Rietberg
Solidarität für Tierpark überwältigend

Rietberg-Westerwiehe (gdd). In der umsatzstärksten Zeit, an den Osterfeiertagen, hat der Tierpark Nadermann zwischen Westerwiehe und Schöning schließen müssen - seit einer Woche aber sind die Tore des idyllischen Freiluft-Kleinzoos wieder weit für alle Besucher geöffnet.

Sonntag, 17.05.2020, 18:09 Uhr aktualisiert: 17.05.2020, 18:46 Uhr
Rietberg: Solidarität für Tierpark überwältigend

„Das war Mitte März eine Situation, in der uns die Existenzangst richtig gepackt hat“, gaben Reinhold Nadermann, Tierparkinhaber, und Roland Buhk, Mitglied des Familienunternehmens, in einem Gespräch mit dieser Zeitung zu. „Doch jetzt sind wir überzeugt, es trotz der Coronakrise geschafft zu haben.“ Drei Tage vor der geplanten Öffnung am 18. März habe die Landesregierung die Sperrungsmaßnahmen bekannt gegeben. „Da sind wir in die Knie gegangen und haben uns hingesetzt“, so Reinhold Nadermann.

Hilferuf auf der Internetseite

Auf der Internetseite des Tierparks setzten die Betreiber Ende März verzweifelt einen Hilferuf ab – und erzielten ein großes Echo: Futterangebote und Geldspenden trafen ein. „Eine Ärztin aus Bad Oeynhausen hat uns eine Menge Atemschutzmasken geschickt und sich als unser Fan bekannt.“ Eine Delbrücker Familie habe bunte Plakate gemalt und warb für die Übernahme von Tierpatenschaften. Bis dato habe man Urkunden für 50 große und kleine Paten ausgestellt, die sich für verschiedene Tiere vom Uhu bis zum Rentierweibchen Leika einsetzen möchten.

Die bisher einmalige Spendenkampagne in der 50-jährigen Geschichte des Tierparks sei von vielen gut gemeinten Ratschlägen und Segenswünschen für die weitere Zukunft begleitet worden. Reinhold Nadermann und Roland Bukh betonten: „Wir waren überwältigt, extrem gerührt und glücklich über so viel Zuspruch und Unterstützung. Viele Zuschriften ermunterten die Betreiber durchzuhalten. Nachdenklich sagte Buhk: „Vielleicht hätten wir es ohne diese Solidarität, die uns aufgerichtet hat, nicht geschafft.“

15 000 Euro monatliche Betriebskosten

Die Finanzierung der hohen Betriebskosten von monatlich 15 000 Euro für Mitarbeiter und eine angemessene Nahrungsversorgung der Tiere, darunter 360 Exoten, seien Zielsetzungen, an denen sich die Großfamilie komplett beteilige. „Wir wollen, dass der Clan weiter funktioniert“, sagte Roland Buhk. Die Aussichten sind günstig: Parkinhaber Reinhold Nadermann freut sich über acht muntere Enkel. Der älteste von ihnen vertritt die vierte Generation Nadermann: Lukas, 19 Jahre alt. Er gilt als Hoffnungsträger. Im Sommer beendet er im Tierpark Hagenbeck in Hamburg seine Fachprüfung zum Tierpfleger.

Samstagmittag: Der Parkplatz vor dem Eingang zum Tierpark Nadermann ist fast gefüllt. Eine Tafel mit Hygienehinweisen und Abstandsregelungen ist unübersehbar. Die meisten Familien wählen den Rundgang, dann geht’s auf die Spielwiese der Überraschungen.

Drei weiße Bengal-Tiger begrüßen Gäste

Im Eingangsbereich liegen drei weiße Bengal-Tiger beisammen: der zwölf Jahre alte Kater Monticore und seine Frauen Bianca (8) und Zilly (5). Die Großkatzen blinzeln in die Sonne und gähnen. Einige Schritte entfernt wartet „Bernie“ – das neue Park-Maskottchen. Es erinnert an Parkgründer Bernhard Nadermann. „Bernie“ steht vor der Voliere für große Vögel, schwenkt eine Vogelpuppe. Das lässt hinter dem Draht den Sperbergeier-Single mit künftig gut zwei Metern Flügelspannweite völlig kalt. Seine Eltern, seit 2002 zusammen, teilen im hinteren Bereich der Anlage ihre Behausung mit Weißrücken-und Kappengeiern.

Jüngstes Lama erst vier Wochen alt

Vier Wochen alt, flauschig und dreifarbig ist das jüngste von elf Lamas. Auch bei den Benett-Kängurus hat sich im Januar Nachwuchs eingestellt. Die fünfköpfige Familie blieb wegen des milden Winters unter freiem Himmel. Im Sommer wird man drei Babys, die im Erwachsenendasein bis zu 100 Zentimeter groß werden, beobachten können, wenn sie kopfüber geschickt in Mutters Beutel plumpsen.

Auf einer 1500 Quadratmeter großen Fläche fühlen sich die tasmanischen Abkömmlinge der Gruppe Wallabys seit Ende der 1980er-Jahre wohl. Ihre Kost: Heu, Möhren und Kraftfutter. Zur 25-köpfigen Java-Affenschar gehört ein kürzlich geborenes Jungtier, zwei Weibchen sind schwanger. Auch die Familien von Hängebauchschweinen und afrikanischen Ziegen sind größer geworden.

Stachelschweine ohne Nachwuchssorgen

Bei den sieben Stachelschweinen gibt es wie in jedem Jahr keine Nachwuchssorgen. Für Juni wird das nächste Baby erwartet. Die „Babyboten“ haben Nadermann als Eldorado entdeckt. Neun wilde Storchenpaare nisten dort. Eine Storchenmutter füttert ihre Jungen unbesorgt in der geräumigen Kinderstube. Sie befindet sich auf einer Stange, unmittelbar am Spielgelände. Die flauschigen Küken spähen bereits neugierig über den Nestrand.

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