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Mo., 20.04.2015

Ausstellung in der Realschule: Biografien weitgehend unbekannter NS-Regime-Gegner  Jugendliche im Widerstand 

Irene Recksiek, ihr Vater war im Konzentrationslager, interessiert sich für die jugendlichen Widerstandskämpfer, sagt sie im Gespräch mit (von links) Thomas Altmeyer, wissenschaftlicher Leiter des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933 bis 1945, Oliver Nickel und Manfred Büngener, Geschäftsführer und Vorsitzender des Fördervereins Dokumentationsstätte Stalag 326 Senne.

Irene Recksiek, ihr Vater war im Konzentrationslager, interessiert sich für die jugendlichen Widerstandskämpfer, sagt sie im Gespräch mit (von links) Thomas Altmeyer, wissenschaftlicher Leiter des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933 bis 1945, Oliver Nickel und Manfred Büngener, Geschäftsführer und Vorsitzender des Fördervereins Dokumentationsstätte Stalag 326 Senne.

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ihre Namen sind weitgehend unbekannt: Hildegard Hammermann, Bruno Tesch, Heinz Gärtner, Marianne Cohn. Sie leisteten Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten 1933 bis 1945. Bekannter sind Hans und Sophie Scholl oder Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Den jungen Widerstandskämpfern ist die Ausstellung in der Realschule gewidmet.

 »Es lebe die Freiheit!« Der Ausspruch Hans Scholls vor seiner Hinrichtung ist Namensgeber der Ausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand, die 2011 erstmals in Frankfurt am Main gezeigt worden ist. »Die Ausstellung in der Realschule richtet den Fokus auf jugendliche Widerstandskämpfer«, sagt Thomas Altmeyer, wissenschaftlicher Leiter des Studienkreises.

Der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 hat sie zum 70. Jahrestag der Befreiung nach Schloß Holte-Stukenbrock geholt. Sie zeigt den Lebensweg der einzelnen Jugendlichen. »Widerstand leistete eine Minderheit, die sich nicht der fügen wollte. Die Weiße Rose war eine Gruppe. Es gab aber auch die Edelweißgruppe, die Swing-Jugend, die Rote Kapelle oder die Baum-Gruppe«, sagt Altmeyer.

Die Nationalsozialisten hatten mit der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel die Jugendorganisationen gleichgeschaltet und unter ihren Einfluss gezwungen. Manche lehnten sich dagegen auf – aus unterschiedlichen Gründen. Die einen stammten aus der Arbeiterbewegung und wehrten sich teils mit kreativen Ideen, andere waren Juden oder Zeugen Jehovas, die untertauchten. Andere wollten Jazz hören (»entartete Musik«). »Junge Menschen überschätzen ihre Möglichkeiten. Sie erzählen, was sie tun, prahlen damit, sind verraten worden. Der Widerstand reichte von zivilem Ungehorsam bis offenem Angriff aufs System.« Einige haben in Netzwerken, einige allein gehandelt. »Mit persönlichen Konsequenzen bis hin zur Hinrichtung. Zumindest haben sie ihre Jugend verloren«, sagt Altmeyer. Die Kommunikation sei wichtig gewesen für den Widerstand. Damals sei ungleich schwerer gewesen, Informationen zu verbreiten.

Die Ausstellung zeigt Geschichte, sei aber auch eine Herausforderung an die Gegenwart. Zeitzeugin Imgard Heydorn (99) habe gesagt: »Heute ist es viel leichter, Nein zu sagen. Mut zu Kritik und Opposition im Alltag – das täte uns gut.«

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 3. Mai, geöffnet, montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr, mittwochs und donnerstags zusätzlich von 17 bis 19 Uhr (1. Mai geschlossen), an den Sonntagen 26. April und 3. Mai von 13 bis 17 Uhr, jeweils ab 15 Uhr öffentliche Führungen (Gebühr: 2 Euro).

Sie wird von zwei Vorträgen begleitet. Heute spricht ab 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr, Eintritt 5 Euro) Dr. Jürgen Nelles in der Aula der Realschule über »Kabarettisten unterm Hakenkreuz«. In der Mensa des Gymnasiums liest Dr. Frauke Geyken am Samstag, 25. April, ab 18 Uhr (Einlass 17.30 Uhr, Eintritt 3 Euro) aus »Wir standen nicht abseits«.

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