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Mi., 07.01.2015

Förderverein der Dokumentationsstätte Stalag 326 gibt Buch über polnischen Zwangsarbeiter heraus  Ferdinand Matuszeks Schicksal

Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag (links), und Geschichtslehrer Friedhelm Schäffer stellen das Buch Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten über den polnischen Zwangsarbeiter Ferdinand Matuszek vor.

Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag (links), und Geschichtslehrer Friedhelm Schäffer stellen das Buch Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten über den polnischen Zwangsarbeiter Ferdinand Matuszek vor.

Von Bernd Steinbacher

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Fast zwei Jahre Arbeit stecken darin, kurz vor Weihnachten ist das Buch über das Schicksal von Ferdinand Matuszek erschienen. Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag 326, und Geschichtslehrer Friedhelm Schäffer, haben das Buch vorgestellt.

 Die beiden Autoren haben das Buch über den ehemaligen Zwangsarbeiter geschrieben. Grundlage dafür sind acht ausführliche Gespräche, die Schäffer mit Matuszek führte.

 Der ehemalige polnische Zwangsarbeiter hat während der Nazi-Zeit Schreckliches erlebt, aber auch die Menschlichkeit Deutscher kennengelernt. Der Titel des Buches »Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten«, ist ein Zitat von Ferdinand Matuszek, den seine Erinnerungen an die NS-Zeit nie losgelassen haben. Er war im März des vorigen Jahres auch Ehrengast bei der Aufführung des Drei-Schulen-Theaters »Gefangen«, das sich mit der Geschichte des Stalag 326 auseinandersetzt. Im Mai 2013 war Matuszek Redner bei einer Veranstaltung der Dokumentationsstätte, erzählte in klaren, ergreifenden Worten über seine Erlebnisse. Er starb am 11. Juli 2014 in Bad Oeynhausen.

 Geboren wurde Matuszek im Jahr 1926 in Tarnopol in Westgalizien, damals Polen, heute Ukraine. Als Jugendlicher wurde er im April 1942 seiner Familie entrissen und nach Deutschland deportiert, um als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft das Überleben der Bevölkerung zu sichern. Über Soest kam er nach Minden. »Ich war so schmächtig, dass mich zunächst kein Bauer haben wollte.« Auf dem Hof Körtner in Rehme (Bad Oeynhausen) sei er schließlich gemeinsam mit zwei weiteren sowjetischen Kriegsgefangenen untergebracht und sehr human behandelt worden. Eine deutsche Freundin habe er gehabt. Ein schweres Verbrechen im Rassen-Antisemitismus der Nationalsozialisten. Einige Nachbarn, überzeugte Nazis, hätten dies auch mitbekommen, aber nichts verraten. In erschütternder Weise erzählte Matuszek während der Veranstaltung, wie er gezwungen wurde, die Hinrichtung eines Juden, der sich mit einem deutschen Mädchen eingelassen hatte, anzusehen. Seine Stimme zitterte bisweilen, dennoch strahlte er eine unglaubliche Energie aus.

 Diese Energie und sein »enormes Erinnerungsvermögen«, so Nickel, bringen die beiden Autoren dazu, seine Geschichte aufzuschreiben. Sein Schicksal steht für viele Zwangsarbeiter. »Er hat Erschießungen erlebt, ist aber auf dem Bauernhof, trotz der harten Arbeit, als Mensch behandelt worden«, sagt Schäffer. Er kannte Matuszek seit 1990. Da erlebte der Lehrer ihn während eines Kurses der Volkshochschule in Bad Oeynhausen. Doch es sollte noch Jahre dauern, bis aus der Idee mit dem Buch Wirklichkeit wurde.

 Schäffer ist ebenso wie Nickel in der Gedenkstätte Wewelsburg tätig, so dass sich die beiden durch ihre Arbeit kannten. Seit 2012 arbeitet Schäffer auch ehrenamtlich im Förderverein der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne im Vorstand mit.

 Der Förderverein ist der Herausgeber. Zahlreiche Sponsoren aus Löhne, Bad Oeynhausen, Herford und Schloß Holte-Stukenbrock ermöglichten, dass das Buch entstehen konnte. Es ist im Buchhandel erhältlich.

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