Rietberg
„Niemand hat mit uns gesprochen“

Rietberg (ssn) - Die vom Rat beschlossene Verbannung der Altkleidercontainer von öffentlichen Flächen stößt den gemeinnützigen Betreibern der Boxen übel auf. „Seitens der Stadt hat im Vorfeld niemand mit uns über diesen Schritt gesprochen“, kritisiert Christian Schlingschröder.

Dienstag, 05.05.2020, 20:30 Uhr
Rietberg: „Niemand hat mit uns gesprochen“

Der Vorsitzende des Kolping-Bezirksverbands Wiedenbrück, in den auch Rietberg fällt, spricht dabei nicht nur für seine Organisation, sondern auch für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Malteser.

Gebrauchte Textilien sind gefragt

Gemeinsam mit „Die Paritätische – Förderverein für soziale Arbeit“ und der „Stiftung Bethel – Brockensammlung“ hat man sich 2013 zur „Arbeitsgemeinschaft der gemeinnützigen Verbände im Kreis Gütersloh“ zusammengeschlossen. Alle Gruppen sammeln bereits seit Jahrzehnten an festen Standorten gebrauchte Textilien.

In der Emskommune gilt dies für Kolping, DRK und Malteser. Sie sehen sich nun vor ein dickes Problem gestellt. Besonders treibt sie um, dass das von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Ausweichen auf eigene oder anderweitig private Areale nicht aufgehen wird. Denn Fakt ist: Weder die Kolpingsfamilien noch die Malteser verfügen über eigene Grundstücke. Ihre Boxen befinden sich aktuell vornehmlich auf öffentlichem Boden.

„Das kann nicht funktionieren“

„Das kann nicht funktionieren – alleine schon deshalb, weil sich nicht ausreichend private Flächen finden werden“, ist Christian Hoffbauer überzeugt. Er ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft und zugleich Prokurist der Wäscherei „Die Brücke“. Als Dienstleister der Kolpingtochter „Kolping Recycling“ übernimmt das Inklusionsunternehmen die Logistik für rund 380 Altkleidercontainer im Erzbistum Paderborn, von der Leerung bis zur Verladung. Im Stadtgebiet Rietberg fahren die Beschäftigten die Behältnisse nach Auskunft Hoffbauers zweimal pro Woche an. 30 sind es insgesamt, die 2019 160 Tonnen an Hosen, Hemden und Co. geschluckt haben.

Hintergrund

Der Rat hatte in seiner jüngsten Sitzung die Sondernutzungserlaubnis zur Aufstellung von Altkleidercontainern auf öffentlichen Flächen zum 31. Oktober zurückgezogen. Hintergrund ist eine Klage des Unternehmens Eurocycle. Die GmbH mit Sitz in Eschborn will an 15 Standorten im Stadtgebiet Sammelboxen platzieren. Dies hatte die Kommune jedoch im Juli 2019 mit der Begründung abgelehnt, dass man die erforderliche Sondererlaubnis nur örtlichen karitativen Organisationen ausstelle. Das Problem: Diese nun vom Rat gekippte Regelung war nicht rechtssicher und somit über die im September eingegangene Klage von Eurocycle beim Verwaltungsgericht Minden anfechtbar.

„Was soll mit diesen Mengen geschehen, wenn unsere Container nicht mehr zur Verfügung stehen?“, fragt Christian Schlingschröder. Im Blick hat er dabei nicht zuletzt die weiteren sieben Sammelstellen der Malteser und drei des DRK. Dass die textile Flut künftig über die örtlichen Kleiderstuben abgefangen werden kann, hält er für unrealistisch. Zumal seit Beginn der Coronakrise die ausrangierten Kleidungsberge in ungeahnte Höhen wachsen. So habe in Rietberg allein der vergangene Monat 50 Prozent mehr Ware eingebracht, berichtet Christian Hoffbauer.

Verbände fürchten um Einnahmen

Für die karitativen Verbände stellt die Altkleidersammlung nicht zuletzt eine bedeutende Einnahmequelle dar. Der Kolpingbezirk Wiedenbrück etwa veräußert die Gebrauchttextilien über „Kolping Recycling“ Richtung Ukraine oder auch Afrika. Rund 40.000 Euro spült das jährlich in die Kasse des Bezirks. „Mit dem Erlös unterstützen wir Vereine vor Ort, finanzieren Schulungen unserer Mitglieder und greifen Hilfsprojekten in Partnerländern unter die Arme“, erklärt Vorsitzender Christian Schlingschröder.

Hoffnung auf Einsehen der Stadt

Um den Ratsbeschluss vielleicht doch noch ins Wanken zu bringen, hat der Kolpingbezirk nun eine Anwaltskanzlei damit beauftragt, ein Konzept zur rechtssicheren Vergabe von Altkleidercontainer-Standorten auf öffentlichen Flächen zu erstellen. Es soll der Emskommune als Vorschlag dienen. „Wir wollen der Stadt nicht in ihr Hoheitsgebiet hineinpfuschen, sondern ihr lediglich etwas anbieten“, betont Schlingschröder.

Für alle Beteiligten sei durchaus nachvollziehbar, dass die Verwaltung angesichts der Klage der Firma Eurocycle habe handeln müssen. Dennoch hätte man sich ein gewisses Entgegenkommen gewünscht: „Man hätte uns schon vor Monaten darauf vorbereiten können, dass da etwas auf uns zukommt. So ist wertvolle Zeit verloren gegangen.“

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