Sa., 14.09.2019

Jugendwerk besteht seit 50 Jahren – Einrichtung ist in ganz Deutschland bekannt Das Kinderheim ist längst Vergangenheit

Das Leitungsteam des Jugendwerks Rietberg im Jubiläumsjahr (von links): Ingrid Landwehrjohann, Tobias Heimann, Adolf Salmen und Simone Burwinkel. Vor 50 Jahren kam der Anstoß zur Gründung von Karl-Heinz Koch.

Das Leitungsteam des Jugendwerks Rietberg im Jubiläumsjahr (von links): Ingrid Landwehrjohann, Tobias Heimann, Adolf Salmen und Simone Burwinkel. Vor 50 Jahren kam der Anstoß zur Gründung von Karl-Heinz Koch. Foto: Stefan Lind

Von Petra Blöß und Stefan Lind

Rietberg (WB). Father Edward Flanagan, Geistlicher und Pädagoge aus den USA, gab den Grundton vor. Er wollte junge Menschen, die in Schwierigkeiten steckten, nicht einfach in Heimen wegsperren lassen. Individuelle Erziehung mit einem hohen Maß an eigener Beteiligung sollte den Betroffenen zukommen.

Karl-Heinz Koch, Gründer des Rietberger Jugendwerkes, war davon zutiefst beeindruckt. Genau das war sein Leitmotiv, als er im September des Jahres 1969 die Jugendhilfeeinrichtung im ehemaligen Franziskanerkloster eröffnete.

Vom einstigen Kinderheim, in dem zunächst 60 Jungen und junge Männer betreut wurden, zur weithin anerkannten und gefragten heilpädagogisch-therapeutischen Einrichtung war es ein langer Weg. Aber ein erfolgreicher. Wenn jetzt das 50-jährige Bestehen begangen wird, dann kann Karl-Heinz Koch, der unermüdliche Kämpfer für die Seelen der Jungen und Mädchen, nicht mehr dabei sein. Er starb im Jahr 2013, konnte aber das 40-jährige Bestehen noch mitgestalten und verfasste seinerzeit ein Buch unter dem Titel »Kinder des Schattens«, das beeindruckende Einblicke in die damalige Arbeit und die Einzelschicksale liefert.

Karl-Heinz Koch war der Gründer

Jetzt, zum 50-jährigen, hat das Jugendwerk eine neue Image- und Informationsbroschüre herausgegeben, die dokumentiert, wie erfolgreiche individuelle pädagogische Arbeit in heutigen Zeiten aussieht. Im modernen Design, auch mal mit auf dem Kopf stehenden Thesen, gibt das Papier einen Überblick darüber, wie sich das mittlerweile unter Trägerschaft des Vereins für Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn gemeinnützige GmbH stehende Haus sieht.

Wer die Seiten durchblättert, entdeckt die Vielfalt der Aufgaben in der Begleitung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Waren einst alle im historischen Gebäude an der Ems untergebracht, so steht heute die Betreuung in Kleingruppen mit Außenwohnbereichen im Fokus. 101 Bewohner sind in stationären Gruppen untergebracht, 27 nutzen teilstationäre Angebote. Und natürlich gibt es einen großen ambulanten Bereich. Insgesamt 170 Mitarbeiter beschäftigt das Jugendwerk.

Einrichtungsleiter Adolf Salmen hat eine selbstbewusste These aufgestellt: »Egal, wie schlimm es ist, wir wissen weiter.« Denn »wir stellen uns den Problemen und suchen Lösungen.« Die intensive Pädagogik, die im Jugendwerk betrieben werde, gebe es leider zu wenig in Deutschland. Der gute Ruf des Hauses hat sich längst weit herumgesprochen. 70 von insgesamt 189 Jugendämtern, die bundesweit existieren, hätten 2018 nach Plätzen angefragt.

Es sind oft die besonders schwierigen Fälle, die in Rietberg betreut werden müssen. Sexueller Missbrauch ist dabei viel zu oft der Auslöser für extreme Traumatisierungen. Salmen: »Alle reden über Lügde und darüber, dass den Kinder eine Therapie helfen wird. Aber es geht hier um Menschen, die ein Leben lang mit diesen schlimmen Erfahrungen zu tun haben werden. Das ist nicht heilbar.«

Beim Jugendwerk blickt man zuversichtlich in die Zukunft. »Wir sind in Rietberg über all die Jahre immer gut von der Bevölkerung mitgetragen worden«, betont Salmen. Demnächst stehen erhebliche Investitionen an. Angepeilt ist eine groß angelegte Sanierung, denn die hat das alte Haus nicht nur mit Blick auf Brandschutzvorschriften nötig. Die so genannte Schulstation wurde bereits renoviert und ist in andere Räume innerhalb der Anlage verlagert worden.

Zirkusgala zum Jubiläum

Anlässlich des runden Geburtstages gibt es an diesem Samstag, 14. September, eine große Jubiläumsgala mit den Ergebnissen eines Projektes, das die Kinder und Jugendlichen mit dem Zirkus »Zapp Zarapp« vorbereitet haben. Beginn der Vorführung für geladene Gäste ist um 11 Uhr, gegen 14 Uhr schließen sich eine weitere Aufführung und ein Sommerfest für alle interessierten Besucher an. Vom 22. September bis zum 12. Oktober ist zudem die Ausstellung »Echt krass« im Jugendwerk zu sehen. Sie macht sexuelle Grenzverletzungen bei Mädchen und Jungen zum Thema und erklärt, warum Prävention so wichtig ist. Der Eintritt ist frei.

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