Rietberg
Gebetswache findet in Varensell statt

Rietberg-Varensell (gl) - „Der Mensch plant und denkt, trotzdem führt Gott alles zum Guten und schenkt seinen Segen.“ So werden die Gläubigen empfunden haben, die am Samstag in der Kirche der Benediktinerinnen-Abtei in Varensell den Gottesdienst zur „60. Gebetswache für den Frieden“ gefeiert haben.

Dienstag, 27.10.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 07:16 Uhr
Rietberg: Gebetswache findet in Varensell statt

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB zelebrierte die Heilige Messe mit Vertretern der Historischen Schützenbruderschaften des Bezirksverbandes Wiedenbrück, mit Ordensfrauen und natürlich mit Johannes Flore aus Varensell. Der 80-jährige Organisator hatte im Vorfeld einiges zu tun, denn die Corona-Pandemie veränderte in diesem Jahr sämtliche Planungen: Eigentlich hätte die seit 1961 jährlich stattfindende Gebetswache traditionell im Bergkloster Bestwig stattfinden sollen. Johannes Flore hatte dafür schon alles auf den Weg gebracht und organisiert.

Corona-Pandemie rüttelt an der Planung

Eigentlich hätten zahlreiche Menschen den Jubiläumsgottesdienst mit Weihbischof Hubert Berenbrinker aus Paderborn mitgefeiert, auch das hatte der 80-Jährige schon abgestimmt. Doch die notwendigen Schutzmaßnahmen veränderten den Ort des traditionsreichen Gebetstreffens. Damit nicht genug: Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB reiste anstelle von Weihbischof Berenbrinker an, der Mitte September aus gesundheitlichen Gründen durch Papst Franziskus von seinem aktiven Amt als Weihbischof entpflichtet worden war.

So war es Weihbischof Dominicus, der eine Grußbotschaft von Papst Franziskus überbrachte und im Pontifikalamt eine Kerze segnete, die künftig in der Abteikirche an die Bedeutung des Friedens für die Welt erinnert. Zahlreiche Grußbotschaften vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Landrat Sven-Georg Adenauer, Diözesan- und Bezirksbrudermeister Mario Kleinemeier und der Generaloberin Schwester Maria Thoma Dikow SMMP von den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel wurden im Anschluss an den Gottesdienst bei einer Begegnung verlesen und mit Freude aufgenommen.

„Jeder Krieg ist mehr als eine Torheit: Er ist eine Katastrophe für alle Beteiligten“, bekräftigte Weihbischof Dominicus in seiner Predigt und erinnerte an den Anfang des Deutsch-Französischen Kriegs vor 150 Jahren sowie das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Mit Blick auf die 60. Gebetswache der Schützen des Bezirksverbands Wiedenbrück betonte der Weihbischof, es sei Aufgabe jedes Christen, selbst zum Botschafter des Friedens zu werden. Im Hinblick auf diese Aufgabe sei jede der bisher 60 Gebetswachen eine Erinnerung und gleiche einem Weckruf an die Menschen, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen.

Papst Franziskus lässt Grußbotschaft ausrichten

Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB hatte eine Botschaft von Papst Franziskus mitgebracht, die er am Ende vortrug: „Seine Heiligkeit Papst Franziskus erteilt in freudiger Anteilnahme mit Dank gegen Gott, den Geber alles Guten, den Gebetsbrüdern der Schützen des Bezirksverbands Wiedenbrück zur 60. Gebetswache im Bergkloster Bestwig vom 23. bis 25. Oktober 2020 von Herzen den Apostolischen Segen und erbittet ihnen und allen, die an der Gebetswache teilnehmen, die Fülle der göttlichen Gnaden und auch für die Zukunft Gesundheit, den Frieden des Herzens und die Freude des Glaubens“, teilte er den Gläubigen mit. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hatte die Grußbotschaft von Papst Franziskus im Mai unterschrieben, als die Planungen noch anders waren.

Auch Erzbischof Hans-Josef Becker richtete eine Grußbotschaft an die in der Kirche der Benediktinerinnen-Abtei in Varensell Versammelten: „Um Frieden in der Welt muss immer neu gerungen werden, in der Wahl unserer Worte, im alltäglichen Miteinander und in der großen Politik, nicht zuletzt auch in der Kirche.“ Er dankte den Teilnehmern der nunmehr 60. Gebetswache für ihren treuen Dienst und erklärte, dass „das stille und doch so wirksame Sprechen vor und mit Gott in den Anliegen der Zeit“ zu den großen Kostbarkeiten der Kirche gehöre. „Darauf vertrauen wir, dass Gott unsere Gebete erhört und dass sein großer Friede am Ende Hass und Krieg überwindet“, lauteten die Worte von Erzbischof Becker.

Seit 1961 wird im Erzbistum Paderborn die Gebetswache durchgeführt

Seit 1961 wird im Erzbistum Paderborn jedes Jahr die Gebetswache durchgeführt. Hintergrund ist die Reise des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer vom 8. bis 14. September 1955 nach Moskau, um unter anderem die Freilassung von deutschen Kriegsgefangenen in ihre Heimat zu erwirken. Bundeskanzler Adenauer sagte damals vor der Abreise: „Ich gehe nach Moskau mit dem festen Vorsatz, alles zu tun, was in meinen Kräften steht, um den Frieden zu nutzen, um die Einheit unseres Vaterlandes wiederherzustellen und um zu erreichen, dass unsere Kriegsgefangenen zurückkommen.“

Mit den Worten „Sie können mich unterstützen, es hilft nur noch Beten“ hatte sich Adenauer an die deutsche Bevölkerung gewandt und so um das Gebet für einen erfolgreichen Abschluss der Friedensmission geworben. Daraufhin fand im Erzbistum Freiburg eine Gebetswache statt. Daraus entwickelte sich die Tradition einer „Gebetswache für den Frieden“. 1961 schloss sich das Erzbistum Paderborn an, unterstützt durch das damalige Referat Männerseelsorge im Erzbischöflichen Generalvikariat. Schützen der Historischen Schützenbruderschaften des Bezirksverbands Wiedenbrück halten seitdem diese Tradition im Erzbistum Paderborn lebendig. Zunächst fuhren die Schützen jährlich im November ins Franziskushaus nach Werl.

Gebet gilt allen, die kriegsbedingt Unrecht, Not und Heimatlosigkeit erfahren

Seit das Franziskushaus im Jahr 2000 aufgegeben wurde, geht es jährlich ins Bergkloster Bestwig, um dort fortwährend, Tag und Nacht, in ihrer Gebetswache für den Frieden zu beten und für die Freilassung jener Kriegsgefangenen, die im Herbst 1955 als Spätheimkehrer in Friedland eintrafen, zu danken. Das Gebet der Schützen gilt allen Menschen, die kriegsbedingt Unrecht, Not und Heimatlosigkeit erfahren.

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