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Sa., 12.09.2015

Bürgerinformation zur Flüchtlingsunterkunft in Stukenbrock-Senne: 500 Interessierte in der Aula Zwischen Hilfsbereitschaft und Sorge

Auf dem Podium erklärten die Flüchtlingssituation: (von links) Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Adam Lisek (European Homecare), Michael Uhlich (Leiter des Krisenstabes), Projektleiter Frederik Köhler, Polizeidirektor Karsten Fehring und Dirk Guschmann (Polizeischule).

Auf dem Podium erklärten die Flüchtlingssituation: (von links) Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Adam Lisek (European Homecare), Michael Uhlich (Leiter des Krisenstabes), Projektleiter Frederik Köhler, Polizeidirektor Karsten Fehring und Dirk Guschmann (Polizeischule). Foto: Patrick Pollmeier

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Viel Hilfsbereitschaft, aber auch einige Sorgen haben etwa 500 Bürger am Freitagabend gezeigt. Sie waren auf Einladung der Bezirksregierung in die Aula am Gymnasium gekommen, um alles über die Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge an der Polizeischule und die 500 Flüchtlinge zu erfahren, die vergangenes Wochenende in der Polizeischule aufgenommen worden waren.

Für die Bezirksregierung war es  nach denen in Billerbeck, Herford und Rheda-Wiedenbrück die vierte Informationsveranstaltung. Und ähnlich wie die ist auch die in Schloß Holte-Stukenbrock abgelaufen. Eine Phase gebe es, in der durchaus skeptische Fragen formuliert worden. Über die Notunterkunft, die seit zwei Wochen auf 45 000 Quadratmeter entsteht, und die Hintergründe  berichteten der Leiter des Krisenstabes bei der Bezirksregierung Detmold, Michael Uhlich, der Projektleiter für den Bau der Notunterkunft, Frederik Köhler, der Projektleiter für den Betreiber, der European Homecare, Adam Lisek, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, der Leitende Polizeidirektor der Kreispolizeibehörde Gütersloh, Karsten Fehring,  und der Dezernatsleiter des Landesamtes für Aus- und Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei, Dirk Guschmann.

Keiner weiß, wie lange die Flüchtlinge bleiben

Eine Frage konnte am Freitag niemand beantworten. Die, wie lange die Flüchtlinge bleiben. »Das wäre nicht ehrlich. Wir wissen es einfach nicht«, sagte Uhlich. Warum die Zeltstadt so nah an der Siedlung am Lippstädter Weg in Stukenbrock-Senne und nicht auf dem Verkehrsübungsplatz der Polizeischule gebaut wird, hat einen einfachen Grund. Der Platz wird für die Ausbildung gebraucht, bei dem Gelände  am Emsweg handelt es sich um bislang ungenutzte Naturfläche.

Eine Frau machte sich Sorgen um den Ort für die Zeltstadt. »An dieser Stelle war im Zweiten Weltkrieg das Stammlager für Kriegsgefangene. Ich halte das für höchst bedenklich, dort jetzt Flüchtlinge unterzubringen.« Uhlich sagte, dass er kein schlechtes Gewissen habe, sondern mit erhobenem Haupt helfe. Außerdem war das Gelände nach dem Krieg das Sozialwerk, auch eine Stadt in der Stadt, die lange Heimat für  die Vertriebenen aus den Ostgebieten gewesen ist.

Eine Bürgerin war schockiert, dass 1000 Menschen mit 100 Toiletten und Duschen klarkommen sollen. Adam Lisek berichtet, dass sensibel mit den Menschen umgegangen werde. Die Willkommenskultur sei groß in Schloß Holte-Stukenbrock. Er wünscht sich, dass Hilfsangebote koordiniert werden unter der E-mail-Adresse ehrenamt@eu-homecare.com.

Martin Sieling von der Abteilung Gesundheit der Bezirksregierung sagte, dass die 1000 Flüchtlinge nicht die Hausärzte in der Stadt in Anspruch nehmen müssen. 50 pensionierte Ärzte haben Interesse, stundenweise in der Zeltstadt Sprechstunden anzubieten. Er versuchte, die Bedenken zu zerstreuen, dass die Flüchtlinge eventuell  Krankheiten einschleppen, die nicht rechtzeitig behandelt werden. »Das haben wir im Griff«, versicherte Sieling.

Kritische Situation in den Bussen

Aber auch in Sachen ÖPNV müsse sich etwas tun. »Die Busse sind jetzt schon überfüllt, obwohl erst 500 Flüchtlinge in der Polizeischule sind«, berichtete eine Bürgerin. Mit 1500 Flüchtlingen in einem Dorf, das  damit doppelt so groß wird,  sehen viele ein Problem. Wer kümmert sich darum, dass der Lärmpegel erträglich bleibt? Was tun, wenn auf öffentlichen Flächen Alkohol getrunken wird und der Müll zurückbleibt? Beschwerden sollten nicht in die Zeltstadt getragen werden, sondern an Runden Tischen besprochen werden. »Sobald der Betrieb losgeht, haben wir Ansprechpartner, die für Sie da sind«, sagte Uhlich. 

Innerhalb der Notunterkunft, so Lisek, seien Alkohol und Drogen verboten. Dirk Guschmann schilderte, dass die Menschen ganz andere Sorgen haben. »Bei uns ist mit 500 Flüchtlingen alles friedlich, nachts alles ruhig. Das ist mehr als angenehm. Tagsüber entstehen die Geräusche, die überall entstehen, wenn Kinder auf der Wiese Fußball spielen.«

Stadt stockt den Ordnungsdienst auf

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sagte, dass es egal sei, ob es sich um Einheimische oder Flüchtlinge handele. »Wenn viele Menschen zusammen sind, gibt es immer einige Halunken dazwischen.« Die Stadt denke darüber nach, den Ordnungsdienst aufzustocken.
Karsten Fehring sagte, dass  Flüchtlingsheime keine Hot Spots der Kriminalität seien. Ddie Polizei fahre vermehrt Streife, um dem Sicherheitsbedürfnis gerecht zu werden. »Wir warten es ab. Wann immer Sie ein Problem haben, rufen sie die 110 an.«

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