Rietberg
Gestrandet in einem Hostel am Pazifik

Rietberg-Neuenkirchen (bv) - Ein Auslandssemester in Chile, danach eine dreimonatige Reise durch Südamerika und drei weitere Monate, um die südostasiatischen Inselstaaten zu erkunden: Für die Verwirklichung diese Reisepläne hat Daniel Köllner vorsorglich 16 Flüge gebucht. Dann kam Corona.

Sonntag, 19.04.2020, 14:08 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 09:46 Uhr
Rietberg: Gestrandet in einem Hostel am Pazifik

Nutzen konnte er nur einen der 16 Flüge, denn in Peru holte ihn die Corona-Pandemie ein. 

Als Köllner, der bereits 79 Länder bereist und zwei Studienabschlüsse in Geografie sowie Ostasienwissenschaften in der Tasche hat, im August 2019 nach La Serena in Chile kam, um mit einem Auslandssemester in Spanisch und Chinesisch ein Drittstudium zu beginnen, war von Corona noch keine Rede. Trotzdem lief schon da nicht alles nach Plan. Die Verhängung des Ausnahmezustands in Folge schwerer politischer Unruhen verkürzte die Studienzeit auf wenige Wochen. Köllner verzichtete auf seinen geplanten Flug nach Montevideo in Uruguay und erkundete den Kontinent stattdessen auf dem Landweg.

Da Taiwan die Verbreitung des Coronavirus’ relativ schnell eindämmen konnte, während die Schilderungen aus Europa immer dramatischer wurden, hielt Köllner an seinen Plänen fest. „Meine Einreise nach Peru Anfang März war nur deshalb möglich, weil ich lange genug nicht in Europa, dem neuen Epizentrum der Pandemie, war.“ Das kurz darauf verhängte Einreiseverbot in die USA, über die seine Flüge nach Asien gehen sollten, beschreibt Köllner als dramatischen Wendepunkt seiner Exkursion. Auch in Südamerika sei die Alarmbereitschaft zu diesem Zeitpunkt deutlich gestiegen.

Der Pazifik - so nah und dennoch unerreichbar

Als die peruanische Regierung Mitte März die absolute Ausgangssperre ausrief, hatte Köllner gerade in einem Hostel in Paracas eingecheckt. Es sollte die letzte Station seiner Unternehmung sein. Drei Wochen lang saß er in dem Küstenstädtchen am Pazifik fest und durfte die Herberge nur für Einkäufe im benachbarten Supermarkt verlassen. Da die Flüge in die Heimat unbezahlbar wurden, wandte er sich an die deutsche Botschaft. „Der Kontakt war allerdings kompliziert und nicht sonderlich ergiebig. Wirklich transparente Auskünfte gab es nicht“, sagt er.

Echte Herausforderung

Daniel Köllner
Kurz vor Ostern endlich konnte Köllner ausfliegen – nachdem er am Flughafen in Lima die Einwilligung in die noch nicht offengelegten Rückführungskosten unterschrieben hatte. Dass er den Transfer nach Lima, das 220 Kilometer nördlich von Paracas liegt, selbst organisieren musste, stellte eine echte Herausforderung dar.

Dramatische Berichte

Daniel Köllner: „Es gibt dramatische Berichte, dass Leute ihren Flug verpasst haben, weil das Militär die Papiere nicht anerkannt und die Ausreisewilligen verhaftet hat.“ Der Neuenkirchener hatte Glück, denn es gelang ihm, in Eigeninitiative auf einen französischen Bus „aufzuspringen“ und die zahlreichen Checkpoints ohne Komplikationen zu überwinden.

Nachdenkliches Deutschland

Nach neun Monaten in Südamerika nimmt der Weltenbummler ein nachdenkliches Deutschland wahr, aber noch keins, „das bereit ist für die Erkenntnis, dass wir erst am Anfang der Entwicklung stehen und trotzdem Lockerungen erwartet“. Nach seiner Landung in Frankfurt habe er immer noch viele Gruppen und kaum Menschen mit Atemmasken gesehen. In Peru sei das ganz anders.

Freiheitsliebend

„Wir alle lieben unsere Freiheit – ich besonders die Reisefreiheit. Wir haben es aber nicht selbst in der Hand, weil wir das Virus nicht kontrollieren können“, sagt Köllner, der sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst jedes Land dieser Erde zu bereisen. „Mein Leben war immer auf Internationalität ausgerichtet. Geografie und Ostasienwissenschaften finden nicht in den eigenen vier Wänden statt.“ Eigentlich wollte Daniel Köllner auf seiner Reise Ideen für ein Forschungsprojekt über den internationalen Handel aus vergleichender Perspektive der Europäischen Union mit Ostasien und Südamerika sammeln.

In Gedanken unterwegs

Gedanklich ist er noch immer unterwegs. „In dieser Woche wollte ich mit einem Freund ein paar Tage durch Kalifornien reisen.“ Auch die Nachrichten zu den noch ausstehenden Flüge („Haben Sie Geduld, wir bearbeiten das“) erschweren einen Schlussstrich. „Wahrscheinlich kann ich den erst Ende Juli – nach meinem eigentlichen Rückflug – ziehen“, befürchtet Köllner. Er sei zwar froh, wieder zu Hause zu sein, aber auch enttäuscht über das vorzeitige Ende und die letzten Wochen in Unfreiheit – zumal er auch die ersten 14 Tage in Neuenkirchen in Quarantäne verbringen muss. Einen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin: „Mein Sommerjob im August in Kroatien ist noch nicht abgesagt worden.“

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