 20.000 Euro entstanden.« Die drei Männer hätten sich drei Stunden lang in dem Markt aufgehalten, das lasse sich anhand der Überwachungskameras rekonstruieren. Die Videos zeigen nicht nur, wie die Täter sich brutal Zutritt zu dem Ladenlokal verschaffen, sie dokumentieren auch, dass sie unter anderem eine Palette mit 3000 Kisten Pfandgut abtransportieren. Auch eine komplette Palette mit bereits verpackten Salatgurken verschwindet. Adiba Yilmaz geht davon aus, dass die Beute mit einem Lastwagen abtransportiert worden ist.

3000 Kisten Pfandgut sind weg

Ihr Lebensgefährte Yusuf Hanna staunt nicht schlecht, als er wenige Tage später in Gütersloh genau diese Gurken in einem anderen Lebensmittelgeschäft entdeckt. Er will sogar Beweise dafür haben, dass die Ware unter der Hand weiter verkauft worden ist: »Der Käufer ist angewiesen worden, er solle behaupten, die Gurken im Großmarkt gekauft zu haben.«

Das sei alles schon schlimm genug, findet die Geschäftsführerin, noch ärgerlicher ist aus ihrer Sicht, dass die Ermittlungen der Polizei nicht von der Stelle kommen. »Auf einem der Videos ist das Gesicht eines der drei Männer gut zu erkennen. Wir haben die Aufnahmen am nächsten Tag verschiedenen Kunden im Laden gezeigt, und alle haben uns einen bestimmten Namen genannt.« Der Mann sei in der Szene bekannt, ihm sei vor einiger Zeit bereits vorgeworfen worden, an einem Einbruch in Bielefeld beteiligt gewesen zu sein. Yilmaz: »Das haben wir alles den Polizeibeamten gesagt, aber es passiert nichts. Man könne mit den Aufnahmen nichts anfangen, hat man uns gesagt. Aber diese Einbrecher können doch nicht einfach unbehelligt bleiben und weiter machen.«

»Das Ermittlungsverfahren läuft«

Untätigkeit könne man den ermittelnden Beamten nun wirklich nicht vorwerfen, hält Polizeisprecherin Katharina Felsch dagegen: »Bei uns wird aktiv an diesem Fall gearbeitet.« Natürlich hätten alle Kollegen ein Interesse daran, solche Delikte aufzuklären, »aber bei laufenden Ermittlungen können wir die Betroffenen nicht über alles informieren.« Selbstverständlich sei es grundsätzlich möglich, eine Öffentlichkeitsfahndung mit einem Foto zu starten, »das entscheidet aber die Justiz. Und das dauert manchmal eine Weile.« Dieser Zeitverzug sei für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar. Zusammenfassend lasse sich feststellen: »Wir sind dran, ein Ermittlungsverfahren läuft. Die Geschädigten müssen einfach Vertrauen in unsere Arbeit haben.«

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