Sa., 01.07.2017

Leere Flüchtlingsunterkünfte in Stukenbrock werden als Reserve behalten Fast eine Geisterstadt

21 Leichtbauhallen, Platz für bis zu 1000 Menschen: Die Zeltstadt in Stukenbrock ist bis Juni 2018 eine Notunterkunft in Reserve.

21 Leichtbauhallen, Platz für bis zu 1000 Menschen: Die Zeltstadt in Stukenbrock ist bis Juni 2018 eine Notunterkunft in Reserve. Foto: Oliver Schwabe

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Jeden Monat kostet die Zeltstadt an der Polizeischule in Stukenbrock 260.000 Euro – so viel wie ein komfortables Einfamilienhaus. Dabei lebt hier niemand mehr.

Ein Jahr und einen Tag wurde die Zeltstadt genutzt, seit September 2016 stehen die 21 Leichtbauhallen leer. »Es ist die einzige Notunterkunft, die wir als Reserve vorhalten«, sagt Peter Westphal, Sprecher der Bezirksregierung Detmold.

Bis zu 1000 Menschen hatten hier Platz, maximal lebten hier 880 Menschen für einige Wochen, manchmal Monate, bevor sie auf andere Einrichtungen verteilt wurden. Die 15 Schlafzelte für je 75 Menschen und die sechs Hallen, die Aufenthaltsbereich waren, die der Kinderbetreuung dienten und in denen die Küche untergebracht war, stehen aber noch.

»Wir wägen ständig ab, welchen Platz wir noch brauchen. Die Notunterkunft in Reserve soll die Kommunen entlasten, falls sich die Flüchtlingssituation wieder verschärft«, sagt Westphal. Man müsste dann nicht die Turnhallen in den Städten belegen.

21 Hallen auf Gelände

Weniger Flüchtlinge

Weil die Flüchtlingszahlen zurückgehen, hat die Bezirksregierung Detmold 26 Einrichtungen für Flüchtlinge seit 2015 geschlossen, zuletzt im April die in Hövelhof-Staumühle. Zurzeit hält die Bezirksregierung in OWL 3250 Plätze in vier Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) vor (Harewood-Kaserne Herford, ehemalige Ausbildungsstätte Bad Driburg, ehemalige Klinik am Hellweg in Oerlinghausen und die ehemalige Desenbergkaserne in Borgen­treich). Belegt sind davon 1795 Plätze. Dazu kommt die Erstaufnahme-Einrichtung am Südring in Bielefeld. Die ZUE Oldentruper Hof ist zur Erstaufnahmeeinrichtung geworden. Die Böllhoff-Hallen werden zum 1. Juli an das Unternehmen zurückgegeben.

Das Gelände gehört dem Land NRW, verwaltet wird es vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) und steht kostenfrei zur Verfügung. Die 21 Hallen sind Teil eines landesweit gemieteten Kontingents, das von der Bezirksregierung Arnsberg verwaltet werde. Ob die Hallen auf dem Gelände stehen oder abgebaut eingelagert werden – »die Kosten sind gleich«.

Zurzeit geht die Bezirksregierung davon aus, dass die Notunterkunft bis Juni 2018 in Reserve gehalten wird. Der Vorteil für die Stadt: Solange die Zeltstadt als Stand-by-Einrichtung zählt, werden der Kommune weniger Flüchtlinge zugewiesen, die sie in Eigenregie versorgen muss.

Betten, Spinde, Kühlschränke und sonstige Einrichtung waren im Jahr des Betriebs der Zeltstadt vom Betreiber European Homecare (EHC) gestellt worden. Die gespendeten Spielzeuge und Kleider hat EHC mit in die Harewood-Kaserne nach Herford genommen, wo Flüchtlinge betreut werden.

Sicherheitsdienst vor Ort

Die Zeltstadt wird vom Sicherheitsdienst bewacht, der auch hausmeisterliche Tätigkeiten wie Lüften und Heizen übernimmt, damit die Leichtbauhallen nicht schimmeln oder im Winter die Schneelast das Dach einbrechen lässt. Die Leute des Sicherheitsunternehmens ADU kontrollieren die Heizölstände und befreien die Wege im Winter von Schnee und Eis.

Ungenutzt sind Schaukel und Rutsche im Außengelände. Sollte die Zeltstadt ganz aufgelöst werden, kommen die Geräte in die kommunale Flüchtlingsunterkunft nebenan. So ist es mit dem Spender vereinbart.

Um die Anlieger zu schützen, sei ein Lichtmast ausgeschaltet worden. Ganz ohne Beleuchtung geht es aber nicht.

Polizisten sorgen für Leben auf Gelände

Die Hallen auf dem 50.000 Quadratmeter großen Gelände machen allerdings nicht den Eindruck einer Geisterstadt. Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP) hat mit der Bezirksregierung einen Nutzungsvertrag geschlossen. Tagsüber sorgen Polizisten in Fortbildung und Studenten für Betrieb auf dem Gelände. Es wird fürs Fahr- und Sicherheitstraining genutzt, fürs Einsatztraining von Verkehrskontrollen bis hin zu Festnahmen und Terrorismusbekämpfung. Die leeren Hallen eignen sich auch als Sporthallen.

Bis zu 450 Studenten und 50 Polizisten in Fortbildung sind gleichzeitig in der Polizeischule Stukenbrock. Sie ist eine von drei landesweiten Trainingsstätten. Zurzeit sind 5000 Polizisten in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen in NRW in Ausbildung. 2000, vielleicht 2300, werden dieses Jahr neu eingestellt, sagt Polizeisprecher Victor Ocansey. Sie studieren an Fachhochschulen, trainieren in den drei Standorten des LAFP (Selm, Brühl, Stukenbrock) und sind in der Praxisausbildung in den Kreispolizeibehörden eingesetzt.

Kommentare

Unglaublich

So eine Geldverschwendung.
Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.

Zeltstadt

Waren neulich in Leipzig. Da sind 100te Flüchtlingskontainer die noch nie bewohnt waren. Eine Busfahrt dahin dauert 3-4 Stunden und kostet ein paar Euro. Monatlich also 2600000€ gespart. Wo soll das ganze Geld jetzt hin ? Teilen wir ??

2 Kommentare

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