Rietberg
„Niemand soll sich allein fühlen“

Rietberg-Druffel (sud) - In Zeiten der Krise rücken die Menschen näher zusammen - zumindest im übertragenen Sinn. Man hilft sich, ist füreinander da. Dass dies auch unter verschärften Bedingungen funktioniert, beweisen im Rietberger Stadtgebiet mehrere Bürgerinitiativen.

Montag, 23.03.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 19:16 Uhr
Rietberg: „Niemand soll sich allein fühlen“

Der Westerwieher Ortsvorsteher Detlev Hanemann koordiniert in seinem Dorf bereits seit Mitte vergangener Woche Hilfsmaßnahmen für Menschen, die von der Coronakrise besonders betroffen sind (wir berichteten). Auch in Rietbergs kleinstem Stadtteil Druffel geht nun ein ähnliches Projekt an den Start. Den Anstoß gab mit Thomas Kofort auch dort der Ortsvorsteher.

„Niemand soll sich allein oder hilflos fühlen“, gibt Kofort die Marschrichtung für den kommenden Tage und Wochen vor. „Auch wenn wir uns persönlich nur noch mit einem Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern begegnen können, wollen wir uns im Alltag überall dort unterstützen, wo es erforderlich ist.“

Für die Hilfsaktion „Wir für Druffel“ ziehen gleich drei Vereine aus dem Dorf an einem Strang. Außer der Schützenbruderschaft St. Johannes sind dies die Sportgemeinschaft Druffel und der Verein Bürgerhaus Druffel. „Aus allen drei Verbänden haben sich Freiwillige bereiterklärt, für Menschen in Notsituationen da zu sein“, erläutert Kofort das Konzept. Egal, ob es sich um die Abholung dringend benötigter Medikamente aus der Apotheke handelt, um Besorgungen vom Supermarkt oder andere Hilfsdienste – „wir haben für alle Sorgen und Nöte unserer Bürger ein offenes Ohr“, unterstreicht der Ortsvorsteher.

Thomas Kofort betont, dass sämtliche Einsätze der ehrenamtlichen Mitstreiter „unter strikter Beachtung der gesetzlich vorgeschriebenen Hygiene- und Schutzvorschriften“ erfolgen. Denn eines wolle man keinesfalls: Unwissentlich für eine weitere Verbreitung des gefährlichen Virus’ verantwortlich sein.

Vor einiger Zeit gab es die Aktion „Jung für Alt – Alt für Jung“. An diesen Erfolg wolle man nun mit einem auf die aktuelle Situation abgestimmten Konzept anknüpfen, sagt Kofort. Der Slogan „Wir für Druffel“ stamme von Peter Kuhlmann, seines Zeichens Vorstandsmitglied des örtlichen Sportvereins. Bürger aus Druffel, die Hilfe benötigen, können sich vertrauensvoll an Thomas Kofort wenden. Unter Telefon 05244/10618 nimmt er Anfragen entgegen. Im Anschluss stimmt er die jeweiligen Maßnahmen mit den Kooperationspartnern der drei Vereine ab.

Gut angelaufen ist nach Worten des Westerwieher Ortsvorstehers Detlev Hanemann die von ihm initiierte Hilfsaktion im Kükendorf. Viele Bürger, die als freiwillige Helfer anderen Menschen unter die Arme greifen wollen, hätten sich gemeldet. „Das ist einfach großartig“, freut sich Hanemann. „Ein Westerwieher hat mir spontan 2000 Euro für die Unterstützung Bedürftiger angeboten.“

Was nun allerdings noch fehlt, sind Menschen, die das Hilfsangebot in Anspruch nehmen können. Detlev Hanemann warnt in diesem Zusammenhang vor falscher Zurückhaltung. „Jeder kann sich ohne Scham und Scheu bei mir melden“, sagt der Ortsvorsteher. „Und ich gebe mein Wort, dass wir alle Unterstützungsgesuche streng vertraulich behandeln werden.“ Niemand müsse die Sorge haben, dass sein Name gegenüber Dritten kommuniziert werde. „Jeder, der Unterstützung braucht, soll sich angesprochen fühlen“, bekräftigt Hanemann. „Das gilt insbesondere auch für Kunden der Tafeln, die zurzeit keine Möglichkeit haben, an Lebensmittel zu kommen.“ Aber auch für Menschen, die sich isoliert oder alleingelassen fühlen, sei man jederzeit da.

Hanemann ist unter Telefon 0172/2377122 und E-Mail d.hanemann@t-online.de erreichbar.

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