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Di., 04.10.2016

Zeitzeugen-Film über die Anfänge der Gedenkstätte Stalag gezeigt »Es müsste mehr sein«

Drei der Mitwirkenden des Zeitzeugen-Films über die Dokumentationsstätte Stalag 326 sind (vorn von links) Lisa Dirkschnieder, der Ehrenvorsitzende des Fördervereins Werner Busch und Ferdinand Kaiser, mit (hinten von links) Fördervereins-Vorsitzendem Manfred Büngener, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und den Filmproduzenten Michael und Maria Hallau.

Drei der Mitwirkenden des Zeitzeugen-Films über die Dokumentationsstätte Stalag 326 sind (vorn von links) Lisa Dirkschnieder, der Ehrenvorsitzende des Fördervereins Werner Busch und Ferdinand Kaiser, mit (hinten von links) Fördervereins-Vorsitzendem Manfred Büngener, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr und den Filmproduzenten Michael und Maria Hallau. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). »Ich wollte das gar nicht.« Werner Busch (91) mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Er sieht sich nicht als »Hauptdarsteller« des Zeitzeugen-Films . Für die Sache, die Dokumentationsstätte Stalag 326, steht er vor der Kamera. Denn er war immer der Überzeugung: »Es müsste mehr sein als nur der Friedhof.«

Maria und Michael Hallau haben gestern in der Aula der Realschule vor 105 Zuschauern den fünften Zeitzeugen-Film gezeigt, den sie im Auftrag der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock gedreht haben. Werner Busch erzählt, wie schwierig es war, mit der Idee einer Dokumentationsstätte durchzudringen. Zu dritt waren sie zum damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau gefahren – Werner Busch, Historiker Reinhard Otto und Kulturausschuss-Vorsitzender Friedrich Dransfeld. Aber Rau winkte ab. »Gedenkstätte gibt’s nicht. Zu teuer.«

Jede Menge Nackenschläge

Hartnäckigkeit ist wohl das Wort, das seit 1992 Werner Busch Schritt für Schritt zum Erfolg geführt hat. In dem Wort stehen, so Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, »hart« und »Nacken« und damit auch jede Menge Nackenschläge, die Busch kassiert hat. Trotzdem gründete er mit einigen Mitstreitern aus allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen den Verein. Ihm ging es um die Menschlichkeit, um die Angehörigen, die verzweifelt nach der Ruhestätte ihrer Väter, Männer und Brüder suchen. In Manfred Sparrer, den damaligen Chef der Bereitschaftspolizei und Polizeischule, fand Busch einen Verbündeten. Der stellte das Arrestgebäude zur Verfügung, damals in »fürchterlichem Zustand« und zuletzt als Waffenlager genutzt. Die Gemeinde wollte kein Geld für die Renovierung beisteuern. »Ich habe jedes einzelne Ratsmitglied besucht und schließlich überzeugt.«

 

Aus der Sicht einer Anliegerin

Lisa Dirkschnieder war Kind, als die Kriegsgefangenen in die Senne kamen. Sie berichtet im Film, dass die Kinder neugierig auf die »Untermenschen« waren. Dass es sich um elend ausgemergelte Gestalten mit blassen Gesichtern gehandelt habe, habe sie sehr verstört. Sie erinnert sich an die täglichen Beerdigungskommandos. »Ich habe gesehen, wie die nackten Toten an Armen und Beinen gepackt und in die Gruben geworfen wurden. Dieses Bild werde ich nicht vergessen.« Ihre Familie beschäftigte einen russischen Kriegsgefangenen, »unseren Michel«. Der lebte auf dem Hof wie ein Familienmitglied. Ferdinand Kaiser repräsentiert die Nachkriegszeit, als das Gelände als Internierungslager benutzt wurde. Kaiser, heute 87 Jahre alt, kam als deutscher Wehrmachtssoldat in das Lager.

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Jeder, der noch nicht da war, sollte sich das ansehen.

Zeitzeugen-Film-Produzent Michael Hallau

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Werner Busch ist es wichtig, dass es weitergeht. Er und seine Mitstreiter haben der Dokumentationsstätte zur hohen Reputation verholfen. Das manifestiert sich im Besuch des Bundespräsidenten im Mai 2015. Buschs Nachfolgern Oliver Nickel und Manfred Büngener gelingt es, junge Menschen zu interessieren. Die Gedenkstätte arbeitet mit den Gymnasien Schloß Holte-Stukenbrock und Schloß Neuhaus zusammen. Michael Hallau weiß, dass für viele das Stalag unbekannt ist. »Jeder, der noch nicht da war, sollte sich das ansehen«, empfiehlt er.

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