Fr., 01.03.2019

Zuschauermassen jubeln ihnen bei der Weiberfastnach in Rietberg zu – Mit Video Wenn die wilden Hühner gackern

Foto: Carsten Borgmeier

Von Petra Blöß undCarsten Borgmeier (Fotos)

Rietberg (WB). Von der Sonne geküsst und den Temperaturen verwöhnt: Was für ein Altweiberumzug unter den historischen Giebeln! Pünktlich haben sich die holden Närrinnen am Donnerstag um 15.11 Uhr auf den Weg in die engen Gassen gemacht, in denen wahre Menschenmengen auf sie warteten.

Die Besuchermassen am Straßenrand waren kaum zu schätzen. Es waren ungleich mehr als die Teilnehmer im bunten Festzug. Und allein dort machten etwa 1700 kostümierte Frauen diesen Donnerstag zu dem ihren und die Nacht zum Freitag gleich mit. Dichtes Gedränge auf den Straßen, ebensolches später in den riesigen Zelten und urigen Kneipen. Die jecke Hochburg Ostwestfalens machte ihrem Namen alle Ehre.

Einer der ersten, der sich der geballten Weiblichkeit ergab, war das Stadtoberhaupt. Bürgermeister Andreas Sunder ließ angesichts der stürmischen Damen der Grafschaftler Karnevalsgesellschaft flugs die weiße Fahne am altehrwürdigen Rathaus hissen und entging damit, anders als so einige seiner Geschlechtsgenossen, der Fahrt im geschlossenen Narrenkäfig.

Altweiberpräsidentin Birgit Boldt hatte ihm auch nicht wirklich eine Wahl gelassen. In ihrer markigen und wortgewaltigen Rede auf dem sonnenüberfluteten Ehrenpodest vor dem Rietberger Rathaus zog sie der Männerwelt im Versmaß gehörig die Löffel lang. »Oh mir tun die Augen weh, wenn ich die vielen Kerle hier seh. Heute ist Weiberfastnacht und unsere Sause, habt ihr nach der Herrensitzung schon wieder Pause? Ob die Presse berichtet oder auch nicht, selbst ‘ne Herrensitzung ohne Frauen, die schafft ihr nicht.« Großes Gelächter.

Auch in Sachen Stadtrat und Verwaltung ging es kurz in Reimform rund: »Die große und kleine Politik, so langsam haben wir die Faxen dick. Warum sollten wir denn wählen, wenn alleine Fakten zählen? Das Parteibuch, das regiert, der Menschenverstand nicht mehr interessiert«. Und dann nochmal im Detail: »Caritas, Vita und jetzt auch Tenge bauen Seniorenkasernen, jede Menge. Doch wer denkt an die jungen Leute, die hier leben wollen, jetzt und heute.« Was die Chefin der organisierten Närrinnenschar am Schluss ihrer Schmährede versprach, das setzten die Zugteilnehmerinnen wahrlich um: »Wir zeigen im Umzug unsere ganze Pracht.«

Nach dem Weiberumzug ist in Rietberg vor den nächsten Umzügen. Sonntag geht es ab 15 Uhr weiter mit dem Rathaussturm der Narrenschar samt Runde durch die Altstadt. Und »Sturm« war mit Blick auf Rosenmontag auch schon ein Thema. Einen solchen kündigen die Meteorologen für den Höhepunkt an, doch in Rietberg ist man »sturmerpobt« bis hin zur Orkanstärke. Wer also die Jecken bei ihrem Marsch sehen will: Der Nachwuchs geht ab 10.11 Uhr im Kinderzug, die Großen ab 14.11 Uhr.

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