Do., 20.02.2020

Neuer Bauernpräsident stellt sich beim Kreisverbandstag den Landwirten vor Brok verliert Wette gegen Beringmeier

Sorgen sich um die Landwirtschaft: Andreas Westermeyer (von links) mit Hubertus Beringmeier, Verena Paul-Hambrink, Cornelia Langreck und Heiner Kollmeyer.

Sorgen sich um die Landwirtschaft: Andreas Westermeyer (von links) mit Hubertus Beringmeier, Verena Paul-Hambrink, Cornelia Langreck und Heiner Kollmeyer. Foto: Uwe Caspar

Von Uwe Caspar

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück (WB). Auch Elmar Brok gehörte zu den Zweiflern, die Hubertus Beringmeier dessen Wahl zum neuen Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) kaum zugetraut hatten.

„Warum trittst du überhaupt an? Du schafft es doch eh nicht, ließ er mich vorher wissen“, berichtet der frisch gebackene WLV-Chef beim Verbandstag der Landwirte des Kreises Gütersloh mit einem Schmunzeln.

Im Rheda-Wiedenbrücker A2-Forum ist es Beringmeiers erster offizieller Auftritt nach seinem Wahltriumph tags zuvor in Münster. Zu den Gästen zählt auch der ehemalige EU-Parlamentarier Brok. Er hat die zuvor abgeschlossene Wette mit dem frisch gekürten Bauernpräsidenten verloren: Hubertus Beringmeier darf sich nun auf ein 50-Liter-Fass Bier freuen. „Das schaffen wir beide nicht alleine, ich werde zum gegebenen Zeitpunkt noch ein paar Leute dazu holen“, kündigt der 58-Jährige Wettgewinner lächelnd an.

„Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben“

Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte Kreisvorsitzender Andreas Westermeyer im Vorfeld auch Beringmeiers zwei Gegenkandidaten formell eingeladen. „So konnte ich nichts falsch machen“, merkt der Verler grienend an. Ernster wird Westermeyer bei seiner Begrüßungsrede, in der er auf die bekannten Probleme der Landwirtschaft wie Umweltschutz, Tierwohl, Düngeverordnung, zu niedrige Preise oder Agrarwende eingeht.

„Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben. Man kann nicht mehr von Veränderungen sprechen, das ist schon ein kompletter Umbruch“, meint der besorgte Kreisvorsitzende. Er findet es bedrohlich, dass der Bundesbürger heute nur noch zehn Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgibt – vor 30 Jahren war das mehr als die Hälfte. „Die jungen Leute haben Lust auf Landwirtschaft, doch die muss sich für sie auch finanziell lohnen“, betont Andreas Wester­meyer.

Auch Hubertus Beringmeier spricht von “stürmischen Zeiten und stimmt seinem Vorredner in vielen Punkten zu. Umso wichtiger sei es, dass die Landwirtschaft geschlossen mit einer Stimme spreche und warnt: „Andernfalls zerfallen, zerfleddern wir nur.“ Gesetzliche Auflagen, Gerichtsurteile und ein oft schlechtes Image in den Medien würde die Situation verschärfen und für Existenzängste sorgen. Beringmeier fordert neben „akzeptablen Lösungen“ einen Gesellschaftsvertrag und Planungssicherheit.

Zehn Bürgermeister beim Speed-Dating

Nach seiner Grundsatzrede („So eine Rede hält eigentlich nur Frau Merkel“) wird Tempo gemacht: Dem erstmaligen Speed-Dating zu vielfältigen landwirtschaftlichen Themen stellen sich zehn Bürgermeister aus dem Kreisgebiet. Ihre Redezeit ist jeweils auf vier Minuten begrenzt, sie halten sich auch daran. Es geht dabei unter anderem um Flächenverbrauch, Bebauungspläne, Naturschutz sowie Straßen- und Wegekonzepte. Alle anwesenden Politiker sind sich einig: „Ohne Landwirtschaft wären unsere Gemeinden ärmer.“

Einer von ihnen ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und steht deshalb der Landwirtschaft besonders nahe: Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister. „Ich habe in meinem Leben so manches Schwein geschlachtet“, erzählt Theo Mettenborg. Der ländliche Außenbereich würde in seiner Kommune eine „große Rolle“ spielen. Zu dem im Raum stehenden Ausbau der B 61 auf vier Spuren hält er sich bedeckt. Nur soviel: „Wir würden uns einem Votum von Gütersloh und Bielefeld anschließen.“

Sein Gütersloher Kollege Henning Schulz würde sich in seiner Stadt mehr Fläche für gewerbliche Betriebe wünschen. „Wir haben einen großen Nachholbedarf, weil es der Stadt in vielen Jahren nicht gelungen ist, konsequent gewerbliche Bauflächen zu entwickeln. So mussten wir viele Anträge ablehnen. Wenn alle Betriebe, die nach Verl abgewandert sind, wieder in meiner Stadt wären, ginge es uns ganz gut“, glaubt Güterslohs Bürgermeister.

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