25 Bürger sprechen sich auf Einladung der SPD gegen Ansiedlung von Wahl & Co. aus
»Wir müssen das verhindern«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ich bin enttäuscht, wie wenige Leute hier sind. Ich glaube, das ist bei den Menschen im Grauthoff noch gar nicht angekommen.« Das hat ein Bürger bei der Versammlung der SPD zur geplanten Ansiedlung von Wahl & Co. gesagt. SPD-Vorsitzende Marion Herzog war mit 25 Gästen aber sehr zufrieden.

Samstag, 17.03.2018, 06:45 Uhr aktualisiert: 17.03.2018, 06:50 Uhr
SPD-Ortsvereinsvorsitzende Marion Herzog hat 25 Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Meinung zur Ansiedlung von Wahl & Co. zu äußern. Foto: Monika Schönfeld
SPD-Ortsvereinsvorsitzende Marion Herzog hat 25 Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Meinung zur Ansiedlung von Wahl & Co. zu äußern. Foto: Monika Schönfeld

Unzufrieden waren die Bürger damit, über die Ansiedlung des Logistik-Unternehmens am Kreuzkrug nicht mitentscheiden zu dürfen. »Warum macht man keine Bürgerbefragung wie in Steinhagen?«

Marion Herzog sagte vor der Versammlung, dass die SPD am Kreuzkrug sehr wohl ein Gewerbegebiet, aber kein Industriegebiet wünsche. Denn dort seien im 24-Stunden-Betrieb tagsüber und nachts Lärmemissionen von 70 Dezibel erlaubt. Und: »Es geht nicht, den Straßen noch mehr zuzumuten. Bei 1000 Lkw-Bewegungen pro Tag suchen sich die Fahrer doch den kürzesten Weg.«

»Das ist ein Angriff auf die Lebensqualität«

Eine Teilnehmerin der Versammlung: »Keiner will eine Spedition vor der Haustür. Wir müssen alles tun, um das zu verhindern.« Einhellig waren die Anwesenden der Meinung, dass die Stadt und damit die Bürger mit den bereits ansässigen Logistikern Aldi, Schenker und Hermes genug belastet seien. Man müsse ja nicht noch einen draufsetzen.

»Bei Schenker stehen nachts die Lastwagen auf der Straße und machen die Bankette kaputt. Das ist zudem gefährlich. Darum schert sich niemand.« Ein anderer: »Das ist ein Angriff auf die Lebensqualität.«

Die Ansiedlung von Wahl & Co., so ein anderer Bürger, machen keinen Sinn, weil das Unternehmen keine neuen Arbeitsplätze schaffe, sondern sie einfach von Sennestadt nach Schloß Holte-Stukenbrock verlagere.

Summen angezweifelt

Nach Angaben des Unternehmens werden eine Million Gewerbesteuer im Jahr an die Stadtkasse fließen. »Das macht die Stadt erpressbar. Sie wird abhängig von einem großen Unternehmen. Wenn man mehrere kleine Firmen ansiedelt, entzerrt sich das«, meinte einer, wogegen andere die Summe anzweifelten, weil Investitionen den Gewinn erst mal schmälern und deshalb die Steuerlast geringer ausfalle.

SPD-Mann Friedrich Dransfeld sagte, dass der Antrag des Unternehmens, in Schloß Holte-Stukenbrock zu bauen, erst mal nichts Unanständiges sei. »Es ist nicht irgendein Unternehmen. Es zahlt die volle Gewerbesteuer.« Vorteil sei, dass für die Stadt auch Fläche erzeugt werde, die mit anderem, nicht störendem Gewerbe belegt werden könne.

Zur Versammlung war auch Bruno Reinke gekommen, Ratsmitglied der Grünen. Er sagt, ein Logistik-Unternehmen berge ein hohes Konfliktpotenzial. »Die suchen sich ihre Wege. Bis zu 500 Mitarbeiter erzeugen auch Werksverkehr zwischen den Standorten Sennestadt und Kreuzkrug.«

Eine Anliegerin der Falkenstraße befürchtet, dass Lastwagenfahrer durch die Straße rasen. »Die machen alles kaputt und wir müssen dann für den Ausbau zahlen.« Was allen wichtig ist: Es gibt keine Lösungsansätze, wie die Verkehrssituation zu entlasten ist, die heute schon angespannt ist.

Über den Kopf der Kommune hinweg?

Eine Teilnehmerin kritisierte, dass das Unternehmen über den Kopf der Gemeinde Schloß Holte-Stukenbrock hinweg den Antrag an die Bezirksregierung Detmold gestellt habe. »Alles hinter verschlossenen Türen.« Dem hat Marion Herzog allerdings widersprochen. »Der Bürgermeister war schon informiert.«

Marion Herzog forderte die Bürger auf, zur Ratssitzung am Dienstag, 20. März, zu kommen, um den Protest zu dokumentieren. Reden und mitdiskutieren dürfen sie dort aber nicht. Einige Bürger haben ihre Meinung bereits schriftlich an Bürgermeister Hubert Erichlandwehr geschickt. Die Schreiben liegen anonymisiert der öffentlichen Tagesordnung bei. FDP, Grüne, CSB und CDU haben zum Tagesordnungspunkt Anträge formuliert, die bestimmte Bedingungen aufführen, die erfüllt werden müssen.

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