Sa., 10.02.2018

Joana Poethke arbeitet die Nachkriegsgeschichte des Stalag-Geländes auf Vertreibung und Flucht

Joana Poethke und der Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag, Oliver Nickel, zeigen Bilder, Pläne und Berichte aus der Zeit des Sozialwerks Stukenbrock. Auch der Stuhl stammt aus dieser Zeit und wird Teil der Ausstellung.

Joana Poethke und der Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag, Oliver Nickel, zeigen Bilder, Pläne und Berichte aus der Zeit des Sozialwerks Stukenbrock. Auch der Stuhl stammt aus dieser Zeit und wird Teil der Ausstellung. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Förderverein der Gedenkstätte Stalag 326 betreut jetzt auch die Nachkriegsgeschichte des Geländes. Um die Geschichte des Sozialwerks ab 1948 aufzuarbeiten, ist die Sozial- und Kulturwissenschaftlerin Joana Poethke (29) mit einem Werksvertrag eingestellt worden.

»Um die Gedenkstätte museal, pädagogisch und wissenschaftlich weiterzuentwickeln, ist es notwendig, die Geschichte des Geländes nach dem Stalag 326 nach dem Zweiten Weltkrieg fortzuschreiben. Besonderes Gewicht kommt dabei dem Sozialwerk zu«, sagt Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte. Um das zu gewährleisten, ist die Satzung des Fördervereins geändert worden. Die Landeszentrale für politische Bildung hat Gelder bewilligt, nachdem Stadt und Kreis mit Zuschüssen dafür gesorgt haben, dass der Förderverein das notwendige Eigenkapital hat.

Joana Poethke ist in Berlin geboren und hat in Göttingen und in Frankfurt/Oder studiert und mit dem Master im Oktober 2017 abgeschlossen. Während des Studiums hat sie in der Wissenschaft gearbeitet und in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin (für DDR-Flüchtlinge). Die Integrationserfahrung von DDR-Flüchtlingen war das Thema ihrer Masterarbeit. In die Arbeit sind Zeitzeugeninterviews eingeflossen. An der Sozialwerk-Thematik interessiert sie der regionale Bezug der Migrationsgeschichte, die Auswirkungen auf die Region (die soziale und konfessionelle Struktur hat sich geändert) und die Fluchterfahrungen und wie die Menschen sie gemeistert haben.

»Es gibt zwar viel Material, aber es ist noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet worden«, sagt Joana Poethke, die an der Aufbauforschung interessiert ist. Sie kann sich vorstellen, zum Sozialwerk ihre Dissertation zu schreiben.

Zusammenarbeiten wird sie mit der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, die in Berlin ein Dokumentationszentrum zum Thema Flucht und Vertreibung weltweit entwickelt. Dazu zählt die Geschichte von Millionen Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Heimatverlust ist eine universelle Erfahrung, auch heute sind unzählige Menschen davon betroffen. In diesem Kontext bietet die Stiftung künftig mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Recherchemöglichkeiten ein Forum für historisches Lernen. Joana Poethke stellt die regionale Geschichte in diesen Rahmen.

Zuerst wird sie sich einen Überblick über die Materialien verschaffen, die in Archiven zu finden sind und einen Bestand an Literatur, Dokumenten und Fotos aufbauen. Vernetzt ist sie mit dem Auffanglager Friedland, das ähnlich arbeitet. Beim Aufbau des Archivs in der Gedenkstätte Stalag werde sie mit Ulrike Pastoor zusammenarbeiten, die seit einem Jahr die Stalag-Dokumente katalogisiert. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Zeitzeugen-Interviews geführt werden.

Zu ihrer Aufgabe wird auch gehören, gemeinsam mit der Lenkungsgruppe um Landtagspräsident André Kuper Fördertöpfe zu finden, die eine langfristige Arbeit möglich machen. Drittmittel könnten generiert werden aus der baugeschichtlichen Nutzung, der Transformation des Geländes, und aus dem Bereich Integration von Flüchtlingen, beides hochaktuelle Themen.

Sprechstunde

Joana Poethke stellt sich Menschen, die im Sozialwerk gelebt haben, oder die Dokumente, Fotos oder Gegenstände aus dieser Zeit haben, als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Dokumente können per Leihvertrag abgegeben oder kopiert werden. Sie vereinbart Termine für Zeitzeugen-Interviews. Joana Poethke ist jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und von 17 bis 19 Uhr unter der Telefonnummer der Gedenkstätte Stalag, 05257/3077, erreichbar. Ab sofort ist auch die Internetseite freigeschaltet, auf der es weitere Informationen zum Sozialwerk gibt.

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