Fr., 12.01.2018

Steuerungsgruppe schiebt nationale Gedenkstätte Stalag 326 weiter an Mehr Platz, Geld und Anerkennung

Landtagspräsident André Kuper mit Dr. Hans Wupper-Tewes (Landeszentrale für politische Bildung), Europaabgeordnetem Elmar Brok, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Fördervereins-Vorsitzenden Manfred Büngener und Geschäftsführer Oliver Nickel (von links).

Landtagspräsident André Kuper mit Dr. Hans Wupper-Tewes (Landeszentrale für politische Bildung), Europaabgeordnetem Elmar Brok, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Fördervereins-Vorsitzenden Manfred Büngener und Geschäftsführer Oliver Nickel (von links). Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Mehr Platz, mehr Geld, ein nachhaltiges Konzept und wissenschaftliche Unterstützung: Die Zeiten von »Kleinklein« und »Hin und Her«, wie Europa-Abgeordneter Elmar Brok es nennt, sind vorbei. Die Dokumentations- und Gedenkstätte Stalag 326 Senne bekommt Unterstützung von allen Seiten und Anerkennung über die Parteigrenzen hinweg.

Landtagspräsident André Kuper hat zur zweiten Sitzung der Lenkungs- und Steuerungsgruppe gestern im Rathaus die Fäden zusammengeführt. An einem Tisch sitzen jetzt neben den Vertretern aller Parteien auch die Landeszentrale für politische Bildung, über die die Förderung durch das Land NRW für 2018 auf 200.000 Euro aufgestockt worden ist und der Historiker Professor Dr. Thomas Welskopp von der Universität Bielefeld, der am 23. und 24. März das Symposium »Wehrmachtslager für sowjetische Kriegsgefangene im Dritten Reich« an der Universität Bielefeld leitet.

Baracke aus der Sozialwerkszeit nutzbar

Michael Frücht, Direktor des Landesamts für Aus- und Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei in NRW (LAFP), kann sich vorstellen, der Gedenkstätte eine oder mehrere Baracken zu überlassen, die aus der Zeit des Sozialwerks stammen (1946 bis 1971). Die meisten sind für Neubauten der Polizeischule abgerissen worden, einige sind aber noch vorhanden. Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins: »Unsere räumliche Situation ist katastrophal. In einer Baracke, die direkt neben dem Arrestgebäude liegt, könnten wir eine Sonderausstellung zum Sozialwerk zeigen und öffentliche Führungen anbieten. Das wäre optimal.« Frücht habe zugesagt, sich zu bemühen, den bisherigen Nutzern (Polizei-Sport-Verein) eine Alternative anzubieten. »Das ist ein deutliches Signal«, wertet auch André Kuper. Gebäude und Gelände gehören dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, sind also Landeseigentum.

Gedächtnisweg

Die Lenkungsgruppe zur Weiterentwicklung der Gedenk- und Dokumentationsstätte Stalag 326 VI K Senne begeistert sich für eine Idee, die die Dorfgemeinschaft Stukenbrock-Senne bereits 2009 ins Dorfentwicklungskonzept geschrieben hat.

Da die Entfernung zwischen dem Ehrenfriedhof Sowjetischer Kriegstoter und der Dokumentationsstätte auf dem Gelände der Polizeischule Luftlinie etwa zwei Kilometer beträgt, möchte der Dorfverein einen Gedächtnisweg zwischen Ehrenfriedhof, Kommunalfriedhof, ehemaligem Italienerfriedhof und Dokumentationsstätte anlegen, um darauf hinzuweisen, dass es mehr gibt.

Auf Trittsteinen sollen die Menschen von einem zum anderen Ort wandern können. Auf dem Weg sollen Stationen über die historischen Fakten informieren.

Der Förderverein nutzt ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude, die Entlausungsstation, für Vorträge. Das Haus ist aber auch für den Ethik-Unterricht der angehenden Polizisten reserviert. Es sei aus Mitteln des Landes für etwa 300.000 Euro renoviert worden und mit einer Ausstellung von der Polizei bestückt.

Zuständigkeiten zusammengeführt

»Wichtig ist, dass die tausend Zuständigkeiten zusammengeführt werden«, sagt Elmar Brok und dankte André Kuper für seine Arbeit. Broks Frau und seine Schwiegermutter haben ein Jahr im Sozialwerk »als DDR-Flüchtlinge« gelebt. Deshalb habe er eine persönliche Bindung. »Das Stalag ist keine lokale Geschichte. Es verdeutlicht große historische Zusammenhänge, die auch hier stattgefunden haben. Zwei menschenverachtende Diktaturen haben den Wahnsinn über unsere Welt gebracht.«

Vor- und Nachteil ist, dass die Gedenkstätte auf dem Gelände der Polizeischule eingezäunt und nur über die Zugangskontrolle erreichbar ist. Das bietet einerseits Schutz vor Übergriffen, anderseits können Besucher nicht einfach mal so reinschauen. Daran will niemand etwas ändern. Hans Wupper-Tewes sieht das Potenzial der Gedenkstätte nicht in den zufälligen Besuchern, sondern in der Zusammenarbeit mit Schulen, Polizei und Bundeswehr. Die ist im vergangenen Jahr ausgebaut worden, der Förderverein hat mit Schulen, auch dem Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock, eine Bildungspartnerschaft gegründet.

Zeitzeugen berichten

Mit im Boot ist der Westfälische Heimatbund unter dem Vorsitz des Direktors des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster, Matthias Löb. Der unterstützt die Suche nach Zeitzeugen. Löb hat einen Aufruf an alle angeschlossenen Heimatvereine verfasst. Gesucht werden Zeitzeugen, die über den Einsatz von Kriegsgefangenen in der regionalen Landwirtschaft und in Unternehmen berichten können.

Unterstützung erwartet André Kuper auch von Staatsministerin Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In ihr Aufgabengebiet fallen Denkmalschutz und Gedenkstättenförderung. Die Gedenkstätte werde sich auch als Projekt für die »Regionale 2022« anmelden, sagt Kuper.

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