Mo., 25.03.2019

Crossover-Festival in der Cultura: Nikolai Tokarev lockt 300 Fans an Titan der Tasten löst Jubelstürme aus

Titan der Tasten: Nikolai Tokarev begeistert bei seinem Auftritt am ersten Tag des Festivals. Der Weltklasse-Pianist präsentiert auch den Klassiker »Bilder einer Ausstellung«.

Titan der Tasten: Nikolai Tokarev begeistert bei seinem Auftritt am ersten Tag des Festivals. Der Weltklasse-Pianist präsentiert auch den Klassiker »Bilder einer Ausstellung«. Foto: Uwe Caspar

Von Uwe Caspar

Rietberg (WB). Chopin, Rachmaninov, Tschaikowsky: Nach jedem Stück, das Nikolai Tokarev geradezu zelebriert, brausen Jubelstürme in der Cultura auf. »Für mich ist er der beste Pianist unter der Sonne«, schwärmt Organisator und Moderator Ralf »Ted« Herold vom Titan der Tasten.

Knapp 300 Freunde der Klassik sind am Freitagabend zur Eröffnung der dreitägigen Premiere des Tokarev-Festivals erschienen. »Für einen Start ist das nicht schlecht«, freut sich Event-Schirmherr Andre Kuper über die ansehnliche Kulisse. Mit dem Landtagspräsidenten hat Ralf Herold einen starken Verbündeten an seiner Seite. Bei seiner Begrüßungsrede lobt der hohe Politiker den Veranstaltungschef für »deinen Mut, so ein Festival auszurichten«. Herolds prominenter Freund Tokarev lässt seine flinken Finger über einen Steinway-Flügel D-274 huschen. Das edle Instrument, ausgeliehen von einem Musikhaus, kostet rund 200.000 Euro. Der Klang ist so fulminant, dass verstärkende Lautsprecher nicht benötigt werden. Eine Weltklasse-Aufführung unplugged!

Akustisches Kontrastprogramm am Samstag: Dröhnende Gitarren dominieren auf der Bühne und im Foyer, es ist schließlich ein Crossover-Musikfest. Angesichts der schwachen Publikumsresonanz ist Ralf Herolds gute Laune etwas getrübt. Am Nachmittag, kurz vor Beginn, sagt auch noch der Kaffee-Caterer ab. Wegen der geringen Voranmeldungen hat sich der Händler kurzfristig für einen lu­krativeren Standort entschieden.

Dröhnende Gitarren am Samstag

Zunächst nur rund 50 Fans lauschen der Jazz-Fusionsband IOT.GE, die den zweiten Tag eröffnet. Den in Rietberg aufgewachsenen Julian Göke stört es nicht, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen. »Wegen der Vorhänge vor den Rängen sieht man die Leute sowieso nicht«, sagt der Bandgründer, Sänger und an der Musikhochschule Hannover studierende Posaunist. Immerhin um die 100 Besucher sind es, als es die Rietberger Lokalmatadoren »Brausepöter« krachen lassen. »Das geht doch. Ich hatte mit noch weniger Leuten gerechnet«, erklärt Martin Lück, der Chef des Trios. Nikolai Tokarev, in seinem lässigen Freizeit-Outfit kaum wiederzuerkennen, bedankt sich anschließend persönlich bei Lück. Der wiederum ließ sich tags zuvor Tokarevs glanzvolle Gala nicht entgehen. »Toll, was der so draufhat. Aber lange halte ich ein klassisches Klavierkonzert nicht aus, denn ich bin ja Rocker«, räumt Lück schmunzelnd ein.

Die mäßige Kulisse am Samstag führt Ralf Herold unter anderem auf fehlende Unterstützung zurück. Er wolle sich zu einem späteren Zeitpunkt dazu konkret äußern. Der Organisator kündigt für das nächste Jahr konzeptionelle Veränderungen an: »Vielleicht weniger Bands«. Sein großer Traum: ein Festival über die ganze Woche. Und auch Bürgermeister Andreas Sunder hofft, »dass sich dieses Format bewähren wird«. Aller Anfang ist eben schwer.

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