Rietberg
Lieferservice hilft Risikogruppen

Rietberg (dali) - Aus der derzeitigen wirtschaftlichen Not aufgrund der Coronakrise haben Fahrlehrer Bertwald Adrian und Reiseveranstalterin Anja Rodenbeck eine Tugend gemacht. Gemeinsam mit dem E-Center haben beide Unternehmer einen Lebensmittel-Lieferservice für Rietberger Bürger ins Leben gerufen.

Dienstag, 31.03.2020, 18:47 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 08:31 Uhr
Rietberg: Lieferservice hilft Risikogruppen

Zielgruppe sind Menschen, die älter als 65 Jahre sind oder durch eine Vorerkrankung zur Risikogruppe gehören. Bestellungen sind ab heute möglich. „Unsere Branche ruht derzeit“, sagt Anja Rodenbeck, die mit ihrem Busunternehmen „Club Touring“ unter anderem Tagesfahrten anbietet. Um nicht tatenlos zuhause zu sitzen, habe sie sich überlegt, ob man nicht diejenigen Menschen versorgen kann, die in diesen Tagen aus gesundheitlichen Gründen möglichst nur noch selten vor die Tür gehen sollten. Zeitgleich kontaktierte Fahrlehrer Bertwald Adrian das E-Center in Rietberg mit der gleichen Idee. „Man muss jetzt ja auch etwas zu tun haben“, erklärt der 61-Jährige seine Beweggründe.

Rund 700 Artikel können online geordert werden

Ohne zu zögern war die Lüning-Gruppe, die unter anderem das E-Center in Rietberg betreibt, mit im Boot. „Wir haben schon erste Erfahrungen in unserem Markt in Schloß Holte mit einem Busunternehmen gesammelt“, berichtet Geschäftsführer Philipp Rieländer. Dort kann die Ware telefonisch bestellt werden. In Rietberg soll es noch ein Stück professioneller sein: Ab heute können die Bürger der Emsstadt in einem Internetshop die wichtigsten Waren aus dem Sortiment des Lebensmittelmarkts bestellen. Von den rund 40 000 im Geschäft erhältlichen Artikeln können laut Rieländer rund 700 online geordert werden. Nur Tiefkühlprodukte sind nicht dabei.

Für die digitale Infrastruktur bauten Projektleiter Jannis Flaskamp und ein IT-Experte praktisch über Nacht eine Internetplattform auf. „Eigentlich hatte ich am Wochenende etwas anderes geplant“, gibt Flaskamp zu: „Wenn man dann aber sieht, was derzeit in Krankenhäusern und Arztpraxen geleistet wird, dann ist es eine Selbstverständlichkeit, jetzt Überstunden zu machen.“

Die Onlinebestellungen laufen zunächst beim E-Center ein, das diese an Anja Rodenbeck und Bertwald Adrian weiterleitet. Nach dem Einkauf liefern beide die Ware direkt nach Hause. „Ich kann mir vorstellen, dass ich sehr viele Anrufer persönlich kenne und mit ihnen an der Haustür ins Gespräch komme “, erklärt Adrian. Er versteht seine Hilfe nicht nur als Dienstleistung, sondern auch als seelische Therapie. Privat kümmere er sich um eine 88-jährige Frau. „Für sie ist es immer der Höhepunkt der Woche gewesen, wenn wir freitags einkaufen gefahren sind.“

Anrufer bezahlen direkt beim Fahrer

Der Lieferservice ist für Personen gedacht, die älter als 65 Jahre sind oder eine Vorerkrankung haben, die sie während der Corona-Pandemie zu Risikopatienten macht. Die Helfer kaufen die georderte Ware im E-Center ein und legen das Geld aus. Geliefert wird am Folgetag, wenn die Bestellung bis 17 Uhr erfolgt. Die Anrufer bezahlen direkt beim Fahrer, es wird keine Liefergebühr erhoben. Der Mindestbestellwert beträgt 25 Euro. Aufträge werden ab dem heutigen Mittwoch auf der Internetseite www.elli-markt.de oder montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 05244/705150 angenommen. Dort können sich auch Unterstützer für die Einkäufe melden.

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