Sa., 19.09.2015

In Schloß Holte-Stukenbrock öffnet ein Zeltlager für 1000 Menschen – Flüchtlinge helfen beim Aufbau Die größte Notunterkunft in NRW

Blick in einen Teil des Lagers: Insgesamt gibt es 22 Zelte. Vor jedem steht eine dieselbetriebene Heizung, die bei Bedarf warme Luft ins Zelt bläst.

Blick in einen Teil des Lagers: Insgesamt gibt es 22 Zelte. Vor jedem steht eine dieselbetriebene Heizung, die bei Bedarf warme Luft ins Zelt bläst. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Nordrhein-Westfalen eröffnet am Montag in Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) die landesweit größte Notunterkunft für Flüchtlinge. 1000 Menschen finden hier Platz.

Private Bauherren werden das kaum glauben: Noch vor drei Wochen war das 45.000 Quadratmeter große landeseigene Gelände neben der Polizeischule eine Grünfläche mit Sträuchern und Bäumen. »Die vielen Genehmigungen, die wir vom Bauamt und anderen Behörden brauchten, gab es an manchen Tagen fast schon auf Zuruf im Minutentakt«, sagt Matthias Cramer vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes erfreut. Sogar sonntags durfte gearbeitet werden.

Etwa 1,5 Millionen Euro hat das Land verbaut. 40.000 Kubikmeter Boden wurden bewegt, Kanäle vergraben, 30?000 Tonnen Schotter verarbeitet, 7000 Quadratmeter Straßen und Wege geteert. Damit zu Spitzenzeiten das Stromnetz der benachbarten Polizeischule nicht zusammenbricht, wurde das Flüchtlingslager nicht ans öffentliche Netz angeschlossen. Es bekam zwei dieselbetriebene Stromgeneratoren, die jeweils 400.000 Watt bereitstellen können.

Die Unterkünfte sind 15 beheizbare, doppelwandige Zelte, in die bei Frost eine dritte, isolierte Zeltbahn eingehängt wird. Die Fußböden sind aus vinylbeschichtetem Holz. Stellwände teilen die Zelte, in denen Platz für jeweils 75 Menschen ist, in vier mal vier Meter große Abteile, in denen Betten und Spinde stehen.

Neben diesen Wohnzelten gibt es ein 400 Quadratmeter großes Zelt, in dem das von einem Caterer angelieferte Essen ausgegeben wird. Weitere Zelte fungieren als Kita, Aufenthaltsraum, ärztliches Untersuchungszimmer und Krankenstation. Toiletten und Duschen befinden sich in Sanitärzelten und sind für Frauen und Männer getrennt.

Die Notunterkunft wird von der Bezirksregierung Detmold geleitet, die vier Beamte abgestellt hat. Zur Organisation des Tagesablaufs wurde der private Anbieter European Home Care (EHC) engagiert. Er wird hier bis zu 50 Mitarbeiter wie Sozialbetreuer beschäftigen, dazu pro Schicht zehn Sicherheitskräfte eines Subunternehmens. Seit Mittwoch setzt European Home Care 20 Flüchtlinge aus einer Unterkunft in Schöppingen ein, die beim Aufbau der Betten und Schränke helfen.

»Die Flüchtlinge werden drei Wochen bleiben und dann auf Städte verteilt«, sagt Andreas Moseke von der Bezirksregierung. 17.000 Menschen können so pro Jahr das Lager durchlaufen. Etwas umständlich scheint ihre Registrierung zu sein: Anstatt ihre Personalien in der Notunterkunft aufzunehmen, will man sie mit Bussen zehn Kilometer weit nach Hövelhof fahren, wo der Kreis Paderborn eine Registrierungsstelle betreibt.

Am Montag werden die ersten 250 Flüchtlinge in Schloß Holte-Stukenbrock erwartet. Wenn alle 1000 Betten belegt sind, wird der Betrieb des Lagers das Land etwa eine Million Euro im Monat kosten.

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