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Mi., 16.12.2015

Bis Neujahr nur noch Notreserve – Zeltstadt bleibt mit 1000 Plätzen für Flüchtlinge erhalten Polizeischule wird als Notunterkunft aufgelöst

Der Malteser-Hilfsdienst hat die Flüchtlinge seit vier Monaten in der Polizeischule betreut. Die ersten Syrer, Afghanen und Iraker waren im September gekommen und hatten in der Liegenschaft in Stukenbrock-Senne Obdach gefunden.

Der Malteser-Hilfsdienst hat die Flüchtlinge seit vier Monaten in der Polizeischule betreut. Die ersten Syrer, Afghanen und Iraker waren im September gekommen und hatten in der Liegenschaft in Stukenbrock-Senne Obdach gefunden. Foto: Oliver Schwabe

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Notunterkunft in der Polizeischule Stukenbrock (Kreis Gütersloh) wird zum 22. Dezember aufgelöst. Hier waren Anfang September 500 Plätze für Menschen unter anderem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak geschaffen worden. Von Weihnachten bis Neujahr steht die Polizeischule aber als Notreserve zur Verfügung. Die nebenan entstandene Zeltstadt mit 1000 Plätzen für Flüchtlinge bleibt erhalten.

Die Polizeischule war bereits 2014 für einige Monate zur Notunterkunft geworden, so dass nach dem Aufruf des Innenministers die Strukturen erneut schnell geschaffen waren. »Oberste Aufgabe der Polizei ist es, Menschen in Not zu helfen. Da war es klar, dass wir mit anpacken«, sagt Victor Ocansey, Sprecher des Landesamts für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW und Personalangelegenheiten. »Wir hatten einen starken Partner mit den Maltesern, die die Betreuung übernommen haben. Mit ihnen haben wir hervorragend und vertrauensvoll zusammengearbeitet.« In der Polizeischule war das Unterkunftsgebäude für Familien bereitgestellt worden, die Turnhalle wurde mit Betten ausgestattet. Hier sind männliche Alleinreisende untergebracht worden. Die Turnhalle wird nach Weihnachten wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. »Aus- und Fortbildung wird ab Januar wieder uneingeschränkt möglich sein«, sagt Ocansey. Die Ausbildung der Polizeistudenten sei bis auf den Sportunterricht relativ reibungslos weiter gelaufen. Die Fortbildung der Polizisten, die bereits arbeiten, sei verlagert worden. Die neuen Polizeistudenten, die am 1. September mit dem Studium begonnen haben, werden zum Ausbildungsmodul im Frühjahr (März/April) nach Stukenbrock kommen. Die zurzeit noch 36 Asylsuchenden, die in der Polizeischule leben, werden in der Zeltstadt in den Leichtbauhallen untergebracht.

André Bechtloff, der für die Malteser die Betreuung der Flüchtlinge geleitet hat, freut sich vor allem, dass alle 30 Mitarbeiter übernommen werden und künftig größtenteils in der Unterkunft im benachbarten Staumühle arbeiten werden.Er selbst werde sein Medizinstudium abschließen und die erste Praxis im Krankenhaus sammeln.

Die Malteser hatten die Betreuung am 6. September übernommen. »Man wird an Erfahrung reicher – menschlich und arbeitstechnisch«, sagt Bechtloff. Angenehm sei das Umfeld gewesen: räumlich gut ausgestattet, menschlich haben den Maltesern die Polizeibeamten und die Sicherheitsdienste zur Seite gestanden.

»Es war eine wunderbare Atmosphäre, mit den Menschen aus vielen Ländern zu arbeiten. Wir haben interkulturelle Kompetenz gewonnen. Die Menschen von der anderen Seite des Mittelmeeres haben ein hohes Maß an Verbindlichkeit. Sie legen noch Wert auf das Wort und den Handschlag.« Die Flüchtlinge wollten gern selbst etwas tun, seien interessiert an Sprache und Bräuchen wie dem Weihnachtsmarkt gewesen. Offensichtlich sei aber das klassische Familienverständnis mit klarer Rollenverteilung. »Wir hatten überwiegend Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, die Schlimmes erlebt haben. Sie sind sehr dankbar, hier Frieden, Ruhe und Sicherheit gefunden zu haben und verhalten sich entsprechend.«

Die mit hohem Aufwand erstellte Zeltstadt direkt angrenzend auf dem Gelände der Polizeischule, die im Auftrag der Bezirksregierung von European Homecare betrieben wird, bleibt indes erhalten. Dort können seit Ende September bis zu 1000 Flüchtlinge aufgenommen werden. Zurzeit ist die Zeltstadt mit 278 Menschen belegt. Das kann sich aber über die Feiertage ändern. Denn von Heiligabend an bis zum 3. Januar werden für elf Tage keine Flüchtlinge den Kommunen zugewiesen. Flüchtlinge kommen und bleiben deshalb für diese in der Notunterkunft.

»Zurzeit kommen nicht mehr so viele Flüchtlinge. Aber das weiß man nie genau. Im November hatten wir atypisch wochenweise einen hohen Zustrom«, sagt Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung Detmold. Die allgemeine Bleibedauer in den Notunterkünften sei gesunken. Zum Bespiel, weil sich die Registrierungen eingespielt haben.

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