Do., 22.03.2018

Theaterstück über das Leben des polnischen Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek »Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht«

Michael Grunert spielt Szenen aus der Erinnerung Ferdinand Matuszeks. Der polnische Zwangsarbeiter musste auf einem Bauernhof im Amt Rehme arbeiten. Ihm selbst ging es relativ gut, doch er musste viel Schreckliches mit anschauen.

Michael Grunert spielt Szenen aus der Erinnerung Ferdinand Matuszeks. Der polnische Zwangsarbeiter musste auf einem Bauernhof im Amt Rehme arbeiten. Ihm selbst ging es relativ gut, doch er musste viel Schreckliches mit anschauen.

Von Bernd Steinbacher

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der polnische Zwangsarbeiter Ferdinand Matuszek hat Schreckliches erlebt, sagt aber dennoch, dass er Glück im Leben gehabt hat. Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag 326, und Lehrer Friedhelm Schäffer haben ein Buch über ihn geschrieben. Das dient als Grundlage für ein Theaterstück. Premiere ist am Samstag, 7. April, in Bielefeld.

Die Buchautoren Friedhelm Schäffer und Oliver Nickel sowie der Schauspieler Michael Grunert und Regina Berges (Text und Regie, von links) weisen auf das Schicksal des Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek hin. Foto: Bernd Steinbacher In Schloß Holte-Stukenbrock soll das Stück ebenfalls aufgeführt werden – voraussichtlich im Mai. Der Termin wird noch bekannt gegeben. Bei einem Pressegespräch in der Dokumentationsstätte Stalag stellten Nickel, Schäffer, Schauspieler Michael Grunert und Regina Berges (Text und Regie) das Theaterstück »Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht« und seine Entstehungsgeschichte vor.

»Wir haben das Theaterstück Schlachter-Tango von Michael Grunert gesehen und schon länger daran gedacht, aus dem Buch über Ferdinand Matuszek ein Theaterstück zu machen«, sagt Nickel. Die Idee habe dann nach der Anfrage im Jahr 2016 durch die Zusammenarbeit ab 2017 konkrete Formen angenommen.

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Er hat Menschlichkeit erlebt, er hat es gut gehabt, aber dennoch viel Leid gesehen und erlebt. Das ist ihm richtig ins Herz gefahren.

Regina Berges

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»Wir haben das Buch über Matuszek ›Ich habe nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten‹ gelesen, mit seiner Lebensgefährtin gesprochen und lange überlegt, ob das ein Stoff ist, den man auf die Bühne bringen kann, ob es einen Bezug zu heute geben kann«, erklärt Regina Berges. Das Thema Zwangsarbeiter habe lange im Hintergrund gestanden und sei erst spät in die Öffentlichkeit gerückt. Zwangsarbeiter seien entwurzelt und häufig traumatisiert, so wie jetzt Flüchtlinge, die oftmals auch wegen des Krieges in der Heimat nach Deutschland kommen würden. Es sei interessant, dass Ferdinand Matuszek kein typischer Vertreter sei, da er nicht im Konzentrationslager und nicht im Krieg war. »Er hat Menschlichkeit erlebt, er hat es gut gehabt, aber dennoch viel Leid gesehen und erlebt. Das ist ihm richtig ins Herz gefahren«, sagt die Regisseurin. Daraus habe sich der Titel des Stücks ergeben.

Schauspieler Michael Grunert greift auf, was der polnische Zwangsarbeiter erzählt hat, will aber auch die mosaikhafte Erinnerungswelt zeigen, springt dabei zwischen den Zeiten hin und her. »Ich will auch die inneren Vorgänge darstellen, spiele auch mal mit einem Stein im Mund, um die Sprachlosigkeit zu zeigen.« Es sei ein Blick auf die Zeitgeschichte aus Matuszeks Perspektive.

»Es war ein normaler Alltag eines ›Untermenschen‹, der Deutschland bei einem Bauern erlebt hat«, sagt Friedhelm Schäffer.

Termine

Premiere ist Samstag, 7. April, im Theaterhaus TOR 6 in Bielefeld. Das Theaterstück wird in Bielefeld außerdem am Sonntag, 8. April, am Freitag, 13. April, jeweils ab 20 Uhr zu sehen sein.

Weitere Termine stehen bereits fest: 18. April, in Die Druckerei, Bad Oeynhausen, und am 2. Mai, in Minden. Zusätzliche Aufführungen sollen folgen.

 

Kooperationspartner

Das Theaterstück von Regina Berges ist entstanden in Kooperation mit dem Theaterlabor Bielefeld. Produziert wurde es vom Förderverein Gedenkstätte Stalag 326 Senne in Stukenbrock-Senne und unterstützt durch das Kulturamt Bielefeld, durch Gegen Rechts.info, durch die Landeszentrale für politische Bildung NRW, Arbeit und Leben im Kreis Herford DGB/VHS e.V., das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die Volksbank Bielefeld-Gütersloh eG, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Kreisverband Herford), NRWeltoffen und durch »Demokratie leben«.

 

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