Rietberg
Viele Werke weitgehend unbekannt

Rietberg (gl) - Die neue Ausstellung im Kunsthaus Rietberg -Museum Wilfried Koch - rückt einen bislang wenig bekannten Künstler ins Licht: Heinz Lewerenz (1890 bis 1939) gehört dennoch zu den westfälischen Expressionisten, die einen genaueren Blick verdient haben. 

Mittwoch, 14.10.2020, 17:22 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 17:46 Uhr
Rietberg: Viele Werke weitgehend unbekannt

Noch bis zum 16. Januar sind nun 45 seiner Werke in Rietberg zu sehen: Ölgemälde und Aquarelle, Zeichnungen und Radierungen, aber auch Lithographien. Es ist überhaupt das erste Mal seit fast 40 Jahren, dass wieder eine Einzelausstellung das Gesamtwerk von Heinz Lewerenz in den Blick nimmt. Letztmalig ist das 1981 in Bielefeld geschehen. „Es ist schön, dass der Name wieder bekannter wird“, sagte kürzlich David Riedel, Leiter des Böckstiegel-Hauses in Werther und Kenner der westfälischen Kunstszene, anlässlich der Eröffnung im coronabedingt kleinen Kreis. Gerade die westfälischen Expressionisten seien – mit Ausnahme von Peter August Böckstiegel – in ihrer künstlerischen Bedeutung lange zu wenig gewürdigt worden. „Dabei haben sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im Kulturleben Westfalens gespielt.“ 

Ergänzt um fremde Werke

Die Ausstellung in Rietberg wird daher um einige Werke seiner Künstlerkollegen aus den Gruppen „Rote Erde“ und „Der Wurf“ ergänzt – nämlich mit Werken von Böckstiegel (1889 bis 1951), Hermann Freudenau (1881 bis 1966) und Paul Kottenkamp (1883 bis 1968). „Angesichts dieser Ausstellung werden sich hoffentlich weitere Kunstfreunde melden, die ein Werk von Heinz Lewerenz in ihrem privaten Besitz haben“, sagt Riedel hoffnungsvoll. Denn noch immer seien viele Werke von ihm sowie große Teile seiner Biografie der Öffentlichkeit nicht bekannt. 

Lewerenz wurde 1890 in Bielefeld geboren. Er erlernte zunächst einen kaufmännischen Beruf, wurde dann aber Lehrling in einem Musterzeichner-Atelier. Ab 1909 wurde er an der Kunsthandwerkerschule Vollschüler bei Ludwig Godewols. Dessen Schützlinge gründeten im selben Jahr die Künstlergruppe „Rote Erde“. Viele frühe Werke von Heinz Lewerenz zeigen heimatliche Motive, wiederholt auch Industrieansichten und -architekturen aus der Umgebung von Bielefeld. Künstlerisch ist Lewerenz in den frühen Jahren stark an seinen Mitschülern und deren Vorbildern orientiert – Paul Cezanne und Edvard Munch, vor allem jedoch an Vincent van Gogh und bald auch jungen Expressionisten aus Dresden und dem Rheinland.

Heimat von großer Bedeutung

Heinz Lewerenz setzte seine Ausbildung nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges – er war von 1914 bis 1918 Soldat – in Dresden fort. Bis 1923 studierte er als Meisterschüler bei Otto Gussmann an der altehrwürdigen Kunstakademie. Gleichwohl blieb seine Heimat für Lewerenz immer von großer Bedeutung. Anschließend war er als „Hilfslehrer“ an der Staatlichen Kunstgewerbeschule sowie gewerblichen Zeichenschule in Kassel angestellt und wurde 1931 zum Professor ernannt. 

Während einer Kur gestorben

Im Rahmen einer ersten Ausstellung der „Roten Erde“ 1919 hatte sich die Gruppe entzweit. Heinz Lewerenz gründete mit Hermann Freudenau und anderen eine Sezession, den „Wurf“. Diese Gruppe strebte eine Verbindung aller Künste an: Lyrik, Theater, Musik, Literatur und Philosophie. 1928 fand die letzte Ausstellung statt. In einer Rezension hieß es: „Lewerenz überschüttet uns diesmal mit einer Fülle seiner farbenschwelgerischen Aquarelle. Ob Fuldalandschaften, Hochgebirge, südliche Städte, Meeresbuchten, sizilianische Boote, spanische Sonne: Die Farben fließen, lodern, schwimmen und tropfen durcheinander, ineinander und verdichten jedes Mal zu einem malerischen Eindruck von bedeutsamer Stärke, Leckerbissen für farbgenießerisch veranlagte Menschen.“ Über sein späteres Schaffen ist nicht viel bekannt, ebenso wenig über sein weiteres Leben. 1939 starb er, wahrscheinlich während einer Kur in Bad Wiessee am Tegernsee. 

Kleines Publikum

„Diese Vernissage hätte ein größeres Publikum verdient“, sagte Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder anlässlich der nur kleinen Eröffnung im Beisein einiger der sieben Leihgeber. „Aber die Situation lässt derzeit größere Veranstaltungen nicht zu.“ „Ich freue mich, dass wir hier im Kunsthaus Rietberg überhaupt wieder eine Ausstellung zeigen können“, ergänzte Frank Ehlebracht von der unterstützenden Sparkassen-Stiftung. „Das zeigt, dass doch ein wenig Normalität zurückkehrt.“ 

Die Ausstellung im Kunsthaus ist bis zum 16. Januar dienstags bis sonntags jeweils von 14.30 bis 18 Uhr zu sehen. Eine Führung bietet David Riedel für Mittwoch, 18. November, 18 Uhr, an. Anmeldungen nimmt das Museum unter Telefon 05244/986373 und per E-Mail an museum@stadt-rietberg.de entgegen.

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