So., 14.07.2019

Wolfgang Niedecken und seine Band BAP haben’s immer noch drauf Für die Besucher ist »alles im Lot«

Keine Frage, auch mit 68 kann er es noch: Wolfgang Niedecken (rechts) und seine kölschen BAP-Jungs haben nichts verlernt und auch nichts von ihrem Charisma eingebüßt.

Keine Frage, auch mit 68 kann er es noch: Wolfgang Niedecken (rechts) und seine kölschen BAP-Jungs haben nichts verlernt und auch nichts von ihrem Charisma eingebüßt. Foto: Petra Blöß

Von Petra Blöß

Rietberg (WB). Ja, es ist »verdamp lang her«, dass man auf jugendlichen Füßen flotten Schrittes zu solchen Songs »affjerockt« hat. Tatsächlich: Es sind fast vier Jahrzehnte. Unglaublich, nur »aff und zo« in der jüngeren Zeit flogen einzelne Gedanken an jene Musik, mit der »dä Bapp« Wolfgang Niedecken in den 80ern für so viel Furore sorgte. In Westfalen war es ruhig geworden um den charismatischen Rheinländer. Bis zu diesem Wochenende, denn BAP, die kölschen Exportschlager, gastieren zweimal in der Rietberger Cultura.

Die ist, natürlich, ausverkauft, an beiden Abenden. Dass man »zosamme alt« geworden ist, unübersehbar. Denn die Generation der aufmüpfigen, protestfreudigen einstigen Jugendlichen ist mit Niedecken gereift und bevorzugt , im Rund zu sehen. Was aber keineswegs heißt, es ginge ruhig zu. Denn kaum betreten Band und Frontmann die Bühne, geht die Post ab, Fan-Fahnen und Schals werden geschwenkt.

Und dass tatsächlich das Publikum aus vielen besteht, die in den 80ern als Minderjährige dem von Erwachsenen misstrauisch beäugten musikalischen Gesellschaftskritiker an den Lippen gehangen haben, wird beim zweiten Song klar. »Ich jonn su unwahrscheinlich jähn met dir en der Waschsalon, weil, do häss Ahnung vun dä Technik, vun der ich nix verston«, schmettert der im Alter optisch ein wenig an Cat­weazle gemahnende Niedecken, und lautstark kommt zurück »wisch, wasch« – wie damals. Auf den Konzerten in den ganz großen rheinischen Spielstätten. Dabei, den Inhalten so mancher BAP-Songs kommt die dagegen nahezu intime Atmosphäre der Cultura durchaus entgegen. Nicht ganz, aber fast: BAP zum Anfassen.

Kein Fotograben, kein Abstand zwischen Bühne und Künstlern, vorne auf den Brettern liegen Handtaschen, festivalartig geht es zu. Von der gesamten Truppe, samt ihrer Techniker, gibt es mächtig auf die Augen – die Lichtshow ist exzellent und funktioniert auch in der »Runddose«, und die Tontechnik verschafft einen absoluten Hörgenuss. Dass ein Niedecken, dessen »Kristallnaach« ebenso wie sein »Arsch huh – Zäng ussenander« Pflichtlektüre im Deutsch- und Musikunterricht der heutigen Zeit sein sollten, auch mit 68 Jahren nicht viel an seinem Elan eingebüßt hat, wird im Kreis der knapp 800 im ausverkauften Rund deutlich.

Mit Verlaub, der alte Mann ist immer noch eine »Frontsau«, im positivsten Sinne. Ergänzt um eine Band, die mit Spiellaune und Können wahrlich zu glänzen weiß, sind knapp drei Stunden wie im Flug vorbei. Und für Fans und Musiker ist am Ende tatsächlich »alles im Lot«.

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